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Trainer Daniel Lindner (Mitte) vom Programm „Gewaltfrei lernen“ übt mit Grundschülern, wie man Konflikte gewaltfrei lösen kann. [Foto: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa]

Anti-Gewalttraining: Schon Grundschüler lernen, wie man Konflikte löst

Euskirchen: Wie geht man sinnvoll um mit Frustration, Provokation, Wut oder Beschimpfungen und Schlägen? An der Euskirchener Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Nordstadt lernen bereits die Erstklässler in einem speziellen Programm, das eigene Verhalten so auszurichten, das unangenehme Situationen gelöst werden können. Dazu greifen Monika Tilk, Schulleiterin der GGS, und Konrektorin Kathy Niemann auf das Programm „Gewaltfrei lernen“ zurück. Bereits bei Gründung der Schule 2014 wurde das gesamte Schulpersonal, also nicht nur die Lehrer und Lehrerinnen, von einem externen Trainer geschult, berichtete Kathy Niemann kürzlich in der Grundschule. Seither würden alle Erstklässler geschult und das Kollegium fortgebildet – mit deutlichem Erfolg. „Ohne Sponsoren könnten wir das allerdings nicht bezahlen“, betonte die Pädagogin und bedankte sich bei den eingeladenen Vertretern der Förderer: Hartmut Cremer, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Euskirchen (KSK), Alexis Höhn, Anlageberaterin bei der Volksbank Euskirchen, und Ralf Klinkhammer, Filialleiter der Sparda-Bank Euskirchen, schauten sich vor Ort ein Training der Erstklässler an.

Der Trainer Daniel Lindner von „Gewaltfrei lernen“ saß dabei umringt von Schülern in der Turnhalle und hatte eine Handpuppe auf der rechten Hand: Ein „echter“ Drache. Lindner: „Was mache ich, wenn mich der Drache tritt?“ sofort schossen die Finger der aufmerksamen Schüler hoch. Eine Schülerin erklärte den ersten Schritt: „Ich sage laut »Stopp!«“ Wenn der Drache weiter „zankt“, dann macht man klar, dass man gleich Hilfe holt. Hört der Drache immer noch nicht auf, geht man zur Aufsicht und bittet um Hilfe. In kleinen Rollenspielen übten die Schüler das auch gleich ein.

„Wenn jemand richtig fies ist und es wehtut, dann holt ihr gleich die Aufsicht“, riet Lindner. Die Aufsicht verfährt dann nach einem Kartensystem: Kleinere Regelverletzungen werden mit einer „Gelben Karte“ geahndet, damit der- oder diejenige weiß, dass da gerade eine Grenze überschritten wurde. Bei fortgesetzten Überschreiten der klaren Regeln oder bei heftigem Verhalten wie Schläge, Tritte oder wüste Beleidigungen gibt es dann „Rot“: Dazu gibt es einen speziellen Trainingsraum, in dem der Betreffende zusammen mit einer Aufsicht das Geschehene reflektiert, bespricht, was überhaupt los war, wie es zu der Situation kommen konnte und was man hätte anders machen können. Das wird dann aufgeschrieben oder aufgemalt, diesen Bogen bekommen darauf die Eltern zusammen mit einer Schilderung seitens der Schule zur Unterschrift vorgelegt. Sollte es drei „Roten Karten“ geben, werden die Eltern zu einem Gespräch mit der Schulleitung gebeten. Monika Tilk: „Das kommt aber bei 350 Schülern nur etwa 20 Mal im Jahr vor.“ Meist seien es aber die gleichen Kinder, die auffällig würden. Auch wenn über diese Kinder viel geredet und viel Zeit für die Suche nach Lösungsmöglichkeiten investiert werde, dürfe man aber nicht vergessen, dass 330 Kinder eben auf „grün“ stünden.

Langfristig könne das Programm nicht nur situationsbezogen helfen, sondern zu wirkungsvollen Verhaltensänderungen führen, wie Kathy Niemann betonte: „Ich erlebe aktuell in einer vierten Klasse, wie die soziale Kompetenz von ehemals auffälligen Schülern stark gestiegen ist.“ Dabei unterstützen und erinnern sich die Schüler auch gegenseitig. Wichtig dabei seien wenige, aber klare Regeln mit direkten und einheitlichen Konsequenzen bei Verstößen. Dafür sei ein hohes Engagement des Kollegiums auch über die Dienstzeit hinaus erforderlich: „Das machen aber glücklicherweise alle gern, wir ziehen an einem Strang. Dadurch wird für alle, Schüler wie Lehrer, der Unterricht angenehmer und leichter.“

Neben deeskalierenden Verhaltensmöglichkeiten in der direkten Konfrontation wird auch auf „Cyber-Mobbing“ eingegangen, so Monika Tilk: „Spätestens in der vierten Klasse haben viele ein Handy und nutzen Soziale Medien, da ist das schnell ein Thema.“ Bei einer internen Umfrage gaben 90 Prozent der Eltern an, dass sie mit dem Programm sehr zufrieden seien. Kathy Niemann: „Allen kann man es nicht recht machen – und die, die unzufrieden sind, haben meist Kinder, die »Rote Karten« bekommen. Die Kinder fühlen sich durch die klaren Regeln aber wohler – besonders die Kinder mit ehemals weniger Sozialkompetenz kommen gern zur Schule.“ [epa]

2.2.2018PänzEuskirchen0 Kommentare pg

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