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Försterin Ute Hass (2.v.r.) gab beim Waldfrauentag 2017 wertvolle Tipps zur Waldpflege. [Foto: js]

Forstverstand für den Wald von morgen: Nachhaltigkeit statt Kahlschlag

Heimbach: Nachhaltigkeit, das sagt Försterin Ute Hass klipp und klar, bedeute, dass nicht mehr geerntet werden kann, als nachwächst. Bereits 1713 forderte Hannß Carl von Carlowitz in seinem Buch „Sylvicultura Oeconomica“, den „Anbau des Holtzes anzustellen, daß es eine continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe.“ Heute, über 300 Jahr später, wird der Heimbacher Wald nach Carlowitz‘ Nachhaltigkeitsprinzip bewirtschaftet. Bereits im 17. Jahr ist Ute Hass für den Heimbacher Forst zuständig. Im Gespräch mit EIFELON erläutert sie ihren Arbeitsplatz Wald.

Um einen Wald im ökologischen und ökonomischen Gleichgewicht zu halten, sei es zunächst wichtig, den „Ist-Zustand“ zu analysieren: Welche Baumarten gibt es? Wie alt sind die Bäume? Und: In welchem Pflegezustand befinden sie sich? Erst wenn der Zustand des Waldes analysiert sei, lasse sich ein effektiver Maßnahmenkatalog (auch „Forsteinrichtung“ genannt) erarbeiten. „Das Ökosystem Wald ist ein langlebiges Konstrukt von Pflanzen und Tieren. Man muss die Abläufe kennen, um die Dynamik innerhalb des Systems verstehen und lenken zu können.“ Nachhaltigkeit heiße deshalb nicht automatisch, immer den gleichen Ertrag zu erzielen, betont Ute Hass. Unvorhersehbare Faktoren kämen oft zusammen: „Zu trockene oder zu nasse Sommer, Stürme wie Kyrill oder Frostschäden können die ganzen angestrebten Ergebnisse über den Haufen werfen.“

Nachhaltige Waldpflege bedeutet für Ute Hass, „dauerhaft mit dem Objekt zu arbeiten. Tag für Tag.“ Denn die Entwicklung „ihres“ Waldes kann nicht am PC geplant oder nur auf dem Papier bilanziert werden – selbst wenn Jahr für Jahr Wirtschaftspläne erstellt werden müssen. Schließlich spielt der Faktor Wald in vielen städtischen Haushaltsplänen eine entscheidende Rolle. Erlöse aus dem Holzverkauf finden Niederschlag im jeweiligen Stadtsäckel. „Eine gute Qualität des Waldes ist gut für das Portemonnaie der Gesellschaft“, stellt sie ganz sachlich fest.

Daher sind ihre pflegenden, vorsorgenden Maßnahmen „im Busch“ im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert: Mindestens drei von fünf Tagen verbringt die gebürtige Berlinerin im Wald. „Manchmal sind es auch vier von sechs“, meint sie schmunzelnd. „Mit ‚Forstverstand‘ kann man viel erreichen.“ Wichtig sei deshalb auch, dass Bäume auf Standorten stehen, wo sie hingehören. Boden, Höhenlage und Niederschlag sind entscheidende Faktoren. Gezielte Fällarbeiten können Lichtschneisen öffnen, um eine Verjüngung des Waldes zu beschleunigen.

