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Auf dem Kopf stehend, werden die einzelnen Buchstaben auf der Druckwalze montiert. [Foto: bwp]

Internationale Kunstakademie: Aktionen, Ausstellung und Lit.Eifel-Lesung

Heimbach: Ab zum alten Eisen? Nicht in der Internationalen Kunstakademie Heimbach. Hier können große und kleine Besucher am Internationalen Museumstag, dem 21. Mai, nicht nur an Atelierführungen, Fotoworkshops und Kreativkursen teilnehmen, sondern auch munter „Sprüche klopfen“. Egal, ob Oma Finchen zum 90. Geburtstag gratuliert oder einfach nur „Papa ist der Beste!“ auf einem farbigen Schleifenband verewigt werden soll.

Möglich wird das mit einer alten Prägemaschine, auf der früher Schleifen für Familienfeiern, Jubiläen oder Beerdigungen bedruckt wurden. Die Heimbacher Blumenhändlerin Michaela Hurtz hatte das alte Ungetüm lange Zeit in ihrem Laden stehen, doch dann reichte der Platz nicht mehr aus. „Mittlerweile kann man solche Spruchbänder im Großmarkt per PC ausdrucken lassen“, erzählt sie. Doch zum Verschrotten war ihr das nostalgische Schätzchen zu schade. Vor drei Jahren schenkte sie deshalb die altertümliche Maschine der gegenüberliegenden Kunstakademie. Auch hier stand das historische Teil lange Zeit unbeachtet in einem Abstellraum. Immer wieder mal drohte es ihr, zum alten Eisen abgeschoben zu werden. Doch nun – am Internationalen Museumstag – wird sie zu neuem Leben erweckt. Das Akademie-Team machte den Wuppertaler Hersteller ausfindig und bestellte zunächst ein Probepaket mit Bändern und Folien, um den Mechanismus der Maschine auszuprobieren.

Um einen kurzen Spruch aufs wetterfeste Satinband zu bannen, muss man allerdings gegen alle Schreibgewohnheiten agieren: Wie zu Gutenbergs Zeiten, beim Beginn des Buchdrucks, wird jeder Slogan – Buchstabe für Buchstabe – mit einer Spezialzange zusammengesetzt. Dabei müssen die einzelnen Buchstaben kopfstehend montiert werden. Danach wird die obere Lade der Maschine – vergleichbar mit einem Waffeleisen – für den Druck vorsichtig nach unten gedrückt. Während die altertümliche Prägemaschine auf ihre Arbeitstemperatur hochgeheizt wird, muss eine Farbfolie über das zu bedruckende Schleifenband gelegt werden – wie früher das Durchschlagpapier zu Zeiten der guten, alten Schreibmaschine. Damit die Schleifenbänder während des Prägevorgangs nicht verrutschen, wird das Textilband mit kleinen Magneten an den Seitenwänden der Maschine fixiert.

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Marina Latz (l.) und Annika Tings warten gespannt auf den ersten Druck: Neue Kunst in alten Mauern. [Foto: bwp]

Mit Feuereifer probierten die beiden Kunstakademie-Praktikantinnen, Annika Tings und Marina Latz, die beeindruckende Maschine aus. Es knackte gewaltig, bis das Altertümchen auf Betriebstemperatur kam. Der erste Slogan, den die beiden Praktikantinnen prägten, lautete natürlich: „Neue Kunst in alten Mauern.“ Mit wasserfesten Permanent-Markern lassen sich die frisch bedruckten Spruchbänder anschließend noch individuell verzieren. Auch am zweiten Tag des Heimbacher Stadtfestes, das am 10. Juni mit Kinderfestival im Kurpark und am 11. Juni auf der für den Verkehr gesperrten Hengebachstraße gefeiert wird, soll die Schleifenprägemaschine zum Einsatz kommen.

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AGILA, die bewegliche Holzfigur. [Foto: bwp]

Wer am Museumstag an einem der Kreativangebote der Akademie teilnehmen möchte, sollte sich auf jeden Fall auch die Werkschau ansehen, die noch bis zum 11. Juni kostenlos besucht werden kann. Gezeigt wird ein qualitativ hochwertiger Querschnitt aus den Malerei-, Druckgrafik- und Holzbildhauerei-Kursen. Regelmäßigen Vernissage-Besuchern wird ein Exponat bekannt vorkommen: Bereits zum dritten Mal zeigt Clelia Meyer ihre handwerklich gekonnt gefertigte, bewegliche Holz-Figur, doch jedes Mal hat die Figur sich verändert. Diesmal liegt der hölzerne Akt AGILA mit geschlossenen Augen grazil auf einem Podest. Sie wird bestimmt noch ein viertes Mal zu sehen sein, denn die Kursbesucherin Meyer hat vor, einen zweiten Kopf zu erarbeiten: Diesmal mit geöffneten Augen.

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Arnold Stadler stellt in Heimbach seinen neuen Roman vor. [Foto: Jürgen Bauer]

Den Dienstag, 30. Mai, sollten sich Literatur-Freunde vormerken: Dann ist Büchner-Preisträger Arnold Stadler zu Gast in der Internationalen Kunstakademie Heimbach. Ab 19.30 Uhr wird er im Palas der Burg Hengebach Passagen aus seinem neuen Roman „Rauschzeit“ lesen: Alain und Mausi sind beide 40 und seit 15 Jahren verheiratet. Als überraschend die gemeinsame Freundin Elfi stirbt, ist Mausi in ihrer Wohnung in Berlin und Alain auf einem Übersetzerkongress in Köln. Elfi, das war eine Freundin aus den Tagen der Freiburger Wohngemeinschaft mit Alain, Mausi, Justus, Inge, Toby und Babette. 1983 hat man gemeinsam einen Sommer der Liebe und Freiheit an der französischen Atlantikküste verbracht. Aber was hat die Zeit seitdem aus ihnen gemacht? Justus und Inge sind Spießer geworden, Norbert ist an Aids gestorben, Toby spurlos verschwunden. Jetzt begegnet Alain in Köln seiner großen Liebe Babette wieder, und Mausi verliebt sich in Berlin in einen blonden Dänen, der sich in der Oper neben sie setzt… „Ein fulminanter Liebesroman, der die Geschichte der Eheleute Mausi und Alain mal heiter, mal melancholisch, aber auch ironisch und bitterböse erzählt“, heißt es in einer Vorankündigung zur Autorenlesung. Die Karten für die Lit.Eifel-Lesung auf Burg Hengebach kosten zwölf, ermäßigt sechs Euro.

19.5.2017KulturHeimbach0 Kommentare bwp

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