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Die kleinen Zinnfiguren verdeutlichen auch die mittelalterliche Falknerei. [Foto: Brigitte Lerho]

Zinnfiguren im Burgenmuseum: Kleine Gestalten erzählen große Geschichte

Nideggen: Mit sieben Jahren entdeckte Joachim-Albrecht Graf Bülow von Dennewitz – der 1925 geborene Cousin von „Loriot“ – seine Leidenschaft zu Zinnfiguren: „1932 lernte ich diese bunten Männchen kennen und fand sie viel schöner als steife Bleisoldaten oder Elastolin Figuren. Ich wünschte mir zu jedem Geburtstag und Weihnachten ohne historischen Verstand was schön bunt war.“ Das war seine Kindersicht auf die Dinge, doch die Sammelleidenschaft mit inzwischen hellwachem historischen Verstand hielt acht Jahrzehnte – bis zu seinem Tod 2013.

Durch einen glücklichen Zufall wurde Luzia Schlösser, Leiterin des Nideggener Burgenmuseums, auf die grandiose Sammlung aufmerksam. Ein Fünftel der liebevoll bemalten Figuren befinden sich nun als Schenkung im Besitz des Museums. „Sein Traum war es, die Sammlung im musealen Bereich zeigen zu können“, beschreibt Luzia Schlösser die Gespräche mit der Familie. 2015 wurde die Übergabe mit Hasso Graf Bülow von Dennewitz, dem Sohn des Sammlers, festgezurrt und im Frühjahr 2016 durch einen mittelalterlichen Handschlag besiegelt. Nun kann der kunterbunte, ausdrucksstarke Schatz erstmals bestaunt werden: In seiner Jahresausstellung zeigt das Nideggener Burgenmuseum „Ein farbenprächtiges Kaleidoskop der Geschichte“ und präsentiert – anhand der gegossenen Figuren – höfische Kultur und Macht in Europa zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert.

Die Voraussetzungen auf Burg Nideggen sind ideal: Im Bergfried der mittelalterlichen Burg sind nun die Guckkästen mit nachgestellten, historischen Szenen zu begutachten. En miniature ist Graf Walram von Jülich in der Schlacht von Worringen detailgetreu zu erleben. Andere Guckkästen beleuchten das Schicksal der Jeanne d’Arc, die Schlacht von Hastings 1066, das Königstreffen von Calais 1520 oder einen „Zahnbrecher“ in Köln um 1550. Im plastisch gestalteten Hintergrund ist die Baustelle des Kölner Doms zu sehen…

Allein in dem nachgestellten Schaubild von der Schlacht am Schweizer Murtensee sind 2.500, bis ins kleinste Detail bemalte Zinnfigürchen in Szene gesetzt. Um diese Ausstellung zu ermöglichen, mussten viele Sonderschichten gefahren werden. Das im Keller des Grafen Bülow aufgebaute Szenario der historischen Schlacht zwischen Karl dem Kühnen und den Schweizer Eidgenossen wurde zunächst – Szene für Szene – abfotografiert. Dann mussten die maximal drei Zentimeter großen Zinnfiguren vorsichtig mit einem Skalpell vom Untergrund abgelöst und transportsicher verstaut werden. „Ich habe damals 3.500 Zahnstocher gekauft“, verrät Luzia Schlösser ihren Transport-Trick. Ausgerüstet mit Bananenkartons und vielen Styroporplatten fuhr sie zum Sohn des Sammlers. Stück für Stück wurden die bemalten Figürchen jeweils mit einem Wall aus Zahnstochern gesichert, damit sich die Standarten und Speere der kleinen Kämpfer nicht miteinander verhaken und dadurch verbiegen.

Einen farbigen Überblick der Geschichte geben auch die quadratischen Schaukästen, in denen einzelne Themengruppen visualisiert werden: In den beleuchteten Guckkästen wird beispielsweise die Kleiderordnung der Zivilgesellschaft den damaligen Modetrends der Feudalherren gegenübergestellt. Andere Szenen informieren über mittelalterliche Jagdgebräuche, Gerichtswesen, Handwerk oder Waffenschmieden.

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In den Guckkästen wird Geschichte erlebbar. [Foto: Brigitte Lerho]

Holzbänke vor den einzelnen Schaukästen, den so genannten Dioramen, bieten Platz zum Staunen. Gönnen Sie sich viel Zeit, um die Austellung zu erleben, denn plötzlich nimmt der oft trockene Stoff aus den Geschichtsbüchern Leben an. Absolut familienfreundlich sind auch die in Kinderhöhe baumelnden Infotexte. Zwischen zwei Holzdeckeln werden die wichtigsten Fakten erklärt und dann heißt es nur noch: Hinschauen, staunen, entdecken, verstehen.

Auch Bülows Sammlerfreund Dr. Wolfgang Weiß ließ bei seiner Eröffnungsrede die Faszination an der nachgestellten Geschichte durchblicken: „Wenn so eine kleine Zinnfigur bis zum letzten Pinselstrich fertig bemalt ist, hat man das Gefühl, jetzt läuft sie Dir davon!“

In Kooperation mit dem Nideggener Burgenmuseum verlost EIFELON drei Familienkarten zum kostenlosen Eintritt der Zinnfigurenausstellung. Wer sich beteiligen möchte, sollte bis zum 19. Mai eine Mail mit dem Stichwort „Kaleidoskop“ an schicken. Unser Redaktionsteam und die Museums-Crew wünschen allen Teilnehmern viel Glück!

Zinn und seine Verarbeitung ist den Menschen seit der Antike bekannt. Auch das Mittelalter kannte die Zinnsubstanz. Die bedeutende mittelalterliche Seestadt Brügge war eine Handelsmetropole für Zinn. In Marseille, Köln, Augsburg und Nürnberg entwickelten sich ebenfalls Zinnhandelsplätze. Im Jahr 1285 finden sich erstmalig in Nürnberg Eintragungen über Zinngießer. Erzeugt wurden Gebrauchsartikel, sakrale Kleingegenstände und Spielzeug. Im 15. Jahrhundert wurde das Handwerk des Zinngießens der Zunftkontrolle unterworfen. Während Zinngießer Gebrauchsgegenstände herstellten, widmeten sich fortan die so genannten „Kandelgießer“ der Herstellung von Zinnfiguren und der Ausstattung von Puppenhäusern. Belegt ist, dass auch Kaiser Maximilian (1459 bis 1519) als Kind mit Zinnfiguren spielte. Neben dem Spiel mit den gegossenen Figürchen entwickelte sich zunehmend die Dar- und Nachstellung von historischen Szenen und Begebenheiten.
12.5.2017KulturNideggen0 Kommentare bwp

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