"Viele kleine Dinge wurden durch die richtige Art von Werbung groß gemacht."

Mark Twain
EIFELON weiterempfehlen

Wir informieren die Eifel

unabhängig. überparteilich. unbezahlbar.

neue Kommentare
0
In einem Festzug marschierte die Glehner Dorfgemeinschaft zur traditionellen Häusertaufe. [Fotos: js]

Mit Pauken und Trompeten zur Häusertaufe

Mechernich, Glehn: Die Musik der Kapelle des Musikvereins Waldlust Glehn setzt den Marsch der Dorfbewohner in der Abendsonne in Bewegung. Angeführt wird der Festzug vom Junggesellenverein – von der Dorfmitte die Hauptstraße 200 Meter entlang bis zur ersten Abbiegung links. Dort, gegenüber des Gasthauses „Zur Alten Post“, öffnet ein kleines blondes Mädchen das grüne Tor, das in den Innenhof des alten Backsteinhauses führt. Auf dem balkonartigen Vorbau erwartet Familie Münch den Menschenzug, wartet auf das, was vor ihnen liegt, wartet auf die Häusertaufe des Alten Pastorats, Rote Erde 2.

Die Häusertaufe hat in Mechernich-Glehn Tradition: Sie bildet immer dann den Abschluss der jährlichen Kirmes, wenn ein Haus neu gebaut wurde oder eine Familie ein Haus neu bezogen hat und an diesem Brauch teilnehmen möchte. Der Junggesellenverein des 500-Einwohner-Ortes entscheidet zuvor in geheimer, teils reger Diskussion, auf welchen Namen das Haus getauft wird. Schließlich soll er zur Familie passen, die neu in ihm wohnt. So kommt es vor, dass ein Haus bereits mehrere Taufen und mehrere Namenswechsel mitgemacht hat. Das Gasthaus gegenüber des Alten Pastorats beispielsweise bekam den Namen „Zum Bierklopsbäcker“, weil es dort so große Frikadellen zu essen gibt. Seit wann es die Häusertaufe gibt, wissen die Glehner selbst nicht genau. Seitdem sie denken können und davor schon, meint der 50-Jährige Ortsvorsteher Karl-Heinz Seeliger. Im Umkreis gibt es die Häusertaufe nur im benachbarten Berg.

haeusertaufe_in_glehn_2

In diesem Jahr taufte der Jünglingsverein das Haus von Iris und Roland Münch.

Inzwischen hat die Musikkapelle im Innenhof ein Plätzchen vor Stall und Scheune gefunden und läutet mit dem nächsten Stück die Häusertaufe ein. Das während der Kirmes neu gekürte Hahnenkönigspaar tanzt den Begrüßungswalzer. Auch das hat Tradition. Die Dorfbewohner schunkeln mit oder klatschen im Takt. Dann wird es offiziell. Die Mitglieder des Jünglingsvereins und das Hahnenkönigspaar stehen neben Iris und Roland Münch auf dem Balkon, von dem die Fahne des Vereins nun weht. Tobias Heid vom Jünglingsverein schwenkt seinen Säbel unter dreimaligem Tusch und tauft das Haus auf den Namen: „Zur verstummten, halb selbstgemachten Zahnstein-Bud op der Glehner Kö“.

Der Name bedarf selbst unter den Eingesessenen Erläuterung: Teil 1 „Zur verstummten“ – bis vor Kurzem stand im Obstgarten noch die Feuerwehrsirene, ein Mast mit Sirenen-Pilz. Diesen gibt es jetzt nicht mehr. Teil 2 „halb selbstgemacht“ – Eigentlich hatten sie nur nach einer Ferienwohnung Ausschau gehalten, erzählt Roland Münch, sich dann aber in dieses Haus verliebt und beschlossen, von nun an dort zu wohnen, „wo andere Urlaub machen“. Das war im August letzten Jahres. In nur fünf Monaten hat Familie Münch das Haus von seinem „kariösen“ Zustand befreit, alles saniert und dafür auch die Hilfe von Handwerkern eingeholt. Teil 3 „Zahnsteinbud“ – weist auf den Beruf von Roland Münch, Zahnarzt. Stein steht für die Bausubstanz des Hauses, Backstein. Bud ist Platt für Bude, Haus. Teil 4 „op der Glehner Kö“ spielt auf Düsseldorf an, den vorherigen Wohnort der Familie. Ihr neues Haus in Glehn grenzt an drei Straßenseiten und hat damit den längsten Bürgersteig im Ort, wie der Jünglingsverein findet. Er dokumentiert den Namen auf einer Urkunde und überreicht sie Familie Münch.

