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Lars Vogt und Kaoru Oe stimmten auf das Kammermusik-Festival "Spannungen" ein. [Fotos: bwp]

Kammermusik-Festival „Spannungen“: Jeder Ton ist Leben

Heimbach: Einen musikalischen Vorgeschmack auf das exquisite Kammermusik-Festival „Spannungen“ erlebten wir Journalisten, als im Dürener RWE-Gebäude das Konzept für die diesjährige Konzertwoche im Juni vorgestellt wurde. Zum ersten Mal griff während der Pressekonferenz ein „Spannungen“-Musiker zum Instrument: Der 22-jährige japanische Violinist Kaoru Oe, einer der drei jungen Stipendiaten 2016. Mit geschlossenen Augen und virtuoser Technik interpretierte er Bach und Paganini. Mal hauchzart, dann rebellisch bunt.

„Jeder Ton ist Leben“, zitierte der künstlerische Festivalleiter Lars Vogt einen seiner ehemaligen Lehrer und erläuterte den diesjährigen Programmablauf. Musikalischer Schwerpunkt der „Spannungen“-Woche, die vom 20. bis 26. Juni im Heimbacher Jugendstil-Kraftwerk stattfindet, ist in diesem Jahr die musikalische Vielfalt des späten 19. Jahrhunderts bis zur Jahrhundertwende – „mit Highlights von Schumann bis Penderecki, Mendelsohn bis Ligeti und Suk bis Schostakowitsch.“ Auch Werke von Brahms, Schubert, Mozart und Mahler werden zu hören sein. Ebenso kommt ein Auftragswerk der schottischen Komponistin Helen Grime zur Uraufführung: Mit ihrem Mann, dem Pianisten Huw Watkins, der bereits 2012 „composer in residence“ war, erarbeitet sie zurzeit eine Sonate für Oboe und Klavier.

Gemeinsam mit seinen Musikerkollegen habe er die Konzert-Reihe musikalisch zusammengestellt, erklärte Lars Vogt. „Das Thema der Flüchtlinge bewegt uns alle“. Und so sei die Frage aufgekommen, wer die „Flüchtlinge“ der Musik gewesen seien. Auch viele der großen Komponisten seien gezwungen gewesen zu fliehen, zieht der Festivalleiter Parallelen. Aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen, hätten sie trotzdem versucht, Kontinuität in ihre Arbeit zu bringen. „Jede Flucht beginnt mit Aufbruch, der Suche nach einer neuen Chance“, erläuterte er. Das gelte auch – im übertragenen Sinn – für die Suche nach einer neuen „Komponiersprache“.

Für ihre täglichen Proben treffen sich die Weltklasse-Musiker während des Festivals nicht mehr – wie in den vergangenen Jahren – im Haus Schönblick, sondern in den Räumen der Internationalen Kunstakademie Heimbach auf Burg Hengebach. „Wir kehren zum Ursprung von ‚Spannungen‘ zurück“, freuten sich die Organisatoren über das neue, alte Probenambiente. Zuvor musste jedoch gemeinsam vor Ort überlegt werden, wie man große Instrumente wie Harfe oder Konzertflügel in die Räumlichkeiten transportiert bekomme. „Die alten Treppenaufgänge zur Burg sind schmal, aber es geht.“ In den Räumen der Akademie soll auch das Festivalbüro eingerichtet werden.

Geprobt wird im ebenerdigen Ausstellungsraum an der Hengebachstraße und im ehemaligen Palas der Burg. Sogar das nostalgische zusätzliche Trauzimmer im Kavaliershaus wird für die Proben der Musiker ausgeräumt. „Während ‚Spannungen‘ herrscht in Heimbach Heiratsverbot“, schmunzelte Lars Vogt vergnügt. Wie in den Vorjahren können viele der öffentlichen Proben kostenlos besucht werden, zudem sollen auch wieder Vorträge und Einführungen in das Abendprogramm angeboten werden.

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Bei den Werkstattkonzerten werden die Pänz kindgerecht an klassische Musik herangeführt.

Beim so genannten „Werkstattkonzert“ werden am 23. Juni wieder über 500 Kinder aus der Region das Jugendstil-Kraftwerk füllen, um mit Lars Vogt und seinen Musikern die Welt der Klassik zu entdecken. Als Co-Moderator konnte Vogt den allen Kindern bekannten KIKA-Moderator Malte Arkona gewinnen, der mit ihm bereits einige Veranstaltungen von „Rhapsody in school“ durchgeführt hat. Während der Festival-Woche sind auch Besuche der Künstler in den umliegenden Schulen angedacht.

