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Museumslandwirt Gerd Linden wacht tagelang über den glosenden Meiler. [Foto: privat]

Publikumsabstimmung im Internet: Eifeler Landwirt Gerd Linden ist für den bundesweiten Engagementpreis nominiert

Heimbach, Düttling: Gemeinsam mit seiner Frau Elke wurde er im Sommer bereits mit dem Ehrenamtspreis des Kreises Düren ausgezeichnet. Kein Wunder, denn 1986 bauten die beiden gemeinsam das Bürgerbus-Projekt in Heimbach auf. Erst als ehrenamtliche Fahrer. Seit 1990 war Gerd Linden dann bis zum Sommer dieses Jahres als Vereinsvorsitzender mit 45 weiteren Fahrern tätig, die pro Jahr circa 12.000 Fahrgäste befördern. Nun ist er auch als Kandidat des bundesweiten Ehrenpreises für Soziales Engagement nominiert.

Um überhaupt auf der Internet-Abstimmungsplattform präsent zu sein, mussten alle gut 500 Anwärter für den Publikumspreis im Vorfeld ihr Projekt auf einem Normblatt mit wenigen Worten beschreiben. Ein Projekt? Bereits da wurde es für Gerd Linden eng, denn der 63-Jährige hat sich – wie viele andere der Kandidaten – nicht nur für ein Thema eingesetzt. Mit Energie und Verve zieht er seit Jahrzehnten seine zahlreichen Aktivitäten durch. Hauptberuflich engagierte er sich als Museumslandwirt im Freilichtmuseum Kommern. Dort gelang ihm beispielsweise die Rückzüchtung von Rindern, die nun robust dem Eifeler Wind und Wetter trotzen und gesund auf den Weiden grasen.
Der gesamten Region ist er als Köhler bekannt: Sowohl im Museum, als auch in Düttling schichtete er gemeinsam mit seinen „Köhlerbuben“ zahlreiche Meiler auf, aus denen dann – nach alter Tradition – wertvolle Holzkohle entstand.

Mit pfiffigen Ideen machte Linden immer wieder auf seine Heimat, die Eifel, aufmerksam. Als der Regierungssitz vom Rhein nach Berlin verlegt war, lud er einen Berg Bonner Akten auf sein Ochsengespann und übergab sie während der Grünen Woche an der Spree dem ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder. Allein um die Erlaubnis für diese Aktion zu erhalten, musste er unzählige bürokratische Hürden überwinden. Sobald er seine Bitte in Sekretariaten oder Ministerien telefonisch vortrug, kam stets die misstrauische Frage: „Rufen Sie für die Sendung ‚Versteckte Kamera‘ an?“ Linden blieb hartnäckig und bekam sämtliche Genehmigungen. Auch dafür, mit seinem Ochsengespann durch das Wahrzeichen Berlins zu fahren.

Morgens um sechs Uhr kamen die Eifeler am Brandenburger Tor an und parkten ihren Konvoi kurzfristig vor dem Nobelhotel „Adlon“, um den urigen Ochsen Max – ein majestätisches Tier mit einer Körpergröße von 186 Zentimetern und einem Gewicht von 27 Zentnern – aus dem Transportanhänger zu holen. „Vorsichtshalber bin ich vorher zur Rezeption des Hotels gegangen und habe gefragt, ob wir da kurzfristig parken dürfen.“ Schließlich wollte man ja keinen Verweis riskieren. Die Antwort des Adlon-Mitarbeiters in makelloser, roter Livree kam wie aus der Pistole geschossen. Erstaunlicherweise in breitestem Kölsch: „Jung, wo is dat Problem?“. Er stammte aus Leverkusen, wie sich Linden amüsiert erinnert.

Clou dieses Werbe-Gags für das Eifeler Freilichtmuseum war, dass ein befreundeter Fotograf für die anwesenden Journalisten eine Fotomontage erstellt hatte, die den Eifeler – statt der berühmten Quadriga – mit seinem Ochsengespann auf dem Brandenburger Tor zeigt. „Die Leute haben uns die Bilder damals aus der Hand gerissen“, lacht Linden noch im Nachhinein.

Über 20 Jahre hat er – neben seiner Landwirtschaft – zudem soziale Projekte in Rumänien unterstützt: Dentallabore in der Eifel ab- und dort wieder aufgebaut… Bewässerungsanlagen für Felder installiert… Sanitärräume für Behinderten-Schulen gebaut, verputzt, gefliest… und… und… und…

Mit 30 Materialtransporten, aber vor allem durch seine 14-tägigen Handwerkereinsätze vor Ort konnte er dazu beitragen, die Not der Landbevölkerung zu lindern, sowie die Infrastruktur zu verbessern. Mehr als 100 veraltete, hier bereits ausrangierte Computer wurden im Laufe der Zeit nach Rumänien transportiert.

Sein Einsatz für das Projekt „Demokratie stärken“ ist ebenfalls bewundernswert. Seit dem 28. April 2006 leitet er ehrenamtliche Führungen in und um die ehemalige, nationalsozialistische „Festung“ Vogelsang und hält zu jedem Termin die Besucherzahlen in einer Statistik fest. Mit einem Griff hat er im EIFELON-Gespräch sein kleines Notizbuch zur Hand und meint nicht ohne Stolz: „Mittlerweile haben 18.089 Leute an meinen Veranstaltungen teilgenommen.“

Während andere Anwärter des Preises bereits ab Mitte September bei Freunden, Verwandten, Kollegen und Institutionen eifrig die Werbetrommel rührten, lag Gerd Linden nach einer Knieoperation noch im Krankenhaus. Natürlich hat er auch dort immer mal ins Internet gespinkst, auf welchem Ranking-Platz er steht. „In den ersten Tagen war ich gar nicht drin. Dann plötzlich auf Platz 95.“ Die Aufholjagd begann: „Tag für Tag springt es hoch“, freut sich der gestandene Eifeler, der für Generationen von Pänz aus der Region als Nikolaus unterwegs war. Selbst bei seiner ambulanten Reha in Marmagen – egal, ob im Aufzug oder strampelnd auf dem Fahrrad – erntete er liebevoll-erstaunte Blicke:

„Sind Sie nicht der Nikolaus?“

Am Ende unseres Gesprächs begleitet mich Gerd Linden auf Krücken zur Tür. Kaum hören die beiden jungen Esel hinterm Haus seine Stimme, begrüßen sie ihn mit einem freudigen I-AH-Konzert: Sobald Lindens Knie wieder belastbar sind, geht es  gemeinsam wandernd gen Süden: Bei Wind und Wetter Richtung Elsass.

Noch bis zum 22. Oktober findet die Abstimmung über den Deutschen Engagementpreis statt. Rund 550 Projekte und Personen haben die Chance, den mit 10.000 Euro dotierten Publikumspreis zu erhalten. Die TOP 50 der öffentlichen Abstimmung gewinnen zudem die Teilnahme an einer kostenfreien Weiterbildung in Berlin.
5.10.2018LebenHeimbach, Düttling0 Kommentare bwp

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