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Energiewende in der Sackgasse? [Grafik: Screenshot aus der ppt-Präsentation]

Die deutsche Energiewende aus Norwegischer Sicht

Umland: Während man auf der COP 24 – der Paris-Folgekonferenz in Kattowitz – um die Schluss-Erklärung streitet und bereits in schrillen Tönen einen möglichen Klimakollaps beschwört, gehen in Frankreich die Gelbwesten auf die Straße und wehren sich gegen die von Emanuel Macron verordneten Klimaaufschläge auf die Treibstoffpreise. Das Spektrum der Diskussion in Europa ist breit gestreut. Der deutsche Aktionismus, das ganze Land auf Kosten der Stromkunden mit Windrädern zuzustellen, findet auch außerhalb unseres Landes interessierte Beobachter.

Eine Norwegische Gruppe, zusammengesetzt aus Energieexperten und Wissenschaftlern, hat sich die öffentlich verfügbaren Zahlen der Fraunhofer Gesellschaft und von Agora- Energiewende angesehen und auf diesen Grundlagen eine PowerPoint Präsentation erstellt, die sämtliche dort veröffentlichten Zahlen zur Entwicklung der deutschen Energiewende berücksichtigt (Stand 2015). Dabei kommt eine erfrischend nüchterne Analyse der deutschen Wendepläne zustande.

Es stellten sich als wichtigste Fragen: Wie wird Deutschland die Volatilität von Wind und Sonne als Energieträger je meistern können? Welcher Grundlastenergieträger ist am Horizont erkennbar, der die Kohle und schließlich das Gas ablösen könnte? Dabei weist die Arbeitsgruppe den deutschen Planern fatale Kurzsichtigkeit nach: Selbst bei allergrößter Anstrengung, kann die Abnabelung von den fossilen Brennstoffen nicht gelingen, insbesondere bei gleichzeitiger Aufgabe der Kernenergie. Es sind einfachste Relationen, die hier von den deutschen Energiemachern offenbar übersehen wurden.

Die Norweger haben ihre Analyse in einer Powerpoint-Präsentation zusammengefasst, die Sie vom Kalte-Sonne-Server herunterladen können. Der erste Teil umfasst 12 MB.

Ein nüchterner Blick aus Norwegen auf die deutsche Energiewende – Präsentation Teil 1
(via)

In einem zweiten Teil geht es um die Speicherung der erneuerbaren Energien. Auch hier ergeben die Analysen zu den notwendigen Mengen an Speicher-Kapazität, um unstete Wind- und Sonnenenergie ausreichend vorhalten zu können, ein weltweit eher hoffnungsloses Bild.
(8 MB)

Ein nüchterner Blick aus Norwegen auf die deutsche Energiewende – Präsentation Teil 2
(via)

Ebenfalls aus Norwegen: Ein Aufsatz zur deutschen Energiewende von einem wissenschaftlichen Autorenkollektiv.  Auch diese Analyse fällt eher skeptisch aus. Originaltext (engl.): diekaltesonne.de/germanys-green-transition-in-a-blind-alley/  Übersetzung: EIFELON

Deutschlands Energiewende in der Sackgasse

Immer mehr Menschen erkennen, dass es unmöglich sein wird, die Welt nur mit Sonne und Wind mit stabiler Energie zu versorgen. Deutschland hat sich der Herausforderung gestellt, der Welt zu zeigen, wie eine auf grüner Energie basierende Gesellschaft aufgebaut werden kann.  Doch nun scheinen die Deutschen in einer Sackgasse angekommen zu sein.

Deutschland hat den CO2-Ausstoß in den letzten 10 Jahren trotz enormer Investitionen in die Produktionskapazität für grüne Energie nicht gesenkt. Das Land hat Solar- und Windenergie so installiert, dass es den Energiebedarf an jedem Tag bei ausreichender Sonnen- und Windstärke decken kann. Da Sonne und Wind aber häufig fehlen, schaffen sie jedoch nur rund 27 Prozent des jährlichen Strombedarfs. Wenn dagegen die Sonnen- und Windproduktion ihr Maximum erreicht, führt dies häufig zu Überproduktion und großen Problemen beim Ausgleich von Produktion und Verbrauch. Um die Frequenz der elektrischen Energie in engen Grenzen um 50 Hertz (Hz) zu halten, ist es nicht mehr möglich, die Solar- und Windkraftproduktion in Deutschland ohne zusätzliche, kostspielige Maßnahmen zu erhöhen.

