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Viele neue Songs entstanden beim Schlagergipfel. [Foto: pg]

Ein „Schlagergipfel“ in Heimbach? EIFELON ging auf Spurensuche

Heimbach: Als wir die Einladung zum „Schlagergipfel“ zwischen all unseren EIFELON-Mails entdeckten, war die Neugier geweckt. Nicht, dass wir selber große Fans dieser Musikrichtung wären, aber ein „Schlagergipfel“ mitten in der Eifel? Das klang absolut spannend. Nun, es stellte sich schnell heraus, dass nicht zig bekannte und weniger bekanntere Schlagergrößen zu einem Stelldichein an die Rur kommen. Nein, stattdessen handelte sich um ein Treffen von Textern und Musikern, die Songs für andere Künstler schreiben…

Wir machen uns also auf den Weg nach Heimbach, um Annette Jans, Andi Königsmann, Kurt Schoger, Erdmann Lange, Birke Bodil und Achim Kranefeld kennen zu lernen und sie live bei ihrer Arbeit zu erleben. In der ruhigen Eifel haben sie sich getroffen, um gemeinsam Songs zu entwickeln. Bereits zum dritten Mal halten sie ihren „Schlagergipfel“ – eine Art Songcamp –  ab.

Im Haus 69 des Ferien-Resorts „Eifeler Tor“ hat sich die aus ganz Deutschland angereiste Kreativ-Crew eingemietet. „Ganz am Ende des Ferienparks“, wie Andi Königsmann aus München lachend erklärt, „damit wir mit unseren Proben die anderen Gäste nicht stören.“

An jeder Textzeile, an jeder Notenfolge wird so lange gefeilt, bis es passt. [Foto: pg]

Das große Wohnzimmer des Ferienhäuschens gleicht einem Tonstudio: Keyboard, Gitarren, Noten, PCs, Monitor. Auf dem quadratischen Tisch sammeln sich Notizblöcke, Kaffetassen und zahlreiche Bücher rund um den deutschen Wortschatz.

Diese Form des Songschreibens sei in Deutschland eher noch Neuland, erzählen sie uns, aber sehr produktiv. Sie haben sich selbst Schlagergipfel getauft und bieten unter diesem Namen Künstlern Songs an. Annette Jans, Andi Königsmann, Kurt Schoger und Erdmann Lange sind die Keimzelle des Schlagergipfels und durchaus erfolgreich in ihrem Metier. Als Stipendiaten der „Celler Schule“, die seit 1996 Talente im Bereich deutscher Songtexte fördert, haben sie sich kennen gelernt. Seitdem treffen sie sich einmal im Jahr, dann sind meist auch noch andere Texter dabei und zusammen wird stundenlang gefeilt. Mitunter nur an einer Textzeile, bis am Ende ein fertiger Song steht, mit dem alle zufrieden sind. Schließlich wird beim Schlagergipfel nicht „Herz“ auf „Schmerz“ gereimt.

“Ein guter Song ist kein Abfallprodukt“, betont Andi Königsmann. Als unabhängiges Team sind sie frei, wem sie ihre Songs anbieten. Einige Plattenfirmen würden mittlerweile auch Texter und Musiker zusammenbringen, die in einem Camp Songs gemeinsam schrieben. Doch dann seien sie an das Label gebunden und das wollen sie alle nicht. Da sind sie sich einig.

Die Stile, die die Truppe bedient, sind ganz unterschiedlich. Von Party- über Pop-Schlager bis hin zu Chansons reicht das Repertoire, das sie erarbeiten. Dabei kommen sie aus ganz unterschiedlichen musikalischen Richtungen. Kurt Schoger ist beispielsweise Bassist und Songwriter der Kölner Karnevalsformation „Boore“ und mit dieser Band auch sehr erfolgreich.

Andi Königsmann aus Bayern ist nicht nur gefragter Rundfunk-, Werbe- und Hörbuchsprecher, sondern auch Keyboarder in diversen Bands rund um München. Er ist zuständig für alles, „was mir an Swing unter die Tasten kommt.“ Erdmann Lange kommt eher aus der Rockrichtung. Annette Jans ist im Hauptberuf Werbetexterin. Ganz allein vom Songschreiben können sie bisher noch nicht leben. „Da gibt es nur wenige“, betonen sie. Doch es mache einfach Spaß, zusammen zu arbeiten, „unsere Songs an den Mann zu bringen.“

„Im Schlager ist es üblich, für andere zu schreiben“, erklärt uns das Sextett. Selbst Helene Fischer schreibt keinen ihrer Songs selbst. Allerdings hat sie die Qual der Wahl. Für ihre letzte CD bekam sie rund 900 Songs geliefert – ausgewählt hat sie daraus 25. Die anderen 875 werden nun vermutlich anderen Künstlern angeboten. „Der eine kann gut schreiben und komponieren, der andere besser singen und auf der Bühne agieren“, meint Andi Königsmann. Das Größte sei aber für alle, wenn der eigene Song im Radio gespielt wird. Wenn man nachts bei einer Autofahrt den Rundfunk einschaltet und hört „seinen Song“ – dieses Gefühl sei unbeschreiblich.

Also werden sie weiter machen und Songs schreiben, für sich alleine oder in der Gruppe. Sie werden an Texten feilen, sich den Refrain immer und immer wieder vorsingen, Worte verändern, Melodien anpassen und solange an einem Song arbeiten, bis er hundertprozentig passt.

Doch nicht jedes Lied, das aus der Feder des Kreativ-Teams stammt, findet gleich einen Interpreten. „Manchmal warten unsere Songs viele Jahre in der Schublade. Dann waren wir unserer Zeit thematisch einfach voraus“, meint die Crew mit verschmitztem Lächeln.

Für die kölsche Band Boore, mit der Kurt Schoger zwischen 160 bis 180 Auftritte im Jahr meistert, gelang dem Team gleich der Hit für die Karnevalssession 2018. Der temperemamentvolle Song „Tschau mit au“ entwickelte sich zum Ohrwurm und wurde nicht nur im Fastelovend von den Fans gefeiert, sondern auch bei zahlrichen TV-Auftritten, unter anderem im „Fernsehgarten“.

Mitte Mai erhielt übrigens „Schuh-Bi-Du“ – ein witzig-beschwingter Song aus der Feder von Annette Jans, vertont von Andi Königsmann – Bestnoten und wurde mit dem Musikpreis „Stauferkrone“ ausgezeichnet. „Bald wird der Song als Download zur Verfügung stehen“, erzählte Königsmann. „Die Verträge sind gerade unterzeichnet worden.“

Ob wir demnächst auch einen der Songs im Radio hören, die in Heimbach erarbeitet wurden? Die Texter und Musiker des Schlagergipfels wissen es selbst nicht. Doch falls einem der Lieder, die im Ferien-Resort entstanden, der Durchbruch gelingt, wollen sie uns auf dem Laufenden halten. Wer weiß, vielleicht wurde uns bei dem EIFELON-Termin sogar ein zukünftiger Hit präsentiert. Der neueste Song, den uns die Schlagerexperten vorspielten, war erst eine Stunde zuvor fertiggeworden und hat auf jeden Fall Potenzial. Wir sind gespannt. [pg/bwp]

28.6.2019LebenHeimbach0 Kommentare redaktion

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