"Viele kleine Dinge wurden durch die richtige Art von Werbung groß gemacht."

Mark Twain
EIFELON weiterempfehlen

Wir informieren die Eifel

unabhängig. überparteilich. unbezahlbar.

neue Kommentare
0
Detail des Buchcovers. [Repro: bwp]

Kino im Kopf: Der Historienroman „Bäckersmann und Tagedieb“

Umland: Der Sommer mit seinen zahlreichen Feiertagen und Ferien bietet viel Zeit zum Lesen – egal, ob im Kurzurlaub am Meer, im eigenen Garten, ob entspannt auf dem Balkon oder im Park. Der Historienroman „Bäckersmann und Tagedieb“ ist genau die richtige Lektüre für Leseratten, die sich gerne in frühere Zeiten zurückversetzen lassen.

Der eigentliche Handlungsverlauf des Romans beginnt mit einer schallenden Ohrfeige: Vom Hunger geplagt versucht Thomas, ein verwahrloster Straßenjunge, 1591 dem Andernacher Bäckermeister Matthias ein Brot zu stehlen. Vergebens, denn der vierschrötige „Mätthes“ ergreift den Flüchtenden. Der in der ganzen Stadt gefürchtete Richter Katzmann beobachtet diesen gescheiterten Diebstahl und lässt den Knaben in den Kerker werfen.
Mit einer Notlüge gelingt es Mätthes, den Burschen wieder aus dem Kerker freizubekommen und er nimmt ihn als neuen Lehrjungen auf. Nicht gerade zur Freude seines eigenen Sohnes Franz, der den vermeintlichen Kontrahenten zunächst mit Argwohn und Misstrauen beäugt. Doch aus der anfänglichen Feindschaft entwickelt sich – nach vielen Keilereien in der Backstube, die das Mehl nur so durch die Luft wirbeln lassen – eine intensive Freundschaft der beiden Burschen. Letztlich gelingt es ihnen, Andernach vor dem Angriff fremder Truppen zu schützen und durch einen beherzten Plan und eine ungewöhnliche „Geheimwaffe“, die Feinde in die Flucht zu schlagen. Anschließend werden sie als Helden der Stadt Andernach gefeiert.

„Bäckersmann und Tagedieb“ ist ein atmosphärisch geschriebenes Buch, das unwillkürlich Abenteuer-Kino im Kopf auslöst. Ob geheime Treffen von Thomas und Franz am Rhein oder politische Diskussionen von Bäckermeister Mätthes mit seinem Freund, dem Schneider Ferdinand: Durch Krämers detaillierte, ausmalende Erzählweise scheint der Leser stets in die Handlung eingebunden. Scheint danebenzusitzen, wenn die beiden Bäckerburschen versteckt im nächtlich-feuchten Gras am Rheinhafen sitzen, den modrigen Geruch des Flussarmes in der Nase, die Ohren gespitzt und auf ihren verfolgten Freund warten – stets voll gespannter Aufmerksamkeit, um von ihren Widersachern nicht entdeckt zu werden.

Bei den hitzigen Kneipendiskussionen der erwachsenen Freunde – Matthias und Ferdinand – sieht man die Szenen förmlich vor sich: Die blank gescheuerten Holztische, die geröteten Gesichter der beiden – sei’s vom Alkohol oder dem angeregten Gespräch zwischen dem herzensguten, aber oft cholerischen Bäcker und dem ruhigen, besonnenem Schneidermeister. Auch diese Szenen sind so intensiv beschrieben, dass man die schweren Humpen mit Bier oder Wein auf den Tisch knallen hört und die verqualmte Kneipenluft förmlich einatmet.

Verschwörungen, erste zarte Liebesbande, versuchte Mordanschläge… der Historienroman von Guido Theodor Krämer ist prall gefüllt mit spannungsreichen Episoden, die sich – nach und nach – zu einem rasanten Handlungsstrang verknüpfen und den Leser mit den jugendlichen Helden mitfiebern lässt. Schließlich war es Ende des 16. Jahrhunderts nicht die große Politik, sondern der Mut und die List der beiden Bäckerburschen, die Andernach vor der Zerstörung rettete.