Die erneuerbare Stromproduktion ist bereits heute – vor allem bei Starkwind – viel zu hoch, um das Energieangebot im Land zu verbrauchen und die Netzfrequenz stabil zu halten, in der Folge müssen dann Solar- und Windparks abgeschaltet, und der überschüssige deutsche Strom in die benachbarten Länder exportiert werden. Dies führt zu großen finanziellen Verlusten. Im Jahr 2017 wurde etwa die Hälfte der Windproduktion aus Deutschland an die europäischen Nachbarn exportiert. Die Nachbarländer wollen diese oft unerwartete auftretenden Energieüberschüsse aber nicht, und die deutschen Stromkonzerne müssen dafür bezahlen, um sie loszuwerden. Die deutschen Stromkunden bezahlen letztlich die Rechnung.

Auch wenn Wind und Solaranlagen wegen eines Stromüberangebotes von Netz getrennt werden müssen, also keinen Strom produzieren, werden die Anlagen-Eigentümer so bezahlt, als würden ihre Windräder 90 Prozent der Nennleistung erzeugen. Auch diese Rechnung zahlt der Stromkunde.

Die großen Stromversorger müssen zeitweise ihre Kraftwerke herunterfahren oder abschalten, wenn zu viel Windstrom im Versorgungsnetz ist. (Ökostrom hat nach dem Erneuerbaren-Energie-Gesetz Vorrang im Netz vor konventioneller Energie, die Red.) Sie wollen natürlich ebenfalls entschädigt werden. Die Rechnung geht ebenfalls an die Kunden.

Bei Flaute und Hochnebel dagegen, ist die Stromerzeugung aus Sonne und Wind oft sehr gering und manchmal gar nicht vorhanden. Dies tritt häufig in den Wintermonaten auf. Solche Wetterzyklen können über einen Zeitraum von einem Tag bis zu 10 Tagen anhalten. Die konventionellen Kraftwerke (fossile Kraftwerke und Kernkraftwerke) müssen dann einspringen und entsprechend der Stromanforderungen aus Industrie und Haushalten liefern. […] Alternativ kann Deutschland Atomstrom aus Frankreich oder Tschechien, Ölstrom aus Österreich oder Steinkohlestrom aus Polen importieren.

In der Praxis bedeutet dies, dass Deutschland die konventionellen Kraftwerke niemals – wie geplant – stilllegen kann. Diese Kraftwerke müssen jederzeit bereit und in der Lage sein, annähernd den Gesamtleistungsbedarf zu decken. Ohne sie ist aber auch keine stabile Netzfrequenz erreichbar. Wenn die Wechselstromfrequenz mehr als ein bis zwei Zehntel von der 50 Hertz Frequenz abweicht, droht die Gefahr von ausgedehnten Stromausfällen und der Zusammenbruch des Netzes, wie in Südaustralien – mit einem hohen Anteil von Solar- und Windstrom – geschehen.

Der deutsche Traum, das Land hauptsächlich mit grüner Energie aus Sonne und Wind zu versorgen, entpuppt sich immer mehr als eine verblassende Illusion. Solar- und Windenergie decken heute nur circa ein Drittel des Stromverbrauchs und nur 5 Prozent des gesamten Energiebedarfs Deutschlands ab. Aber die Deutschen haben nicht vor, dies zu beenden.

Im Gegenteil: Sie wollen das gesamte Energiesystem ändern und beziehen neben dem Strom- auch den Wärmebereich und den Verkehrssektor in ihre Pläne ein. Dies würde einen dramatischen Ausbau der elektrischen Energie und exorbitant mehr an erneuerbarer Energie – vor allem Windenergie – erfordern. Um das deutsche Ziel von 60 Prozent des gesamten Energieverbrauchs aus erneuerbaren Energien bis 2050 zu erreichen, muss die derzeitige Stromerzeugung aus Sonne und Wind mit dem Faktor 15 multipliziert werden. Darüber hinaus müssten die Deutschen ihre Leistung aus konventionellen Kraftwerken gleichermaßen ausbauen, um die fluktuierende und intermittierende erneuerbare Energie auszugleichen. Deutschland könnte zwar einen Teil dieser Ausgleichsenergie importieren, aber selbst dann ist das Ausmaß dieses Vorhabens enorm.

Der Bau von Solar- und Windparks hat die deutsche Natur bereits massiv zerstört. Schon heute sieht der Norden Deutschlands wie ein einziger großer Windpark aus. Es ist praktisch unmöglich, die Produktion um den Faktor 15 zu steigern, wie in den Plänen angegeben. Schon durch eine Multiplikation der heutigen Windenergieleistung mit dem Faktor 10 muss statistisch im ganzen Land, in Städten, auf dem Land, in den Bergen oder im Wasser, alle 1,5 km eine 200 Meter hohe Turbine installiert werden.