Bei untergehender Sonne setzt die Musikkapelle zu einem letzten Ständchen ein und genießt anschließend „Chilli etwas scharf oder richtig scharf“, das Familie Münch für die Feier mit den Bewohnern ihrer neuen Heimat zubereitet hat. Ein kleines Dorf mit großer Gemeinschaft.

Wer selbst einen Blick in den Innenhof des Alten Pastorats, Rote Erde 2 in Mechernich-Glehn werfen möchte, hat dazu am Wochenende vom 26. (12.00 bis 18.00 Uhr) und 27. (11.00 bis 17.00 Uhr) September Gelegenheit. Zum zweiten Mal findet dann „Self´sjemaat“ statt, ein Markt, der Kunsthandwerk und Kulinarisches aus der Nordeifel präsentiert und von Iris Münch mit ins Leben gerufen wurde.
18.9.2015LebenMechernich, Glehn0 Kommentare js

Bisher 0 Kommentare
Kommentar schreiben

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Beitrag. Schreiben Sie den Ersten.

Einen neuen Kommentar schreiben

Um einen neuen Komentar zu schreiben, melden Sie sich bitte mit ihrem Benutzernamen und Passwort an. Wenn Sie noch keinen EIFELON-Account haben, können Sie sich kostenlos und unverbindlich registrieren.


  1. *Ihre eMail-Adresse wird nicht veröffentlicht
  2. Ein Passwort wird Ihnen an Ihre eMail-Adresse zugeschickt, Sie können es anschließend in Ihrem Benutzerberich leicht ändern.
  3. Den Button zur Registrierung finden Sie unter unserern folgenden Richtlinien:
Die Richtlinien für die Nutzung der EIFELON Diskussionsplattform
Die Benutzer bestätigen/akzeptieren mit ihrer Anmeldung unsere Richtlinien. Falls es im Nachhinein noch Änderungen an den Richtlinien gibt, werden die User beim nächsten Einloggen aufgefordert, die Richtlinien erneut zu bestätigen: Wir bieten Ihnen hier eine Plattform für sachliche und konstruktive Diskussionen. Um dies zu gewährleisten, behält sich die Redaktion vor, Kommentare nicht zu veröffentlichen, die einer sachlichen Diskussion nicht förderlich sind. Wir bitten Sie daher, durch die Einhaltung unserer Richtlinien zu einem freundlichen Gesprächsklima beizutragen.
1. Gegenseitiger Respekt
Bitte behandeln sie andere Nutzer so, wie Sie selbst behandelt werden möchten. Zeigen Sie Toleranz gegenüber anderen Meinungen und verzichten Sie auf persönliche Angriffe und Provokationen.
Selbstverständlich werden Kommentare, die ehrverletzend, beleidigend, rassistisch, pornografisch oder auf andere Weise strafbar sind, nicht freigeschaltet.
2. Wortwahl und Formulierung
Sachliche Argumentation ist die Basis für eine konstruktive Diskussionskultur. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihren Kommentar vor dem Abschicken zu überprüfen. Habe ich den richtigen Ton getroffen? Könnten meine Formulierungen Missverständnisse hervorrufen?
3. Benutzernamen
Diese genannten Richtlinien gelten auch für die Verwendung von Benutzernamen.
4. Quellenangaben und Verlinkungen
Wenn Sie Zitate verwenden, verweisen Sie bitte auf die Quelle und erläutern Sie deren Bezug zum Thema.
5. Zeichenbegrenzung
Die Länge eines Kommentars ist auf 1000 Zeichen zu begrenzen, um eine Moderation in einem adäquaten Zeitrahmen zu gewährleisten. Mehrteilige Beiträge können daher leider nicht berücksichtigt werden.
Bitte sehen Sie davon ab, denselben oder einen sehr ähnlichen Kommentar mehrmals abzuschicken.
6. Werbung
Die Nutzung der Kommentarfunktion zu kommerziellen Zwecken ist nicht erlaubt. Inhalte gewerblichen oder werbenden Charakters werden nicht freigeschaltet. Gleiches gilt für politische Aufrufe aller Art.
7. Sonstige Hinweise
Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung eines Kommentars. Beiträge, die sich als falsch oder unwahr herausstellen, können auch im Nachhinein noch gelöscht werden. Sollten Sie auf Beiträge stoßen, die gegen die Richtlinien verstoßen, machen Sie die Moderation bitte darauf aufmerksam. Schicken Sie einfach den Link des betreffenden Kommentars mit einer kurzen Erläuterung an redaktion@eifelon.de. Bei wiederholten oder besonders schweren Verstößen gegen diese Richtlinien behalten wir uns einen Ausschluss einzelner User vor.


zurück zur Startseite