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Hinter den Klostermauern von Mariawald fanden weitreichende Umstrukturierungen statt. [Fotos: bwp]

Kloster Mariawald: Rücktritt für einen Neuanfang

Heimbach, Mariawald: Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Auf der Internetseite von Kloster Mariawald hatte Abt Josef Vollberg mit einer Verlautbarung seinen Rücktritt erklärt.

Liebe Freunde der Abtei Mariawald,
hiermit möchte ich Ihnen wichtige Informationen über eine neue Situation in unserer Abtei geben. Diese Informationen dienen nicht nur dazu, Ihnen Mitteilung zu machen, wie es unter Freunden üblich ist, sondern auch einer brodelnden Gerüchteküche ein Ende zu setzen, in der fälschlicherweise von einer Auflösung der Abtei die Rede ist.

Die Fakten sind folgende:
Nachdem die beiden Visitatoren Dom Bernardus, Dom Eric und ich viele Möglichkeiten für die Zukunft der Abtei durchgesprochen hatten, bin ich am letzten Freitag, den 21.10.2016, aus freiem Entscheid vom Amt des Abtes von Mariawald zurückgetreten. Durch diesen Schritt hoffe ich einen wesentlichen Beitrag für die weitere Entwicklung der Abtei geleistet zu haben. Vater General Dom Eamon hat diesen Rücktritt mit Wirkung zum 1. Adventssonntag angenommen, und der Immediat Dom Bernardus hat mich zum gleichen Datum als Prior (Hausoberer) eingesetzt.

Unsere Gespräche waren von großer Offenheit, gegenseitigem Respekt und großem Vertrauen geprägt. Den Rücktritt habe ich vor allem deswegen angeboten, weil in Kooperation mit Dom Bernardus wir gegenwärtig noch selbst über das Wohl und die Zukunft von Mariawald entscheiden konnten. Ohne diese Kooperation hätte die Gefahr bestanden, dass durch eine absehbare Änderung der Statuten im nächsten Jahr eine Schließung der Abtei selbst gegen den Willen des Konvents hätte erfolgen können.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abtei gibt es neben der Verschiebung in der Hierarchie zunächst keine Veränderung.

Für den Konvent gilt:
In allem hat zukünftig der P. Immediat, Dom Bernardus Peeters aus Tilburg, die Hauptverantwortung. Mit P. Immediat wird der neuernannte Prior, also ich selber, die Verantwortung vor Ort wahrnehmen. Durch die Neuordnung erhalten wir in Mariawald die Möglichkeit, für die älteren Mitbrüder, wenn es die Situation verlangt, durch Hilfe von Dom Bernardus besser zu sorgen. Die jüngeren Mitbrüder haben ausdrücklich den Segen und die wohlwollende Zustimmung des Immediaten, mit mir als Prior den Weg der Tradition weiterzugehen. Auch hier wird Dom Bernardus, wenn es nötig oder gewünscht ist, mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Mariawald bleibt als Abtei erhalten. Durch die zusätzliche Hilfe wird es neuen Kandidaten für das Ordensleben leichter, ihrer Berufung zu folgen.

Alle Freunde der Abtei bitte ich, die Neuorientierung als Maßnahme für eine besser gesicherte Zukunft unserer geliebten Abtei zu begrüßen und durch ihr Gebet zu begleiten.

Ich danke besonders allen, die uns in diesen Tagen im Gebet begleitet haben, und wünsche Ihnen allen den reichen Segen des dreifaltigen Gottes und die Fürsprache der Schmerzhaften Gottesmutter, der Patronin von Mariawald.

Mariawald, den 25.10.2016

fr. M. Josef Vollberg, OCSO
Abt von Mariawald

Soweit die offizielle Stellungnahme des Klosters.

Seit neun Jahren ist Wolfgang Nowak Leiter der Klosterbetriebe der Abtei Mariawald. Er versteht sich als Bindeglied zwischen der jahrhundertealten Klostertradition der schweigenden Mönche und den zusätzlichen wirtschaftlichen Herausforderungen eines modern geführten Tourismusbetriebes, denn die idyllische Lage des Trappisten-Klosters ist seit Jahrzehnten Anziehungspunkt für viele Menschen: Ein Ort der Einkehr – im doppelten Sinne des Wortes.

Unzählige Besucher finden hier, in der Stille des Klosters Stärkung für ihren Glauben. Manche der männlichen Gäste gehen anschließend in Klausur, um hinter den Klostermauern gemeinsam mit den Mönchen für einige Tage die Liturgie zu feiern. Doch nur wenige Schritte weiter sprudelt das touristische Leben. In der Kloster-Gaststätte stärken sich Wanderer – ganz profan – mit einer Portion der deftigen Erbsensuppe für ihre nächste Etappe durch den Nationalpark Eifel. Auch die angegliederte Klosterbuchhandlung spiegelt diesen Spagat zwischen religiösen und weltlichen Aufgaben wider: Hier sind sowohl Rosenkränze und Devotionalien, als auch Wanderkarten und aktuelle Bestseller erhältlich.

