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H. Dieter Neumann: Etwas aus dem Effeff beherrschen… … etwas perfekt können

Eifel: „Sie beherrscht ihr Instrument aus dem Effeff.“ So klar und eindeutig die Bedeutung dieser Redewendung erkennbar ist, so schwierig gestaltet sich die Suche nach ihrer Herkunft. „Effeff“ ist nichts anderes als die ausgeschriebene Version der Buchstabenfolge „ff“, was zu einer erstaunlichen Vielfalt an Erklärungen zum Ursprung dieses Ausdrucks geführt hat.
Eine davon bildet die italienische Kaufmannssprache, in der seit dem 17. Jahrhundert als Qualitätsklasse einer Ware der Buchstabe „f“ für „fino“, also „fein“, steht, in seiner Verdoppelung „ff“ für „finissimo“, was „sehr fein“ bedeutet. Dieses „ff“ wird bis in unsere Tage im Handel auch in Deutschland für besonders hochwertige Produkte verwendet. Da die Redewendung etwas aus dem Effeff beherrschen jedoch deutlich früher belegt ist als die Klassifizierung von Waren mit „ff“, sind Zweifel an diesem Erklärungsansatz angebracht.

Eine andere Herleitung führt uns ebenfalls nach Italien, genauer gesagt in die frühen Amtsstuben dort. Auf Anträgen oder Gesuchen von Bürgern, denen demnächst stattgegeben werden sollte, vermerkten die Beamten ein „f“ für „fiat“ (lat.: es geschehe). Sollte der Amtsschimmel geradezu in Galoppade versetzt werden, kam ein „ff“ auf das Dokument, also „fiat fiat“, was die Bedeutung von „Es geschehe sofort“ hatte.

Weniger einleuchtend erscheint dagegen die Behauptung, dass fortissimo (ital.: sehr laut zu spielen) aus der Musik, das auf Partituren mit „ff“ abgekürzt wird, könne etwas mit dem heutigen umgangssprachlichen Effeff zu tun haben. Auch der Ansatz, wer etwas aus dem Effeff beherrsche, habe nicht nur einseitige, sondern umfassende Kenntnisse, was auf das „ff“ hinwiese, das im Sinne von „folgende Seiten“ gebraucht wird, überzeugt eher nicht.

Wahrscheinlich trifft folgende Erklärung am ehesten zu, die uns zum Rechtssystem der alten Römer zurückführt, das in den Pandekten (pandectae, lat.: das Allumfassende), einer Zusammenstellung der wichtigsten Schriften des römischen Rechts, überliefert ist. Die Rechtsgelehrten des Mittelalters pflegten (insbesondere beim Zitieren) die Pandekten oder Auszüge aus diesen mit dem griechischen Buchstaben Π (Pi) abzukürzen. Niemand weiß, wieso sich diese Abkürzung in den folgenden Jahrhunderten in ein „ff“ gewandelt hat. Man vermutet, dass der griechische Buchstabe – flüchtig geschrieben – wie „ff“ aus- gesehen habe (man stelle sich nur den Querstrich etwas tiefer angesetzt vor) und so als Quellenachweis für die Pandekten bis ins 18. Jahrhundert hinein weiterlebte.

Besonders gute, umfassend gebildete Juristen kannten sich in den Pandekten natürlich bestens aus. Wer also das „ff“ beherrschte, war ein Rechtsexperte. Von da bis zur Verallgemeinerung des „Effeff“ für Könner in allen denkbaren Disziplinen – und damit zu unserer Redensart – war es dann kein weiter Weg mehr.

Aus: H. Dieter Neumann: „Alles in Butter – Redewendungen aus Handwerk und Handel“, Regionalia-Verlag 2018, ISBN: 978-3-95540-304-1, 128 Seiten, 4,95 Euro
31.5.2019LebenEifel0 Kommentare Gast Autor

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