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In enger Absprache legten Manfred Vetter (l.) und Ulrich Rückriem die Standorte der einzelnen Monumente fest. [Foto: jbv]

Ulrich Rückriem: Skulpturen im Feld

Zülpich, Langendorf: Ob Kunstflaneur oder Spaziergänger… Wer die Werke des Bildhauers Ulrich Rückriem – im Juni für sein Lebenswerk mit dem Kunstpreis des Kreises Düren ausgezeichnet – in freier Natur erleben möchte, sollte einen Abstecher in die Voreifel planen. Rund um die idyllische Wasserburg Langendorf entstand eine Rückriem-Route, auf der sechs seiner Granit-Plastiken zu sehen sind. Initiator der eindrucksvollen Installationen war der 2014 verstorbene Unternehmer und Kunstmäzen Manfred Vetter, der die Geschicke der historischen Wasserburg seit 1957 lenkte. 1999 konnte das erste Rückriem-Monument auf den Ländereien eingeweiht werden.

Wie eine Landmarke ragt die acht Meter hohe Chlodwig Stele aus dem Feld schräg gegenüber der Burg, auf der anderen Seite der Bundesstraße 265. Hier in der Nähe soll – wie viele Wissenschaftler vermuten – im Jahr 496 die legendäre Chlodwigschlacht getobt haben, in deren Verlauf sich Chlodwig zum christlichen Glauben bekannte. 1.500 Jahre später fand 1996 in der Remise von Burg Langendorf ein internationales Forscherkolloquium statt, zu dem 160 Wissenschaftler aus der ganzen Welt anreisten. „Danach ließ meinen Mann die Idee nicht mehr los, mit einem Denkmal an die geschichtsträchtige Chlodwigschlacht zu erinnern“, erzählt Juliane Vetter. Gemeinsam mit seinem künstlerischen Berater und Mitstifter, Professor Henrik Hanstein, Eigentümer des renommierten Kunstauktionshauses Lempertz in Köln, nahm Manfred Vetter Kontakt zu dem renommierten Künstler Ulrich Rückriem auf, der zuvor bereits in der Stadt Düren zehn Stelen im öffentlichen Raum zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus geschaffen hatte.

„Während die Chlodwig Stele 1999 aufgestellt wurde, begannen archäologische Ausgrabungen auf dem Zülpicher Mühlenberg, die dem Bau eines neuen Museums der Badekultur über den Ruinen der römischen Thermen Zülpichs vorausgehen sollten. Dieses Projekt geriet während seiner zehnjährigen Realisierungsphase wiederholt in finanziell schwierige Lagen. Verzögerungen und unerwartete Verteuerungen führten zu Stockungen und drohten zeitweilig, die Fertigstellung zu verhindern“, schildert Hans-Gerd Dick, Historiker der Stadt Zülpich. Auf diese prekäre Situation angesprochen, kaufte Kunstmäzen Manfred Vetter die von ihm gestiftete Stele für 100.000 Euro kurzerhand von der Stadt Zülpich zurück mit der Maßgabe, dass dieses Geld ausschließlich in den Neubau des Museums fließen dürfe. Seine Stiftung für Kunst und Kultur verpflichtete sich darüber hinaus, die Stele für alle Zukunft und Unwägbarkeiten der Zeit der Allgemeinheit zu erhalten.

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Durch diesen Granit-Kubus lässt sich die Eifel aus allen Himmelsrichtungen betrachten. [Foto: bwp]

In den folgenden Jahren gab Manfred Vetter weitere Monumente bei Ulrich Rückriem in Auftrag. 2003 wurde am Langendorfer Friedhof der „Monolith“ errichtet und auf dem Vorhof der Burg die dreiteilige „Scheibe“ aus blauem Granit installiert. Ein Jahr später folgte außerhalb des Burggeländes ein vier Meter hoher und etwa 70.000 Kilo schwerer Kubus aus rosafarbenem spanischen Granit. Durch eins der quadratisch herausgearbeiteten Sichtfenster haben Besucher nicht nur die Chlodwig Stele im Visier. Die Sichtachsen in andere Himmelsrichtungen eröffnen den Blick auf die Hügel der Eifel.

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Über die künstlerische Zusammenarbeit entstand eine intensive Freundschaft. [Foto: jbv]

„Der Platz ist die Hälfte des Kunstwerks“, beschreibt Juliane Vetter die sorgfältige Auswahl der einzelnen Standorte. In enger Absprache zwischen ihrem Mann und dem Bildhauer Rückriem seien die Plätze ausgesucht worden. „Im Laufe der Jahre hat sich eine Freundschaft zwischen den Beiden entwickelt“, erinnert sie sich an die enge Zusammenarbeit. Und im gemeinsamen Gespräch sei die Idee entstanden, die aus den Granit-Kuben herausgelösten Quader als Ergänzung in untermittelbarer Nähe zu den Monument in der Landschaft zu hinterlegen.

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Archaisch wirkt dieses 2006 aufgestellte Stelenfeld in den Langendorfer Feldern. [Foto: bwp]

Auf einem gut drei Kilometer langen Weg rund um die Burg Langendorf lassen sich die sechs Rückriem-Monumente entdecken und erleben. „Je nach Jahreszeit, wenn der Raps blüht oder das Getreide reift, und je nach Witterung wirken die Monumente völlig anders“, freut sich Juliane Vetter über die Kulturinitiativen ihres Mannes. www.vetter-stiftung.de

Papierarbeiten des Kunstpreisträgers Ulrich Rückriem sind zurzeit im Rahmen der Ausstellung „Colour, Space & Paper“ im Dürener Leopold Hoesch Museum & Papiermuseum zu sehen. www.leopoldhoeschmuseum.de

17.7.2015KulturZülpich, Langendorf0 Kommentare bwp

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