"Viele kleine Dinge wurden durch die richtige Art von Werbung groß gemacht."

Mark Twain
EIFELON weiterempfehlen

Wir informieren die Eifel

unabhängig. überparteilich. unbezahlbar.

neue Kommentare
0
Dieser Bartgeier hat sich die Eifel von oben angeschaut und macht auf einer Hütte bei Swisttal Rast. [Foto: Edith Höhner]

Bartgeier auf Reisen – Zwischenstopp in der Eifel

Eifel: „Wir haben ihn zwar gesehen, sind aber erst einmal vorbeigefahren“, erinnert sich Familienvater Dieter Höftmann aus Malberg im Eifelkreis Bitburg-Prüm, „bis wir realisiert haben, dass da soeben etwas Ungewöhnliches an der rechten Straßenseite saß.“ Es ist ein Nachmittag im Winter, der 17. Januar genau. Schnee. Höftmann fährt gerade seine Frau und den gemeinsamen zweieinhalb Jahre alten Sohn zum Schlittenfahren. „Ich bin ganz langsam zurückgefahren, und meine Frau hat den Vogel mit der Handykamera gefilmt.“

Dass es sich um einen hier seltenen Bartgeier handelt, wusste die Familie zu diesem Zeitpunkt nicht. Der Vogel hat sich nicht stören lassen, wechselte zwischenzeitlich die Straßenseite und ließ es zu, dass Höftmann sich ihm auf zehn Meter näherte. „Für uns war das ein Moment, den man kaum beschreiben kann.“ Er hätte erwartet, dass der große Vogel mit dem schwarzen Kopf sofort wegfliegen würde. „Ich war irritiert, dass der gar nicht scheu war. Ich ging so davon aus, dass er Kontakt zu Menschen gewohnt, aus einer Voliere ausgeflogen war.“ Allerdings war der Vogel unmarkiert. Dann sei er aufgeflogen, „noch relativ lange“ auf der kaputten Krone einer Fichte sitzen geblieben, habe schließlich eine kleine Runde gedreht und sei im Dickicht verschwunden.

Befreundete Vogelkundler identifizierten das Tier schließlich als Bartgeier. Der Fund ist unter anderem beim baden-württembergischen Naturschutzbüro Zollernalb e.V. vermeldet.

Gut einen Monat später, am 19. Februar, begegnet Edith Höhner dem Bartgeier im Wald bei Swisttal im Rhein-Sieg-Kreis, als sie dort mit Hündin Elsa spazieren ging. „Da saß ein unglaublich imposanter, ausgesprochen schöner großer Vogel auf einer Weidehütte für Pferde“, erinnert sich Höhner. „Mucks dich nicht!“, lautete die Anweisung für Elsa. Dann schlich sich Edith Höhner bis auf zehn Meter an den Vogel heran und empfand ihn entspannt dort auf dem Dach sitzend. Das Beste: Ausgerechnet an diesem Tag hatte sie ihre Spiegelreflexkamera dabei, für den Fall, dass ein toller Schnappschuss von ihrem Hund gelinge. Nun aber zielte sie mit dem Teleobjektiv auf den Bartgeier. „Ich habe diese harmonische Optik des Vogels im Wald spontan nicht mit einem Geier assoziiert“, sagt sie. Mit Geier verband sie bisher nur das Aussehen von Nackthalsgeiern aus Westernfilmen. Die Fotos sendete Edith Höhner an eine Freundin im Sauerland. Sie identifizierte den Vogel als Bartgeier und riet: „Das musst du melden“. Höhner wandte sich an eine Falknerei in Erftstadt und an die Greifvogelstation in Hellenthal. Beide vermissten jedoch keinen Bartgeier, Vermisstenmeldungen von anderen Stationen lagen ihnen nicht vor. Edith Höhner meldete schließlich den Fund bei der Stiftung zur Erhaltung der Geier VCF (Vulture Conservation Foundation, www.4vultures.org). Dort freute man sich über ihre Nachricht und teilte ihr mit, dass der Vogel zuvor im Kreis Bitburg-Prüm gesichtet wurde.