Impressionen aus dem Heimbacher Wald:

In ihrer übrigen Arbeitszeit ist Verwaltung angesagt. Zudem organisiert Ute Hass unzählige Veranstaltungen, um den großen und kleinen Mitbürgern das faszinierende Phänomen Wald nahezubringen. „Wir arbeiten viel mit Kinder- und Jugendgruppen. Von Kindergarten-Wanderungen, über Waldjugendspiele, Jugendfreizeiten oder Waldfrauentag 2017 bis hin zum ‚Tag des Waldes‘ am Zülpicher Badesee.“ Auch der alljährliche „Girlsday“, mit dem sie junge Mädchen für den abwechslungsreichen Beruf der Försterin – einem Balance-Akt zwischen ressourcenschonender Naturpflege, verantwortungsvollem Finanzmanagement und den Anforderungen und Wünschen der eigenen Familie – begeistern will, steht auf Ute Hass‘ „to do-Liste“. Schließlich seien unter den rund 300 für das Land NRW tätigen Revierleitern nur rund zehn Frauen tätig und auch auch alle 16 Forstamtsleiterstellen sind noch männlich besetzt.

„Der Wald ist stets ein Spiegel der Gesellschaft“, erläutert Ute Hass. Nach dem Krieg habe man vorrangig schnellwachsende Fichten angepflanzt. „Das ist mit Hochachtung zu bewerten“, lobt sie die Waldbesitzer, die damals – Reihe für Reihe – den „Alleskönner“ Fichte aufgeforstet haben. Ein schnell nachwachsender Rohstoff, der als Baumaterial oder Heizstoff dringend gebraucht wurde. „Mittlerweile haben wir aber ein anderes Waldverständnis. Wir brauchen mehr Vielfalt, damit die nächsten Generationen stabilere Wälder vorfinden. Das Thema Klimawandel kann und darf bei so langfristig wirkendem Tun ja nicht ignoriert werden. Die Natur bietet uns doch ein ‚Warenhaus‘ an. Wir müssen dafür sorgen, dass die Pflanzen zum Standort passen, sonst klappt das nicht mit Stabilität und Vielfalt.“

Im Laufe der Jahrzehnte habe sich zudem das Freizeitverhalten verändert. Der Wald wird zunehmend zum Erholungsraum für Wanderer, Reiter oder Mountainbiker. Da heißt es, viele verschiedene Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen. Das Refugium Wald lasse sich auf unterschiedlichste Weisen kennenlernen – immer gepaart mit dem Respekt vor der Urgewalt der Natur. „Um ursprüngliche Wälder zu erleben, reicht es schon, beispielsweise bis in den Hainich nach Thüringen zu fahren. Es muss nicht Canada sein.“

Für einen gesunden, vielfältigen Wald ist vor allem eins erforderlich: Wild und Wald müssen im Gleichgewicht, im „schwebenden Verhältnis“ gehalten werden, wie Ute Hass es formuliert. Ohne die ehemals natürlichen Feinde Bär, Luchs oder Wolf müsse in heutiger Zeit der jagende Mensch in die Bresche springen, um Rot-, Reh- und das Schwarzwild (sprich: Wildschweine) im Zaum zu halten. Der zunehmende Wildverbiss – also das genüssliche Abknabbern der schmackhaften Triebe oder das Abfressen der jungen Rinde schädige den Baumbestand über Jahrzehnte hinweg. Die Spätfolgen davon zeigen sich, sofern der Baum es überlebt, allerdings oft erst nach dreißig oder vierzig Jahren, wenn der Baum gefällt wurde. Zwar hat der Stamm dann auch eine beachtliche Stärke erreicht, aber die Holzqualität ist minderwertig, und zwar gerade dort, wo sich die größte Holzmasse befindet – im unteren Teil des Stammes. „Ein solcher Stamm bringt dann im Verkauf nur die Hälfte des geplanten Erlöses oder weniger. Diesen wirtschaftlichen Verlust gleicht keine Jagdpacht aus“, hebt Ute Hass hervor.

Um das sensible Ökosystem Wald auch zukünftig zum Wohle erholungssuchender Bürger – und der Stadtkasse – im Gleichgewicht zu halten, setzt die Heimbacher Försterin auf zwei Faktoren: „Zeit und ein wachsames Auge, denn hier wächst der Wald von morgen und übermorgen.“

17.3.2017NaturHeimbach0 Kommentare bwp

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