"Viele kleine Dinge wurden durch die richtige Art von Werbung groß gemacht."

Mark Twain
EIFELON weiterempfehlen

Wir informieren die Eifel

unabhängig. überparteilich. unbezahlbar.

neue Kommentare
0
Vielleicht sollte man doch etwas Bargeld behalten? [Foto: pixabay]

Bargeldloses Bezahlen: Tausche Uhr gegen Buch

Eifel: Stellen Sie sich vor, Sie sind total hip. Irgendwie muss das ja, denn Ihre Freundinnen sind es auch. Die NFC-Technik finden Sie „einfach nur klasse“. Mit dieser Nahfeld-Kommunikations-Technik können Sie jetzt „so einfach“ an der Kasse bezahlen, mit EC-Karte, Kreditkarte, Smartphone oder der Armbanduhr mit eingebautem NFC-Chip. Dann halten Sie den Gegenstand an das Kartenterminal und schwupps werden Ihre Kontodaten via Funk übertragen. Im Supermarkt, beim Bäcker, im Bus, auf dem öffentlichen Klo. Schon überlegen Sie, auch ein Cybernetic Organism, ein Cyborg, zu werden mit eingesetztem NFC-Chip unter der Haut. Auf dem Chip lassen Sie später außerdem Ihre Gesundheitsdaten speichern. Das ist „so praktisch“. Bargeld brauchen Sie ab jetzt nicht mehr. Was war das lästig zeitaufwändig! Immer nach den Münzen und Scheinen im Portemonnaie suchen, die am Monatsende doch nur weniger wurden. Und was Sie jetzt so ohne Bargeld alles Gutes bewirkt haben! Die Händler sparen, weil sie den Banken keine Kosten mehr dafür zahlen müssen, dass diese das Bargeld annehmen und später als Wechselgeld wieder an die Händler zurückgeben. Die Welt ist noch ein Stück sicherer geworden! Was Polizei und Richter nicht geschafft haben, mit dem bargeldlosen Bezahlen haben Sie das organisierte Verbrechen in die Knie gezwungen und ausgemerzt. Den Finanzfirmen haben Sie noch mehr Reichtum beschert, weil die nun wirklich alle Ihre Konsumdaten für viel Geld weiterverkaufen können. Stören tut Sie das nicht. Sie haben ja nichts zu verbergen. Kraftvoll beißen Sie in Ihren glutenfreien Sojaburger. Eigentlich mögen Sie lieber Steak. Aber das hat eine zu negative Ökobilanz. Deshalb ernähren Sie sich lieber vegetarisch. Machen Ihre Freundinnen auch so.

Zehn Jahre später kauen Sie noch immer an einem Sojaburger. Sie sitzen im Zug. Mit der NFC-Technik, versteht sich, haben Sie im Gegensatz zu Ihrem Sitznachbarn der Bahn zuvor einen Aufschlag auf Ihr Ticket gezahlt, damit Sie CO2-neutral fahren. Während Sie so vor sich hinkauen, surfen Sie mit Ihrem neuesten iPhone aus Seltenen Erden im Internet. Und weil sich der Algorithmus von Google gemerkt hat, dass Sie oft Seiten rund um vegetarische Ernährung anklicken, bietet Ihnen die Google-Blase zwei Artikel über Sojabohnen an: „Europaparlament lehnt dreifach-resistente Gentech-Soja ab“. Gut, denken Sie, wer will das Zeug auch essen? „EU-Kommission erlaubt die Einfuhr dreifach resistenter Sojabohnen“. Upps. Sie lesen Wörter wie „Erbgutschäden“ und „möglicherweise krebserregend“ und Sätze wie „Die Organisation Testbiotech wirft den Konzernen Dow und Bayer vor, Daten für die Risikoprüfung dieser gentechnisch veränderten Soja-Linien manipuliert zu haben“. Nein, das würden die doch nicht tun, denken Sie. Und dann hätte die vom Bürger nicht gewählte Kommission der Einfuhr doch auch nicht zugestimmt. „Fake news!“, ärgern Sie sich. Und überhaupt: Die Artikel sind zehn Jahre alt. Der über die Erlaubnis stammt vom 22. Januar 2018. Wenn an dem Inhalt etwas dran gewesen wäre, hätte es doch einen medialen Aufschrei und eine öffentliche Diskussion gegeben wie bei der Vogelgrippe oder der Schweinepest. Stattdessen liefen damals Funk und Fernsehen heiß wegen des goldenen Klothrons für Donald Trump.

Dennoch: Seit mehr als fünfzehn Jahren essen Sie nun schon Sojaburger und wollen der Sache nachgehen. Auch wegen der Familienplanung und so. Im Internet werden Sie fündig: „Saatgut der Zerstörung“ heißt der reißerische Titel des Buches. Hip wie Sie sind, machen Sie sich nicht auf in die Stadt zum Buchhändler, der ohnehin aufgegeben hat, sondern wollen online bei Amazon bestellen. Das machen Ihre Freundinnen auch so. Das Unternehmen ist inzwischen aber kein reiner Dienstleister mehr, sondern mischt politisch mit. „Saatgut der Zerstörung“ klingt nach Revolte. Der Onlinehändler vertreibt das politisch unkorrekte Buch nicht mehr. Potzblitz, denken Sie, und erinnern sich an den Antiquitätenhändler in Hintertupfingen. Sie steigen in Ihr ferngesteuertes Elektro-Auto und fahren die 300 Kilometer dorthin. Die letzten Meter gehen Sie zu Fuß. Sicher ist sicher, denken Sie inzwischen leicht misstrauisch.

