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Werkzeuge der Steinzeitmenschen. [Foto: Stephanie Müller]

Fund des Monats April: Werkzeuge aus der Steinzeit

Eifel: Wer in diesem Monat das Bonner LandesMuseum besucht, stösst bereits im Foyer auf kostbare Zeugnisse der Vergangenheit. In der Sondervitrine, in der monatlich ein ganz besonders spektakulärer Fund ausgestellt wird, sind im Monat April fast 12.000 Jahre alte Steinwerkzeuge zu sehen.

Ausgerechnet bei der Erweiterung des Rastplatzes Nievenheim-Ost an der A 57 in Dormagen wurden die Überreste eines wesentlich älteren Lagerplatzes aus der Altsteinzeit entdeckt. Die späteiszeitlichen Jäger und Sammler hatten hier in der Übergangsphase von der letzten Kalt- zur heutigen Warmzeit (etwa 9.700 bis 9.500 vor Christus) gerastet und gearbeitet. Dies belegen rund 2.360 Steinartefakte, die in zwei circa zwölf Metern voneinander entfernten Fundstreuungen geborgen werden konnten. Verbrannte Artefakte belegen zudem Feuerstellen innerhalb des Lagerplatzes.

Nachdem erste steinzeitliche Werkzeuge und Absplitterungen von der Steinbearbeitung aufgespürt worden waren, nahmen die Grabungsarbeiten im Frühjahr 2016 drei Monate in Anspruch. Anschließend wurden die kostbaren Funde von Experten untersucht und wissenschaftlichen Analysen unterzogen, die in den vergangenen Monaten ausgewertet werden konnten.

In den beiden Hauptfundbereichen oder so genannten Aktivitätszonen verrichteten die Jäger den größten Teil der im Lager anfallenden Arbeiten. Hier fanden offensichtlich alle Aktivitäten statt, die zum täglichen (Über-)Leben notwendig waren. Die Nievenheimer Jäger sammelten lokales Rohmaterial, stellten Werkzeuge vor Ort her, reparierten ihre Geschosse und besserten die Pfeile aus, mit denen sie vorwiegend auf die Jagd gingen. Ihre Beute wurde dann direkt an der Feuerstelle geschlachtet, verspeist und die Felle weiterverarbeitet.

Ein Schwerpunkt lag auf der Produktion von großen, bis zu 20 Zentimeter langen Steinklingen, aus denen man die meisten Geräte herstellte. Unter den 138 Steingeräten finden sich vor allem Kratzer zur Bearbeitung von Fellen und Häuten, Stichel zum Schaben und Schnitzen von Knochen und Geweih sowie messerartige Klingen zur Zerlegung der Jagdbeute. Von der Jagd zeugen kleine Pfeilspitzen – so genannte Zonhovenspitzen – und schmale Rückenmesser, die unterhalb der Spitzen auf die Pfeilschäfte als Widerhaken aufgeklebt und mit Sehnen fixiert waren.

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Kratzer aus Helgoland-Feuerstein. [Foto: M. Heinen]

Die an dem Lagerplatz verarbeiteten Feuersteinmaterialien bezeugen, dass die Nievenheimer Jäger äußerst mobil waren. Dem überwiegend genutzten Baltischen Feuerstein nach kamen sie von weit her aus dem hohen Norden. Einige Stücke von tiefrotem Feuerstein beweisen, dass sie sich sogar eine Zeit lang im Bereich des Helgoländer Felsmassivs aufgehalten haben, das damals noch Teil des Festlands war. Von dort aus müssen sie in Etappen über mehr als 400 Kilometer nach Südwesten in die Gegend von Maastricht und Aachen gezogen sein, worauf Artefakte aus Maas- sowie Lousberg-Feuerstein hinweisen. Anschließend führte ihr Weg sie nach Nordosten an den Rhein bei Nievenheim. Auf ihren Wanderungen folgten die Jäger den großen Rentierherden, aber auch das Wildpferd gehörte zur Jagdbeute des damaligen Menschen.

Mit einer Radiokarbon-Analyse, also der naturwissenschaftlichen Altersbestimmung der Funde, konnte erstmals in ganz Deutschland ein großflächiges Lager aus der Spätsteinzeit exakt datiert werden. Erwiesen ist, dass die Sammler und Jäger ihr Lager im heutigen Nievenheim ganz am Ende der letzten Eiszeit – 9.742 ± 214 Jahre – am Rhein aufschlugen. Anhand der von ihnen produzierten langen Klingen in Kombination mit den kleinen Zonhovenspitzen werden sie von den Archäologen der Bevölkerung der so genannten „Long-Blade-Industries“ zugeordnet, die während einer kurzen Phase von vielleicht 100 bis 150 Jahren, irgendwann zwischen 9.800 und 9.600 vor Christus, weite Teile Nordwest-Europas besiedelte.

7.4.2017KulturEifel0 Kommentare bwp

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