Wie Dieter Höftmann lässt auch Edith Höhner der Bartgeier nicht mehr los. Über das Internet verfolgen sie weiter seine Aufenthalte. Zwischenzeitlich ist er nach Hessen und dann Richtung Niederlande geflogen. Vor wenigen Tagen, am 30. März, tauchte er auf Wangerooge auf. Ihm fehlt die Spitze an der fünften Handschwinge links. Passanten fotografierten das Tier an einem Möwen-Kadaver. Vogelkundler sind erstaunt, dass der Bartgeier sich überhaupt über so viele Wochen im Flachland ausreichend ernähren konnte. Sie gehen davon aus, dass das Tier geschwächt ist, hoffen aber, dass seine Reise noch nicht zu Ende ist. Wer den Vogel beobachtet, wird gebeten, sich dem Tier nicht zu nähern, um es nicht unnötig zu stressen. Der Beobachter sollte umgehend Kontakt mit der VCF aufnehmen (E-Mail: oder Telefon: 0041 – 794707704) sowie seine Daten punktgenau über www.ornitho.de melden. Dort stehen die Daten den Experten direkt mit allen Informationen zur Verfügung. Neues zum Bartgeier finden Interessierte auf http://www.naturschutzbüro-zollernalb.de/geier und www.dda-web.de. Übrigens: Der in der Eifel gesichtete Junggeier war im Januar schon seit gut einem halben Jahr fliegend unterwegs und somit nicht mehr so unerfahren wie Franziska Lörcher von VCF berichtet.

Über den Bartgeier:
Der Bartgeier gehört zur Familie der habichtartigen Greifvögel. Namensgeber sind seine borstenartigen schwarzen Federn, die dem Tier wie ein Bart über dem Schnabel hängen. Kennzeichnend sind auch seine langen, relativ schmalen und zum Ende hin deutlich zugespitzten Flügel. Beim Gleiten hält der Geier sie leicht nach unten hängend. Sein Schwanz ist lang und keilförmig. 1,25 Meter kann der Bartgeier lang und fünf bis sieben Kilogramm schwer werden, seine Flügelspannweite bis zu drei Meter erreichen. Dieser größte europäische Greifvogel ist mit rund 250 Brutpaaren einer der seltensten auf diesem Kontinent.

Während ausgewachsene Bartgeier ein kontrastreiches Körpergefieder haben mit grauschwarzer Oberseite, weißem bis rostrotem Kopf, Hals und Unterkörper, sind junge Bartgeier überwiegend grauschwarz. Der in der Eifel gesichtete Bartgeier ist im zweiten Jahr, wie Karl Fischer von der Greifvogelstation Hellenthal berichtet. Überwiegend ernähre er sich von Aas.

Zu 80 Prozent besteht seine Nahrung aus Knochen. „Der Bartgeier kann einen bis zu 20 Zentimeter langen Knochen komplett schlucken und binnen 24 Stunden verdauen“, so Fischer. „Sind die Knochen jedoch zu riesig, lässt dieser Greifvogel sie auf einer Geröllhalde zerschellen und frisst die Knochensplitter.“ Satt gefressen könnte er bis zu zehn Tage ohne Nahrung auskommen. Der Bartgeier lebt in Europa vor allem in 1.500 bis 3.000 Meter hohen Gebirgen. Wieder. 1913 wurde der letzte Bartgeier in den Alpen erlegt.

Seine Zucht in einem international koordinierten Zuchtprogramm startete in den 1970er Jahren. Die erste Auswilderung fand 1986 in Österreich statt. Frankreich, Italien und die Schweiz folgten. Darüber hinaus kommt der Bartgeier auch in Afrika und Asien vor. Steinböcke und Gämsen sind wichtige Nahrung dieses Vogels. Immer mal wieder wurden einzelne Bartgeier in Deutschland gesichtet, wie Christopher König vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) erzählt. 2015 waren es viele, 2014 nur einer. König geht allerdings nicht davon aus, dass sich der Gebirgsspezialist Bartgeier in der Eifel niederlässt. Dafür fehle ihm auch die Nahrungsgrundlage. Der Vogel steht unter Artenschutz.

