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Auf dass die Pflanzen wachsen: Heidrun Düssel-Siebert (2.v.l.) mit weiteren Mitarbeitern der Biologischen Stationen, stellvertr. Bürgermeister Franz Erasmi (3.v.l.), Bürgermeister Joachim Kunth (4.v.l.) und Landwirt Michael Schönen (5.v.l.) bei der Einsaat. [Foto: js]

Wildblumen und Kräuter für die Zülpicher Börde

Vettweiß: Es sei zwar nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“ – doch der 35-jährige Michael Schönen aus Kelz hat sich als einer der ersten Landwirte in der Zülpicher Börde dazu bereit erklärt, Wegraine entlang seiner Felder erst Mitte Mai zu mulchen, später im Jahr als üblich. Auch wird er nahe des Rains, der der Gemeinde Vettweiß gehört, auf Dünger und Spritzmittel verzichten. Schönen und andere Landwirte nehmen damit am Projekt „Wegrainmanagement / Blütenreiche Säume für die Artenvielfalt“ der Biologischen Stationen Düren, Bonn/Rhein-Erft und Euskirchen in der Zülpicher Börde teil. Ziel dieses dreijährigen Projektes ist es, Wegsäume in den Gemeinden Vettweiß, Titz, Zülpich und Erftstadt ökologisch wieder aufzuwerten und damit Pflanzen und Tieren neuen vielfältigen Lebensraum zu bieten.

Allein in diesem Jahr sollen es 3.000 Quadratmeter in den Gemeinden Vettweiß und Titz sein. Artenreiche Wegraine bieten Nahrung in Form von Pollen, Nektar oder auch Samen. Zugleich ermöglichen sie Hase und Rebhuhn Deckung, Vögeln, Insekten, Reptilien und Säugern Nist- bzw. Überwinterungsplatz.

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Die Wildkräutermischung besteht aus 16 regionaltypischen Arten. [Foto: js]

Mitarbeiter der Biologischen Stationen haben hierzu diesen Dienstag eine Wildkräutermischung aus regionaltypischen Arten wie Wiesen-Flockenblume, Moschus Malve und Wiesen-Pippau auf einem, von Landwirt Schönen vorgeschlagenen Feldrain eingesät. Die Wildkräutermischung ist angepasst an die Bedürfnisse der hier lebenden Tiere. Diese Kräuter sollen unter anderem Insekten als Nahrung dienen, die selbst Eiweißfutterquelle verschiedener Vögel, insbesondere ihrer Jungen sind. Heidrun Düssel-Siebert, wissenschaftliche Leiterin der Biologischen Station Düren, nennt beispielsweise die Feldlerche, von der es immer weniger Exemplare gebe, und die Grauammer, deren einziges Vorkommen in NRW nur noch in der Zülpicher Börde nachgewiesen werde. Beide Vogelarten brüten auf dem Boden der Äcker. „Wir haben eine besondere Verantwortung für diese Vögel“, so die Biologin. Wenn es nach ihr ginge, solle es in der Zülpicher Börde bald wieder so kraut- und artenreich sein wie vor vierzig Jahren mit bunten Blumen und Kräutern auf den Rainen und viel unterschiedlichem Vogelgezwitscher. Auch der Bürgermeister von Vettweiß, Joachim Kunth, freut sich auf die blühende Aussicht, die dann auch viele Radfahrer im Sommer genießen könnten.

Neben Regen sind vor allem zwei Dinge wichtig, damit das Projekt gelingen kann: Die Gemeinden, denen die Wegraine gehören, müssen dem Projekt zustimmen. (Hierzu geben die Biologischen Stationen unter anderem parzellengenaue konkrete Handlungsempfehlungen und stellen zerstörte Wegraine wieder her, alles kostenfrei.) Die Landwirte müssen bei der Naturpflege mitmachen, mit den Biologischen Stationen zusammenarbeiten. Denn die beste Saat nütze nichts, wenn die Pflanzen vor der Blüte abgemäht oder durch Spritzmittel absterben würden, so Düssel-Siebert.

Landwirt Schönen steht dem Naturschutz offen gegenüber. Er „taste sich langsam heran“, wie er selbst sagt. Vor gut einem Jahr hat der Landwirt Kontakt mit Alexandra Schieweling und Joyce Janssen von der Biologischen Station Düren aufgenommen, nachdem er ein Kiebitznest mit Eiern auf einem seiner Felder entdeckt hatte. Die beiden schützten daraufhin das Nest. Auf einer seiner Flächen mache er inzwischen auch Vertragsnaturschutz, sagt Joyce Janssen. Landwirte bewirtschaften ihre Flächen naturschonender und erhalten dafür Prämien. Eine Möglichkeit ist der so genannte Ernteverzicht. Das Getreide bleibt über Winter als Nahrung für die Vögel stehen.

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Landwirt Michael Schönen im Gespräch mit der Leiterin der Biologischen Station Düren Heidrun Düssel-Siebert. [Foto: js]

Warum Schönen sich für die Natur engagiert? „Wenn ich selbst einmal Kinder und Enkelkinder habe, dann möchte ich ihnen zeigen können, welche Vielfalt an Pflanzen und Tieren hier wächst und lebt“, erzählt er. Gut könne er sich noch daran erinnern, als der Feldhamster hier in großer Anzahl vorkam. Wie eine Seuche wurde er gejagt; inzwischen ist er vom Aussterben bedroht. „Ich möchte nicht, dass es dem Kiebitz irgendwann genauso geht. Durch intensive Landwirtschaft dürften wir den Tieren nicht den Lebensraum kaputt machen.“

Gern animiert er auch andere Landwirte, dem Schutz der Natur offener gegenüber zu stehen und beispielsweise nicht jedes Unkraut wegzuspritzen. Wer neugierig ist und sich das Ergebnis der Aussaat am Wegrain von Schönens Feldern einmal in den nächsten Monaten ansehen möchte, folgt hinter der Ortschaft Vettweiß-Kelz in Richtung Isweiler einem Hinweis- und Informationsschild, das die Biologische Station Düren in den nächsten Tagen dort anbringen wird.

Der Landschaftsverband Rheinland fördert das dreijährige Projekt mit 112.000 Euro. Im Herbst soll der Großteil der ersten 3.000 Quadratmeter ausgewählten Wegraine in den Gemeinden Vettweiß und Titz eingesät werden. Hierzu suchen die Biologischen Stationen noch weitere Landwirte, die sich am Projekt beteiligen möchten (www.biostation-dueren.de).
Tipps zum ökologischen Landbau gibt es unter http://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/oekolandbau/
13.4.2017NaturVettweiß1 Kommentar js

Bisher 1 Kommentar
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  • Heinz am 14.4.17 um 15:51 (#156)

    Wunderschöne Aktion! Mehr davon! Überall!
    Und kleinteilige, extensive Landwirtschaft würd‘ auch helfen.

    Beim Lesen ist mir aber eine Frage gekommen…
    112.000 Euro um Wildblumen auf 3.000 m2 zu säen? Das ist sportlich.

    37,33 Euro pro Quadratmeter.

    Kaufen die die Flächen?
    Oder geht das Budget für’s Flowerconsulting beim „Wegrainmanagement“ drauf?

    Fragen über Fragen…

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