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Vor der Abfahrt gestrandet. [Foto: bwp]

Reisefrust statt Reiselust: Von einer, die auszog, das Fürchten zu lernen

Eifel: Alles scheint perfekt für diese spontane Städtetour nach Wien. Ein günstiges Ticket und viel Lektüre für die Nachtfahrt liegen griffbereit im Koffer… Der Sitzplatz im Wagen 251 ist reserviert… Also Vorfreude pur. Endlich mal wieder Wien!

Liebe Freunde fahren mich von Vlatten zum Dürener Bahnhof. Passgenau startet die S-Bahn nach Köln und im Sonnenuntergang spiegeln sich die Silhouetten der vorüberrauschenden Landschaft in den Zugfenstern. Vorfreude. Elf Minuten, um in Köln ans andere Gleis zu kommen. Das reicht – selbst bei kleiner Verspätung. Erst 21.21 Uhr soll der Zug nach Wien starten. Oben am Bahnsteig erwartet mich eine Kakophonie von Durchsagen: „Vorsicht, Zug fährt ein!“… „Bitte einsteigen!“… Gewisper… Geflüster… Abschiedsküsse und stille Tränen. Ich freue mich auf Wien. Plötzlich werde ich hellhörig, filtere eine Botschaft aus dem dumpfen Mischmasch der verschachtelten Bahnsteig-Informationen: „Wegen Unwetter fällt der Zug nach Wien aus.“ Zwar sind die Bahnsteige im „Hillije Kölle“ überdacht, aber diese Botschaft wirkt wie eine kalte Dusche.

Und jetzt? Ich gehe auf die Suche nach einem Bahnbeamten. Das gläserne Büro auf dem Bahnsteig ist zur Zeit aber nicht besetzt. Erst beim zweiten Anlauf gelingt es, einen Ansprechpartner zu finden. Ein älterer, missgelaunter Bahnmitarbeiter fühlt sich offensichtlich allein durch meine Frage, wie es denn jetzt weitergehen soll, überfordert. Er knurrt mich an, verweist mich des Raumes, aber findet nach etwas Bedenkzeit zumindest einen Stift, um mir einen alternativen Zug via Wien anzubieten: Der startet gut eine Stunde später, Umsteigen in München, eventuell Schienenersatzverkehr. Zudem schreibt er mir eine Hotline-Nummer in Österreich auf, unter der ich Näheres erfahren könne. Natürlich auf meine Kosten!

Ich koche innerlich und begebe mich auf die Suche nach weiterer Information. Eher durch Zufall treffe ich auf einen uniformierten Bahnmitarbeiter, der mich mit seinem Kapperl sehr an Aloysius erinnert. Kennen Sie diesen wunderbaren Film „Ein Münchner im Himmel“? Jener Kölner Aloysius bestätigt die Zugdaten, die der unwirsche Kollege auf einem abgerissen Zettel notiert hat und empfiehlt mir, eine Platzkarte für den Ersatzzug zu lösen. Es könne dort in dem Zug sehr eng werden…

Mein Ziel Wien immer noch im Fokus, mache ich mich also auf zum nächsten Ticket-Automaten. Dort soll ich angeblich eine Platzkarte ziehen können, doch auch das funktioniert nicht. Das Fahrkartenangebot reicht in alle Destinationen – deutschland- und europaweit, aber eine Reservierung von Platzkarten ist wohl offensichtlich nur in Kombination mit dem Kauf eines Tickets verbunden. Mit meinem Trolli rattere ich weiter – auf der Suche nach Auskunft. Das vertraute Reiseinformationszentrum hat natürlich längst geschlossen.

Also rufe ich – innerlich brodelt’s mittlerweile heftiger – die österreichische Servicenummer an. Prompt lande ich in der Warteschleife: „ÖBB, wir nehmen uns Zeit für Sie! Derzeit sind alle unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den Anliegen unserer Kunden beschäftigt. Die nächste freie Leitung ist für Sie reserviert“, höre ich in Dauerschleife aus meinem Handy. Müsste es nicht eher heißen: „Ich nehme mir Zeit für die Österreichische Bundesbahn?“, schießt mir durch den Kopf. Dann tingelt wieder Kling-Klang-Musik, die passender nicht sein könnte. „Here we are, here we stay“, lautet einer der Titel. Äußerst passend! Dann folgt ein Song mit den Kernzeilen „Two of us will talk, think fair, move me.“ Oh ja! Move me!

Nach einer gefühlten Ewigkeit klappt die Verbindung. Um den Ersatzzug nutzen zu können, erfahre ich durch das „Fräulein von der Bahn“ soll ich mir allerdings ein neues Ticket kaufen. Der Preis werde selbstverständlich – nach Übersendung sämtlicher Unterlagen – zurückerstattet…

Jetzt reicht’s. Ich trolle mich weiter zum Infostand im Erdgeschoss des Bahnhofs. Hier stehen die ratsuchenden Fahrgäste Schlange, doch ein charmanter Mitarbeiter nimmt sich – quasi nebenbei – meines Problems an. Mit wenigen Worten bestätigt er per Kuli auf meinem ausgedruckten Ticktet, dass der gebuchte Zug ausgefallen ist und für meine Fahrkarte keine Zugbindung mehr besteht. Stempel drauf. Passt. Dringend rät er mir allerdings davon ab, heute noch einen erneuen Anlauf nach Wien zu unternehmen… Unwetter… Schienenersatzverkehr… und… und… und…

„Und wie komme ich jetzt in die Eifel zurück? Ich kaufe garantiert kein neues Ticket“, betone ich. Noch ein Stempel, noch eine Bestätigung: „Ticket gültig zur Rückfahrt nach Düren“. Einen Verzehrgutschein der Deutschen Bahn im Wert von zwei Euro gibt’s obendrauf. Im Schatten des Doms rufe ich die netten Freunde an, die mich vor gut einer Stunde zum Dürener Bahnhof gebracht haben…

Einen Tag später gelingt der erneute Anlauf, per Bahn nach Wien zu kommen – mit vielen interessanten Begegnungen während der zwölfstündigen Nachtfahrt. Der Verzehrgutschein der Deutschen Bahn im Wert von zwei Euro ist übrigens bis zum 31. Dezember 2017 gültig. Ich werde ihn in der Brieftasche behalten – fürs nächste Zugabenteuer.

1.9.2017Leben, GlosseEifel0 Kommentare bwp

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