7.4.2017NaturEifel0 Kommentare js

Bisher 0 Kommentare
Kommentar schreiben

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Beitrag. Schreiben Sie den Ersten.

Einen neuen Kommentar schreiben

Um einen neuen Komentar zu schreiben, melden Sie sich bitte mit ihrem Benutzernamen und Passwort an. Wenn Sie noch keinen EIFELON-Account haben, können Sie sich kostenlos und unverbindlich registrieren.


  1. *Ihre eMail-Adresse wird nicht veröffentlicht
  2. Ein Passwort wird Ihnen an Ihre eMail-Adresse zugeschickt, Sie können es anschließend in Ihrem Benutzerberich leicht ändern.
  3. Den Button zur Registrierung finden Sie unter unserern folgenden Richtlinien:
Die Richtlinien für die Nutzung der EIFELON Diskussionsplattform
Die Benutzer bestätigen/akzeptieren mit ihrer Anmeldung unsere Richtlinien. Falls es im Nachhinein noch Änderungen an den Richtlinien gibt, werden die User beim nächsten Einloggen aufgefordert, die Richtlinien erneut zu bestätigen: Wir bieten Ihnen hier eine Plattform für sachliche und konstruktive Diskussionen. Um dies zu gewährleisten, behält sich die Redaktion vor, Kommentare nicht zu veröffentlichen, die einer sachlichen Diskussion nicht förderlich sind. Wir bitten Sie daher, durch die Einhaltung unserer Richtlinien zu einem freundlichen Gesprächsklima beizutragen.
1. Gegenseitiger Respekt
Bitte behandeln sie andere Nutzer so, wie Sie selbst behandelt werden möchten. Zeigen Sie Toleranz gegenüber anderen Meinungen und verzichten Sie auf persönliche Angriffe und Provokationen.
Selbstverständlich werden Kommentare, die ehrverletzend, beleidigend, rassistisch, pornografisch oder auf andere Weise strafbar sind, nicht freigeschaltet.
2. Wortwahl und Formulierung
Sachliche Argumentation ist die Basis für eine konstruktive Diskussionskultur. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihren Kommentar vor dem Abschicken zu überprüfen. Habe ich den richtigen Ton getroffen? Könnten meine Formulierungen Missverständnisse hervorrufen?
3. Benutzernamen
Diese genannten Richtlinien gelten auch für die Verwendung von Benutzernamen.
4. Quellenangaben und Verlinkungen
Wenn Sie Zitate verwenden, verweisen Sie bitte auf die Quelle und erläutern Sie deren Bezug zum Thema.
5. Zeichenbegrenzung
Die Länge eines Kommentars ist auf 1000 Zeichen zu begrenzen, um eine Moderation in einem adäquaten Zeitrahmen zu gewährleisten. Mehrteilige Beiträge können daher leider nicht berücksichtigt werden.
Bitte sehen Sie davon ab, denselben oder einen sehr ähnlichen Kommentar mehrmals abzuschicken.
6. Werbung
Die Nutzung der Kommentarfunktion zu kommerziellen Zwecken ist nicht erlaubt. Inhalte gewerblichen oder werbenden Charakters werden nicht freigeschaltet. Gleiches gilt für politische Aufrufe aller Art.
7. Sonstige Hinweise
Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung eines Kommentars. Beiträge, die sich als falsch oder unwahr herausstellen, können auch im Nachhinein noch gelöscht werden. Sollten Sie auf Beiträge stoßen, die gegen die Richtlinien verstoßen, machen Sie die Moderation bitte darauf aufmerksam. Schicken Sie einfach den Link des betreffenden Kommentars mit einer kurzen Erläuterung an redaktion@eifelon.de. Bei wiederholten oder besonders schweren Verstößen gegen diese Richtlinien behalten wir uns einen Ausschluss einzelner User vor.
Diese Funktion wird noch entwickelt. Wir bitten um ein wenig Geduld...
zurück zur Startseite