Die Kosten für „Die Energiewende“ sind enorm und betragen allein bis 2015 rund 200 Milliarden Euro. Die CO2-Emissionen werden dabei nur minimal reduziert. Die deutschen CO2-Emissionen und der Kohleverbrauch zur Energiegewinnung waren in den letzten 7 bis 10 Jahren annähernd gleich. Ohne ein Wunder kann Deutschland seinen selbst auferlegten Klimaverpflichtungen weder bis 2020 noch bis 2030 nachkommen.

Was für Deutschland gilt, gilt auch für andere Länder, die ihren Strom hauptsächlich in fossilen oder nuklearen Kraftwerken erzeugen. Bei einer vergleichbaren Entwicklung wie in Deutschland könnten solche Länder nur etwa ein Viertel bis maximal ein Drittel ihres Stroms aus fossiler und nuklearer Energie ersetzen, da die konventionellen Kraftwerke aus Gründen der Frequenzregulierung, des Gleichgewichts und als Notreserve in Betrieb bleiben müssen. Herkömmliche Reservekraftwerke müssen auch in Zeiten hoher erneuerbarer Energieerzeugung weiter im Hintergrund und als Reserve laufen und dabei fast wie im Normalbetrieb Treibstoff verbrauchen. Sie müssen jederzeit in der Lage sein, auf ihre volle Leistung hochzufahren, da in den nächsten Stunden Sonnen- oder Windkraft ausfallen können. Die Aussichten für eine Reduzierung der CO2-Emissionen sind daher nahezu nicht vorhanden!

Große Länder in Asien und Afrika bauen weiterhin Kohlekraftwerke. […] Dadurch wird erschwinglicher Strom – rund um die Uhr – für 1,3 Milliarden Menschen bereitgestellt, die heute noch keinen Zugang zu Elektrizität haben. Elektrizität ist ein wesentliches Gut für die Entwicklung, die diese Menschen erwarten und auf die sie Anspruch haben.

Nachtrag EIFELON: Im Jahr 2017 waren in China und Indien 1617 neue Kohlekraftwerke in Planung oder im Bau. Das alles mit Wissen und Billigung der Pariser Klimagipfel-Teilnehmer und in der Abschlusserklärung ausdrücklich vermerkt. Unter der Voraussetzung, bis 2030 jeden Monat ein neues Kohlekraftwerk in Betrieb zu nehmen, war China bereit, das Klimadokument von Paris mitzuunterzeichnen. Erhält China doch so ein langjähriges Alleinstellungsmerkmal für konkurrenzlos billige Energie. Weitere 275 Kohlekraftwerke sollen in den nächsten Jahren im Rest der Welt dazukommen. Es gibt weltweit keinen Hinweis darauf, dass der Gebrauch von Kohle zur Energieerzeugung weniger würde. Im Gegenteil, die Kohleverstromung wird in Zukunft massiv zunehmen. In Polen wurde im September 2018 – knapp drei Monate vor dem Weltklimagipfel – ein neues 1000 Megawatt Kohlekraftwerk genehmigt. Worüber sprechen wir eigentlich auf dem Klimagipfel in Kattowitz?

Dazu passt eine Meldung der RWTH Aachen: Am 12. Dezember hat das Studierendenparlament der RWTH einen Antrag des SDS Aachen, den Umstieg der Uni auf Strom aus Erneuerbaren Energien, die Auskunft über Kooperationen mit Unternehmen des Kohle- und Atomsektors, ein Ende der Forschung und Lehre in diesen Bereichen, die Einsetzung einer Nachhaltigkeitsklausel sowie einer Nachhaltigkeitskommission, abgelehnt. Eine Mehrheit des Studierendenparlamentes hielt eine Debatte über diesen Antrag für nicht notwendig, der Antrag wurde daraufhin ohne Debatte mit nur 2 Pro-Stimmen bei insgesamt 41 Sitzen abgelehnt. Unter den Gegnern des Antrags befand sich auch eine Mehrheit der Grünen Hochschulgruppe (GHG) und der Rektor, Professor Ulrich Rüdiger. Anscheinend setzt sich auch in den deutschen Bildungsstätten langsam ein realistischer Umgang mit der Energiewende durch.

14.12.2018PolitikUmland0 Kommentare cpm

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