Gerüchten, dass das Kloster Mariawald bereits aus den Niederlanden finanziell unterstützt werde, widerspricht Nowak: „Das ist so nicht richtig. Wirtschaftlich geht es uns gut.“ Allerdings räumt er ein, dass auch die schweigenden Mönche von Mariawald – wie der Rest der Bevölkerung – in die Jahre kommen. Viele der Brüder, die nach dem Zweiten Weltkrieg durch unermüdlichen Fleiß das Kloster gemeinsam wieder aufbauten, seien inzwischen verstorben. Lang- bis mittelfristig gebe es sicherlich weitere Mönche, die im Alter demnächst pflegerisch versorgt werden müssten.

Im Gegenzug dazu kämen aber auch viele junge Menschen, die sich für ein geschütztes Leben hinter den Klostermauern interessieren, um ihren Glauben in einem monastischen Leben in Gebet und Arbeit verwirklichen zu können. „In den vergangenen neun Jahren habe ich viele junge Leute kommen und gehen sehen“, schildert Wolfgang Nowak und ist sich sicher, dass für alle Hospitanten die Zeit im Kloster Mariawald eine wertvolle Erfahrung war. Einer dieser Hoffnungsträger, die gekommen sind, um zu bleiben, ist Bruder Raphael. Durch seine „zeitliche Profess“ bereits eingekleidet wie die traditionellen Mariawalder Mönche, setzt er sich tatkräftig für den Fortbestand des Klosters ein. 2017 soll die „ewige Profess“ folgen.

Alt-Bürgermeister Hans-Günter Pütz, Vereinsvorsitzender der Freunde und Förderer der Heimbacher Wallfahrt: „Dieser Schritt, den Abt Vollberg jetzt gemacht hat, ist nur zu bewundern. Jede Überlegung, die darauf hinausläuft, den Fortbestand des Klosters zu gewährleisten, müssen wir begrüßen.“

Wolfgang Nowak betrachtet die Entscheidung als „Chance für einen Neuanfang“. Dadurch werde ihnen der Rücken freigehalten, um sich auf Reformen zu konzentrieren. Durch die Zusammenarbeit müsse sich Abt Josef Vollberg nicht mehr mit den „Tagesproblemen“ herumplagen, sondern könne die Zukunft des Klosters aufbauen. „Sonst hätte beim Generalkapitel der Trappisten in Assisi im kommenden Jahr die Schließung der Abtei Mariawald von höherer Stelle aus vom Schreibtisch her beschlossen werden können.“ Weltweit gebe es viele „schwache Konvente und Klöster“, die wegen Überalterung der Glaubensgemeinschaft vor großen Herausforderungen stehen. Egal, ob in Afrika, Irland oder Spanien. Diese Tatsache lasse sich nicht wegdiskutieren.

„Es tut mir sehr, sehr leid um Abt Vollberg“, präzisiert der Heimbacher Helmut Breuer, der seit Kindertagen mit dem Kloster Mariawald vertraut ist, sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich engagiert und als absoluter Kenner der Kloster-Historie gilt. „Das hat es in der Klostergeschichte noch nicht gegeben“, versichert er und fügt hinzu: „Aber das ist die beste Entscheidung, damit die Abtei erhalten bleibt.“

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Wolfgang Nowak (l.), Abt Josef Vollberg (Mitte) und Hubert vom Venn. [Archivfoto: bwp]

Natürlich ist das Kloster heute auch auf seine weltlichen Besucher angewiesen. „Wir sind vom Tourismus abhängig und somit von den Entscheidungen der Politik“, appelliert Nowak. Als der idyllische Rursee 2013 in ein Rückhaltebecken eines Pumpspeicherwerks umgewandelt werden sollte, setzte sich selbst Abt Josef Vollberg vehement für den Erhalt des Naherholungsgebietes ein.

„Mariawald ist das spirituelle Zentrum unserer Gemeinde“, formuliert Heimbachs Bürgermeister Peter Cremer. „Gerne nutze ich persönlich hin und wieder die Stille der Klosterkirche um ‚einzukehren‘. Daneben ist Mariawald natürlich auch ein touristisches Highlight in der ganzen Region. Hoffen wir, dass uns alles noch lange erhalten bleibt.“

4.11.2016LebenHeimbach, Mariawald0 Kommentare bwp

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