Sie haben Glück: Der Händler hat das Buch. Mit ihrem implantierten NFC-Chip wollen Sie nun lieber doch nicht mehr bezahlen. Er würde bezeugen, dass Sie dabei sind, ein politisch unkorrektes Buch zu kaufen. Da es kein Bargeld mehr gibt, tauschen Sie das Buch gegen die geerbte silberne Armbanduhr Ihrer geliebten Schwiegermutter. Die gütige Frau schwärzt Sie vom Himmel aus bei der Regierung an. Als Sie das nächste Mal im Supermarkt an der Kasse stehen, funktioniert Ihr NFC-Chip nicht mehr. Ihr wirtschaftliches Leben ist erloschen.

Schweißgebadet wachen Sie auf. Ach so, Aschermittwoch. Da haben Sie wohl ein paar Büttenreden durcheinander gebracht. Oder doch nicht?

16.2.2018Leben, GlosseEifel0 Kommentare js

Bisher 0 Kommentare
Kommentar schreiben

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Beitrag. Schreiben Sie den Ersten.

Einen neuen Kommentar schreiben

Um einen neuen Komentar zu schreiben, melden Sie sich bitte mit ihrem Benutzernamen und Passwort an. Wenn Sie noch keinen EIFELON-Account haben, können Sie sich kostenlos und unverbindlich registrieren.


  1. *Ihre eMail-Adresse wird nicht veröffentlicht
  2. Ein Passwort wird Ihnen an Ihre eMail-Adresse zugeschickt, Sie können es anschließend in Ihrem Benutzerberich leicht ändern.
  3. Den Button zur Registrierung finden Sie unter unserern folgenden Richtlinien:
Die Richtlinien für die Nutzung der EIFELON Diskussionsplattform
Die Benutzer bestätigen/akzeptieren mit ihrer Anmeldung unsere Richtlinien. Falls es im Nachhinein noch Änderungen an den Richtlinien gibt, werden die User beim nächsten Einloggen aufgefordert, die Richtlinien erneut zu bestätigen: Wir bieten Ihnen hier eine Plattform für sachliche und konstruktive Diskussionen. Um dies zu gewährleisten, behält sich die Redaktion vor, Kommentare nicht zu veröffentlichen, die einer sachlichen Diskussion nicht förderlich sind. Wir bitten Sie daher, durch die Einhaltung unserer Richtlinien zu einem freundlichen Gesprächsklima beizutragen.
1. Gegenseitiger Respekt
Bitte behandeln sie andere Nutzer so, wie Sie selbst behandelt werden möchten. Zeigen Sie Toleranz gegenüber anderen Meinungen und verzichten Sie auf persönliche Angriffe und Provokationen.
Selbstverständlich werden Kommentare, die ehrverletzend, beleidigend, rassistisch, pornografisch oder auf andere Weise strafbar sind, nicht freigeschaltet.
2. Wortwahl und Formulierung
Sachliche Argumentation ist die Basis für eine konstruktive Diskussionskultur. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihren Kommentar vor dem Abschicken zu überprüfen. Habe ich den richtigen Ton getroffen? Könnten meine Formulierungen Missverständnisse hervorrufen?
3. Benutzernamen
Diese genannten Richtlinien gelten auch für die Verwendung von Benutzernamen.
4. Quellenangaben und Verlinkungen
Wenn Sie Zitate verwenden, verweisen Sie bitte auf die Quelle und erläutern Sie deren Bezug zum Thema.
5. Zeichenbegrenzung
Die Länge eines Kommentars ist auf 1000 Zeichen zu begrenzen, um eine Moderation in einem adäquaten Zeitrahmen zu gewährleisten. Mehrteilige Beiträge können daher leider nicht berücksichtigt werden.
Bitte sehen Sie davon ab, denselben oder einen sehr ähnlichen Kommentar mehrmals abzuschicken.
6. Werbung
Die Nutzung der Kommentarfunktion zu kommerziellen Zwecken ist nicht erlaubt. Inhalte gewerblichen oder werbenden Charakters werden nicht freigeschaltet. Gleiches gilt für politische Aufrufe aller Art.
7. Sonstige Hinweise
Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung eines Kommentars. Beiträge, die sich als falsch oder unwahr herausstellen, können auch im Nachhinein noch gelöscht werden. Sollten Sie auf Beiträge stoßen, die gegen die Richtlinien verstoßen, machen Sie die Moderation bitte darauf aufmerksam. Schicken Sie einfach den Link des betreffenden Kommentars mit einer kurzen Erläuterung an redaktion@eifelon.de. Bei wiederholten oder besonders schweren Verstößen gegen diese Richtlinien behalten wir uns einen Ausschluss einzelner User vor.


zurück zur Startseite