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Als Mary Poppins kam Bad Münstereifels Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian mit Schirm und Koffer auf die Bühne. [Foto: pd]

Gegenwehr zwecklos: Die Bürgermeister übergaben die Machtinsignien an die Narren

Eifel: Am Donnerstag war es soweit: Die Bürgermeister mussten die Schlüssel abgeben und die Narren sicherten sich die Macht für die nächsten Tage. Mit viel Humor ließen sich die Verwaltungschefs auf das Spiel mit den Karnevalisten ein und bei strahlendem Sonnenschein konnten die Jecken den Beginn des Straßenkarnevals feiern.

Über eine Rathausstürmung mit Programm konnten sich die zahlreichen Jecken in Bad Münstereifel freuen. Nachdem die traditionelle Veranstaltung im Vorjahr ausgefallen war, wurde am Weiberdonnerstag wieder kräftig gefeiert.

Bad Münstereifels Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian hatte sichtlich Spaß bei der Rathausstürmung. [Foto: pd]

Als Mary Poppins verkleidet tanzte Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian mit Schirm und Koffer auf die Bühne neben der Stiftskirche. Und die Jecken aus „Mönster“, die in großer Zahl erschienen waren, unter der Leitung von Oberjeck Michael Dormagen hatten es schwer, den Rathausschlüssel von ihr zu bekommen. Weder eine versprochene Reise nach Köln, an die Nordseeküste oder nach Spanien konnte das Stadtoberhaupt erweichen, den Schüssel herauszugeben.

Den Kurstadt-Narren wurde bei der Veranstaltung einiges geboten. Mit Live-Musik wurden sie schon weit vor dem Beginn um 13.11 Uhr prächtig unterhalten. Am Ende hatte die erste Frau der Stadt aber keine Chance und musste das Objekt der Begierde an den Nöthener Michael Dormagen herausgeben. Lange Zeit hatte sie den Schlüssel in ihrem Reisekoffer versteckt.
Auch auf der Bühne erschienen war die einzige Tollität aus dem Stadtgebiet Bad Münstereifel Prinz Daniel I. (Schaeben) aus Arloff-Kirspenich. Und das, obwohl sein Terminplan sehr eng gesteckt war. Die Tanzgarden der KG Rot-Weiß Iversheim wussten genau so zu überzeugen, wie ihr Musikzug und so wurde noch lange der Beginn des Straßenkarnevals in Bad Münstereifel gefeiert.

Mit der Musik des Tambourcorps „Gut Klang“ wurde das diesjährige Kinder-Dreigestirn – Prinzessin Anida I., Bäuerin Louisa Marie I. und Jungfrau Jolie I. – in den Sitzungssaal des Heimbacher Rathauses ‚hereingespielt‘. „Viel ist nicht zu holen, aber was zu holen ist, ist wertvoll“, formulierte Bürgermeister Peter Cremer und übergab den symbolischen Stadtschlüssel an das junge, charmante Dreigestirn.

Nächstes Jahr wird die engagierte Heimbacher Kinderkarnevalsgemeinschaft zwei mal elf Jahre alt, verkündete Annette Paulmann-Breuer, Vorsitzende des Vereins. Die Planungen fürs Jubiläumsjahr laufen bereits auf Hochtouren: 2019 soll es sowohl ein Kinderprinzenpaar – Julius und Anna-Lena – als auch wieder ein Damendreigestirn geben: „Zwei der Tollitäten heißen Alexandra, eine Lisa.“ Mehr verriet sie allerdings noch nicht. Heimbacher Insider wissen, wer gemeint ist.