Nach der Lektüre dieses Buches stellt sich automatisch die Frage: Wann wird das Erstlingswerk mit den zahlreichen, überraschend erfrischenden Dialogen verfilmt?

Guido Theodor Krämers Historienroman „Bäckermann und Tagedieb“ ist 2017 im Masou-Verlag erschienen (ISBN 978-3-944648-80-4), umfasst 520 Seiten und kostet 15,90 Euro.
25.5.2018KulturUmland0 Kommentare bwp

Bisher 0 Kommentare
Kommentar schreiben

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Beitrag. Schreiben Sie den Ersten.

Einen neuen Kommentar schreiben

Um einen neuen Komentar zu schreiben, melden Sie sich bitte mit ihrem Benutzernamen und Passwort an. Wenn Sie noch keinen EIFELON-Account haben, können Sie sich kostenlos und unverbindlich registrieren.


  1. *Ihre eMail-Adresse wird nicht veröffentlicht
  2. Ein Passwort wird Ihnen an Ihre eMail-Adresse zugeschickt, Sie können es anschließend in Ihrem Benutzerberich leicht ändern.
  3. Den Button zur Registrierung finden Sie unter unserern folgenden Richtlinien:
Die Richtlinien für die Nutzung der EIFELON Diskussionsplattform
Die Benutzer bestätigen/akzeptieren mit ihrer Anmeldung unsere Richtlinien. Falls es im Nachhinein noch Änderungen an den Richtlinien gibt, werden die User beim nächsten Einloggen aufgefordert, die Richtlinien erneut zu bestätigen: Wir bieten Ihnen hier eine Plattform für sachliche und konstruktive Diskussionen. Um dies zu gewährleisten, behält sich die Redaktion vor, Kommentare nicht zu veröffentlichen, die einer sachlichen Diskussion nicht förderlich sind. Wir bitten Sie daher, durch die Einhaltung unserer Richtlinien zu einem freundlichen Gesprächsklima beizutragen.
1. Gegenseitiger Respekt
Bitte behandeln sie andere Nutzer so, wie Sie selbst behandelt werden möchten. Zeigen Sie Toleranz gegenüber anderen Meinungen und verzichten Sie auf persönliche Angriffe und Provokationen.
Selbstverständlich werden Kommentare, die ehrverletzend, beleidigend, rassistisch, pornografisch oder auf andere Weise strafbar sind, nicht freigeschaltet.
2. Wortwahl und Formulierung
Sachliche Argumentation ist die Basis für eine konstruktive Diskussionskultur. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihren Kommentar vor dem Abschicken zu überprüfen. Habe ich den richtigen Ton getroffen? Könnten meine Formulierungen Missverständnisse hervorrufen?
3. Benutzernamen
Diese genannten Richtlinien gelten auch für die Verwendung von Benutzernamen.
4. Quellenangaben und Verlinkungen
Wenn Sie Zitate verwenden, verweisen Sie bitte auf die Quelle und erläutern Sie deren Bezug zum Thema.
5. Zeichenbegrenzung
Die Länge eines Kommentars ist auf 1000 Zeichen zu begrenzen, um eine Moderation in einem adäquaten Zeitrahmen zu gewährleisten. Mehrteilige Beiträge können daher leider nicht berücksichtigt werden.
Bitte sehen Sie davon ab, denselben oder einen sehr ähnlichen Kommentar mehrmals abzuschicken.
6. Werbung
Die Nutzung der Kommentarfunktion zu kommerziellen Zwecken ist nicht erlaubt. Inhalte gewerblichen oder werbenden Charakters werden nicht freigeschaltet. Gleiches gilt für politische Aufrufe aller Art.
7. Sonstige Hinweise
Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung eines Kommentars. Beiträge, die sich als falsch oder unwahr herausstellen, können auch im Nachhinein noch gelöscht werden. Sollten Sie auf Beiträge stoßen, die gegen die Richtlinien verstoßen, machen Sie die Moderation bitte darauf aufmerksam. Schicken Sie einfach den Link des betreffenden Kommentars mit einer kurzen Erläuterung an redaktion@eifelon.de. Bei wiederholten oder besonders schweren Verstößen gegen diese Richtlinien behalten wir uns einen Ausschluss einzelner User vor.


zurück zur Startseite