Wichtig ist es für Lars Vogt, auch junge Musiker in die große Kammermusik-Familie einzugliedern. Das stärke, stütze und fördere gegenseitig. Die Kammermusik-Woche biete den jungen Künstlern eine „Präsentationsfläche“ vor begeistertem Publikum. Als Stipendiat konzertierte beispielsweise der jetzt 20-jährige Pianist Aaron Pilsan wiederholt im Kraftwerk. Nun ist er in die Musiker-Familie hineingewachsen und wird in diesem Jahr gleich siebenmal mitwirken. Das Heimbacher Festival habe mittlerweile weltweit einen ausgezeichneten Ruf, doch die Musiker kämen nicht aus „Renommee“-Gründen, „sondern weil sie ‚Spannungen‘ lieben und sich drauf freuen.“

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Stellten das Festival-Programm vor: Christoph Schmitz, Dr. Andreas von Imhoff, Dr. Hans-Joachim Güttler, Lars Vogt, Kaoru Oe, Rainer Hegmann und Ludwig Kons (v.l.).

Vom Heimbacher Flair ist auch Christoph Schmitz, Deutschlandfunk, infiziert. Er bezeichnete das „grüne Tal samt Jugendstil-Kraftwerk“ als „Bayreuth der Kammermusik“. Jahr für Jahr werde jeder einzelne Ton des Festivals aufgezeichnet und im Laufe der kommenden Monate weltweit gesendet. „Die Ausstrahlung der Musik aus dem Heimbacher Kraftwerk ist ein Pfeiler unseres Programms“, und der Radiosender sei bestrebt, mit der jeweils neusten Aufnahmetechnik die einmalige Atmosphäre der Konzerte einzufangen. Pünktlich zu „Spannungen“ sollen erneut CD-Mitschnitte von den Konzerten 2015 veröffentlicht werden. Ausdrücklich bedankte sich Lars Vogt beim Hauptsponsor RWE, vertreten durch Rainer Hegmann und Ludwig Kons. „Unser Ziel ist es weiterhin, die Kultur in der Region nachhaltig zu unterstützen“, unterstrich Hegmann. Bis ins Jahr 2019 ist die finanzielle Förderung durch RWE gesichert. „Wir sitzen daumendrückend dabei und hoffen, dass alles gut geht“, versicherte Lars Vogt mit Blick auf die momentane wirtschaftliche Situation des Konzerns.

Rund 400.000 Euro koste das gesamte Festival, erläuterte Dr. Hans-Joachim Güttler, Vorsitzender des Kunstfördervereins Kreis Düren. Die Hälfte davon sei über Eintrittsgelder zu finanzieren, denn rund 6.000 Karten stünden pro Jahr während der Kammermusikwoche zur Verfügung. Der Rest der benötigten Gelder würde durch Sponsoren generiert. Die Kartenpreise sollen auch in diesem Jahr konstant bleiben. „Natürlich ist Luft nach oben drin“, aber man organisiere schließlich kein elitäres „Schickimicki-Festival“, sondern ein Event für wahre Musikliebhaber, deshalb müsse der Eintritt für Jedermann bezahlbar bleiben.

Der Kartenvorverkauf für das 19. Kammermusik-Festival „Spannungen“ vom 20. bis 26. Juni startet erst am 16. April um Punkt 10.00 Uhr. Dann werden sowohl die Faxleitung (02421 – 971683) und das Bestellformular unter www.spannungen.de für Reservierungen freigeschaltet. Achtung: Formlose Mails werden nicht berücksichtigt. Kartenbestellungen per Post sind unter der Adresse Musik im RWE-Kraftwerk Heimbach, Postfach 101145, D – 52311 Düren, möglich.

Die Bestellung von Einzelkarten ist begrenzt auf maximal vier Karten pro Konzert und acht Karten für die gesamte Konzertwoche.

Wie in jedem Jahr gehen dem Musikfest „Spannungen“ zwei Vorspann-Konzerte am 18. und 19. Juni voraus. Mit einem zusätzlichen „Nachtkonzert“ unter dem Titel „Encore… Surprise… Zugabe“ werden die Musiker am 24. Juni, 22.30 Uhr, mit ausgesuchten Lieblingsstücken das Publikum überraschen.

18.3.2016KulturHeimbach0 Kommentare bwp

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