Schweren Herzens ergab sich Bürgermeister Esser und schwenkte nach dem dritten Kanonenschuss die weiße Fahne. [Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress]

Und dann war Maxi Brucker, der Standartenträger der Musketiere, weg. Bezirzt und entführt von den Sirenen im Kaller Rathaus. Doch als die Musketiere den elendigen Hilferuf ihres Kameraden vernahmen, stürmten sie los und drangen über das Treppenhaus zum Entführten vor, den sie befreiten. Mit dem Mut der jungen Jecken hatte Bürgermeister Hermann-Josef Esser nicht gerechnet. Was zunächst nach einem cleveren Schachzug aussah – denn Maxi Brucker war beim Sturm auf das Rathaus auch als Wortführer der Angreifer auserkoren, den es deshalb mundtot zu machen galt –, bedeutete schlussendlich den Anfang vom Ende des Esser’schen Regimes. Noch mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch, weil er überrumpelt worden war, forderte Brucker den „Blangemer Roothuusräuber“ auf, sich zu ergeben. Notfalls würde die Prinzengarde das Rathaus mit der Kanone in Schutt und Asche legen.

Doch Esser parlierte geschickt. Ein neues Rathaus käme ihm sehr gelegen, deshalb sei der angedrohte Angriff sehr willkommen. Doch Brucker setzte dem Wortgeplänkel ein Ende. Wenn der Kuchen spreche, hätte der Streusel gefälligst ruhig zu sein, warf er dem Bürgermeister entgegen. Dem Kanonier gab der Musketier die Anweisung zum Feuern. Und nach drei Schüssen schwenkte Esser dann auch die weiße Fahne und ließ sich in Ketten gelegt von der Prinzengarde abführen. Das Rathaus übergab er bis Aschermittwoch an die Jecken aus Kall. Die waren zahlreich erschienen. Abordnungen der Karnevalsvereine samt Tollitäten unterstützten den Angriff der Prinzengarde. Selbst ein um den krank gewordenen Bauer dezimiertes Dreigestirn der St.-Nikolaus-Schule war spontan hinzugestoßen. [pp]

In bester Trump-Manier präsentierte sich Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick bei seiner Kapitulation. [Foto: Renate Hollermann/pp/Agentur ProfiPress]

Wenn das auch jenseits des Ozeans so einfach wäre wie in Mechernich, ginge ein Albtraum schnell zu Ende und die Welt könnte aufatmen. Doch leider war der Donald Trump vom Rathaus am Bleiberg nur ein witziger Gag des Mechernicher Bürgermeisters Dr. Hans-Peter Schick, während der Oberclown im Weißen Haus auch am Aschermittwoch noch Realität ist.

Mit zähen Groko-Verhandlungen hatte das Schauspiel im strahlenden Sonnenschein vor dem Rathaus nichts zu tun: Markige Sprüche flogen hin und her, zwischendurch wurde von unten geböllert, von oben geschossen und – zack, zack! – waren die Verhältnisse in Mechernich geklärt, und der Eifel-Trump alias Schick erklärte zum einen seine Kapitulation, zum anderen seinem amerikanischen Pendant die Weltpolitik: „»Amerika first ist lächerlich – zuerst kommt erst mal Mechernich«!“

Viel Arbeit hatte Heinz „Addy“ Sechtem als Kommandant der Prinzengarde wahrlich nicht, um Schick zur Aufgabe zu zwingen. Der auf dem Rathausbalkon zur Schau gestellte Ungehorsam war Show, und die weiße Fahne schwenkend, erklärte der überwältigte Verwaltungsschef: „All zesamme jrööß ich höck, Dreijestirne, jeder Jeck. Die Rathausschlüssel geb ich heut freiwillig ab für Spaß und Freud‘“.

Dabei wäre das karnevalistische Gipfeltreffen um ein Haar – oder vielmehr wegen vieler blonder Haare – gescheitert. „Wenn ich jewooß hätt, dat der hück die Perück aanhat – mit solchen Menschen verhandeln wir nicht“, erklärte Sechtem angesichts der extravaganten Frisur auf dem Haupte des Bürgermeisters. Mit einem „dreimol Mechernich Alaaf op unsere König Hans-Peter I.“ endete die Machtübernahme in der Bergstraße. Zuvor hatte der Bürgermeister die Devise bis Aschermittwoch ausgegeben: „Hebt die Gläser, hebet die Tassen, hakt euch unter, Arme fassen. Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage!“ [pp]

9.2.2018LebenEifel0 Kommentare redaktion

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