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Museumsleiterin Dr. Iris Hofmann-Kastner und Kurator Dr. Christian Peitz präsentieren die finnische Sauna der Nordeifelwerkstätten. [Foto: pg]

Mit Filzhut in die Sauna – neue Sonderausstellung in den Römerthermen eröffnet

Zülpich: Es darf geschwitzt werden: In der aktuellen Sonderausstellung in den Römerthermen dreht sich alles um das Saunieren. „Im Schweiße deines Angesichts. Die Geschichte von Schwitzbad und Sauna“ ist die Ausstellung betitelt und jetzt eröffnet worden. Begonnen wird der Gang durch das Thema mit den Finnen – kein Wunder, schließlich kommen auf etwa 5,5 Millionen Einwohner 1,6 Millionen private Saunen. „Es war schon immer ein großer Wunsch, die Geschichte von Schwitzbad und Sauna in einer Sonderausstellung zu präsentieren. Der 100. Geburtstag der Republik Finnland ist ein schöner Anlass, um diese Ausstellung zu zeigen“, verrät Dr. Iris Hofmann-Kastner, Leiterin der Römerthermen Zülpich.

1965 wurde in Deutschland in sogenannten „Heim-Saunen“ geschwitzt – das Foto ist in der Ausstellung zu sehen. [Foto: Marianne Frielingsdorf]

Seit wann schwitzen die Menschen zur Reinigung und Gesundheitsvorsorge? Wie sahen die ersten Saunen aus? Was trägt man heute in öffentlichen Saunen, und wie wird man zum Meister der Deutschen Aufguss-Meisterschaft gekürt? Fragen, die alle beantwortet werden. Alte Quellen zu finden, sei nicht ganz einfach gewesen, meinte die Museumsleiterin. Doch Kurator Dr. Christian Peitz hat sich in das Thema tief eingearbeitet und ist an verschiedenen Stellen fündig geworden. Die älteste schriftliche Erwähnung außerhalb des Mittelmeerraumes findet sich laut Peitz bei Geschichtsschreiber Herodot. Im 5. Jahrhundert berichtet dieser von Schwitzbädern bei den Skyten. Aber auch die Germanen, Slawen, Römer und Türken haben schon geschwitzt. Mittels vieler Texttafeln und einiger Ausstellungsstücke erklärt der Wissenschaftler den Besuchern Wissenswertes rund um das Saunieren und Schwitzen. Es wird aber nicht nur über unterschiedliche Traditionen berichtet, sondern auch über die physiologischen Vorgänge während des Schwitzens und über skurrile archäologische Funde. „Bei den Recherchen bin ich über irische Schwitzhütten gestolpert“, erklärt Peitz. Die Iren hätten im 18. Jahrhundert eine ganz eigene Tradition entwickelt. Die Schwitzhütten sind oft in kleine Erdhügel gebaut – bei einer Größe von etwa 2,00 m x 0,70 m sind sie in der Landschaft kaum auszumachen. Die kleinen Hütten kamen allerdings im frühen 20. Jahrhundert aus der Mode und heute ist ihre Funktion kaum noch erkennbar. Von einem Saunageist in der russischen Banja konnte der Kurator ebenfalls berichten. Banniok sollte man lieber nicht ärgern. Warum? Den Umgang mit dem Geist erfahren die Besucher in der Ausstellung.

Gezeigt wird auch moderne Saunabekleidung. [Foto: pg]

Dann vielleicht doch lieber in die finnische Sauna. Wie die in der heutigen Zeit aussieht, können die Besucher ganz genau sehen, denn die Nordeifelwerkstätten haben eine richtige kleine finnische Sauna im Ausstellungsraum aufgebaut. Beim Vergleich mit den Fotos der Schwitzhütten aus früheren Zeiten fällt die Wahl wohl doch schnell auf die moderne Variante. Wie man sich heutzutage kleidet, erfahren Interessierte ebenfalls. Denn nicht überall gehen die Menschen nackt in die Sauna. Bei den Finnen ist beispielsweise der Saunahut – ein einfacher Filzhut – sehr beliebt, damit empfindliche Gemüter ihr Haupt vor zuviel Hitze schützen können. Und an vielen Orten ist eine gemischte Sauna unüblich, Frauen und Männer schwitzen getrennt. Sehenswerte Stücke wie die „Heim-Sauna“ von 1956 runden die Ausstellung ab. Gezeigt werden außerdem interessante Videos, zum Beispiel ein Film über einen russischen Kindergarten, wo das Schwitzen ganz selbstverständlich ist oder etwas über die Olympischen Spiele von 1936 – ein Propagandafilm von Leni Riefenstahl aus dem Jahr 1938. Die Finnen bestanden damals auf einer Sauna im Olympischen Dorf und sorgten auf diese Weise dafür, dass auch in Deutschland das Saunieren sich langsam verbreitete.

Die Ausstellung ist bis zum 18. Februar während der normalen Museumsöffnungszeiten zu sehen. Am 7. Januar und 4. Februar 2018 finden um 15.00 Uhr kostenlose Führungen (nur der Eintritt muss gezahlt werden) durch die Ausstellung statt.
8.12.2017LebenZülpich0 Kommentare pg

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