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Wenn ein Känguru einzieht, sind die Probleme vorprogrammiert. [Foto: Brigitte Lerho]

Hüten Sie sich vor kommunistischen Kängurus, die bei Ihnen einziehen wollen!

Umland, Düren: Stellen Sie sich vor, es klingelt an Ihrer Haustür, ein Känguru steht vor Ihnen, und es fragt nach den Zutaten für einen Eierkuchen. Und ehe Sie sich versehen, ist das Känguru bei Ihnen eingezogen und stellt Ihr Leben auf den Kopf. Kein Wunder, schließlich arbeitet es nicht, hört gerne „Nirvana“, ist überzeugter Kommunist und futtert ohne Ende Schnapspralinen. Im Haus der Stadt in Düren war das Altonaer Theater Hamburg zu Gast und brachte die „Känguru-Chroniken“ von Marc-Uwe Kling auf die Bühne. Der Autor, Kleinkünstler und Kabarettist hat 2009 das Känguru erschaffen – zunächst als Podcast beim Berliner Radio Fritz, dann als Buch sowie Hörbuch. Hans Schernthaner ist für die Bühnenfassung und die Regie verantwortlich, das Bühnenbild stammt von Sonja Zander. Die Hamburger Theatertruppe gab einen treffsicheren Einblick in die Chroniken und begeisterte das Publikum. Erfreulich viele junge Besucher saßen in den Rängen und ließen sich bestens vom Känguru und seinen Mitstreitern unterhalten.


Wie ist das Leben mit einem Känguru? Keine Frage, es kann nur absurd und skurril sein. Doch für Marc-Uwe Kling (gespielt von Stephan Möller-Titel) stellt sich schnell Normalität ein und er, der sich selbst als Anarchist bezeichnet und den ganzen Tag im Schlafanzug durch die Wohnung läuft, philosophiert gerne mit seinem neuen Mitbewohner (Yannik Nowak), der als erstes eine Karl Marx Büste in der Wohnung aufstellt. Mit viel Witz und Dynamik reden sich die beiden in ihren antikapitalistischen Debatten in Rage und werfen sich die Zitate nur so um die Ohren – allerdings mit neuer, stets gelungener Zuordnung. „“Ich seh‘ den Wald vor lauter Bäumen nicht“ ist der neue Slogan der RWE, „Das Boot ist voll“ wird Noah zugeschrieben und „Du sollst keine Götter neben mir haben“ stammt neuerdings natürlich von Donald Trump. Immer wieder flechten sie treffsicher Zitate ein und treffen damit genau den Nerv des Publikums.

Das Duo agierte jedoch nicht alleine auf der Bühne. Hinzu kamen in wechselnden Rollen Katrin Gerken (u.a. Nachbarin, Barfrau Herta, Frau vom Arbeitsamt), Johannes Merz (u.a. Psychiater, Polizist und Pinguin) und Musiker Florian Miro (der auch noch den Radiosprecher und einen Richter mimte). Auf diese Weise agierten 13 verschiedene Charaktere auf der Bühne, mal bissig, mal verschroben, dann wieder ironisch. Das Absurde wurde auf die Spitze getrieben, doch ein Kern Wahrheit und Realität spielte immer mit. Die Rechten bekamen kräftig ihr Fett weg aber auch bestehende politische und gesellschaftliche Strukturen. Marc-Uwe Kling landet auf der Couch eines Psychiaters, der zugibt, mit einem Gnu zusammenzuleben, er muss sich mit der Polizei auseinandersetzen, die das Känguru sucht, und er lässt sich auf die Idee seiner Lektorin ein, den Pinguin – ein neuer Nachbar – zum Antagonisten in seinem Buch, den „Känguru-Chroniken“, zu erschaffen. Dieser ist ein düsterer, global agierender Kapitalist, der passende Gegenspieler zum kommunistischen Känguru. Mit viel Spielwitz agierten die Schauspieler auf der Bühne. Das Publikum erfuhr, dass das Känguru die Führerscheinprüfung abgebrochen hatte, weil es „Rechts vor links“ nicht akzeptieren konnte. „Warum heißt es Recht haben und nicht Link haben?“, Richter sprechen Recht und nicht Link“ – „Unterdrückungsmuster manifestieren sich schon in der Sprache“ ist das Känguru überzeugt.


Der erste Teil hatte zwar ein paar Längen, doch nach der Pause wurde das Tempo angezogen. Ein Überfall auf das Ministerium für Produktivität steht an. Das Känguru schart die Mitglieder seiner „Asozialen Bewegung“ um sich und sie machen sich auf den Weg, um im Hauptcomputer alle Daten zu löschen. Denn das Känguru steht kurz davor als unproduktiv eingestuft und damit des Landes verwiesen zu werden. Dies muss verhindert werden. Die Besucher erlebten einen äußerst unterhaltsamen Abend und so manche Pointe wird dem einen oder anderen vielleicht länger im Gedächtnis bleiben – die „Känguru-Chroniken“ sind nicht nur humoristisch treffsicher, sie regen auch zum Nachdenken über das bestehende politische und wirtschaftliche System an.

30.11.2018KulturUmland, Düren0 Kommentare pg

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