"Viele kleine Dinge wurden durch die richtige Art von Werbung groß gemacht."

Mark Twain
EIFELON weiterempfehlen

Wir informieren die Eifel

unabhängig. überparteilich. unbezahlbar.

neue Kommentare
0
Absolut spannende Arbeiten gibt es bei der 57. Werkschau zu entdecken. [Fotos: bwp]

57. Werkschau in der Internationalen Kunstakademie Heimbach

Heimbach: Einen repräsentativen Querschnitt durch die künstlerische Arbeit in den Ateliers von Burg Hengebach bietet momentan die 57. Werkschau, die vergangenes Wochenende unter großem Publikumsinteresse eröffnet wurde.

In den vergangenen Wochen und Monaten seien die Kurse der Internationalen Kunstakademie Heimbach (IKAH) gefragt wie nie zuvor. „Teilweise laufen drei Kurse parallel“, erläutert Akademieleiter Professor Frank Günter Zehnder. Waren es zuvor meist ältere, gut situierte Teilnehmer, die ihre eigene Kreativität erproben und ausleben wollen, kommen – laut Zehnder – zunehmend jüngere Kursteilnehmer. „Mittlerweile mischt es sich sehr stark“, fügt er zufrieden hinzu und erzählt von einem jungen Workshop-Teilnehmer, der eigens für einen „Mappenkurs“ aus Mönchengladbach angereist sei. „Qualität spricht sich rum“, meint er mit einem stillen Lächeln.

Eine ganz eigenwillige Interpretation des Kurs-Mottos „Von der Farbe mitreißen lassen“ gestaltete Peter Reul im Workshop der Malerin MAF Räderscheidt. Unter dem Titel „Liberté, fraternité, bunt!“ formte er eine bunt bemalte Leinwand zu einer überdimensionalen Fahne, die sich – zwischen zwei Stöcken fixiert – im Wind zu drehen scheint.

Die satirisch angehauchte Zeichnung „Vollmond“ von Christa Oberbrenner lässt die Besucher vergnügt schmunzeln. Mit wenigen Strichen zauberte sie – spärlich koloriert – eine gaffende Menge aufs Papier, die – den Kopf tief die Nacken gelegt – das Himmelsphänomen betrachtet. Die qualmende Zigarette im Mund und den Hund an der Leine… Dieser Minimalismus erinnert an Kinderbuch-Illustrationen von Walter Trier zu Erich Kästners Buch „Konferenz der Tiere“. Ein flüchtig-zarter Hingucker.

Die polnische Künstlerin und Dozentin Wieslwawa Stachel ist bekannt für ihren, manchmal grellen, geometrisch-klaren Ausdrucksstil. Die künstlerischen Anregungen der Dozenten werden von den Kursteilnehmern allerdings mit eigener Fantasie in die Tat umgesetzt – oft völlig konträr zum Stil der Workshop-Leiter. Beeindruckend deshalb die Malstudien, die Brigitte Förster aufs Papier brachte. Auf zwei Blättern zeichnete sie farbige Glasflaschen – in sanften Blau-, Grün- und Lilatönen. Eine klassisch-schlichte Studie.

Vorbild war Nottis Tochter Valentina. [Foto: bwp]

Gedankenversunken verharren die meisten Ausstellungsbesucher vor einem zart modellierten Kinderkopf, der mitten im Raum auf einer Säule steht. „Blumenmädchen“ – ein aus Ton entzückend modellierter Kinderkopf von Francesco Notti. Mit leicht geöffneten Mund blickt das kleine Mädchen mit rosenverziertem Hut staunend in die Welt. In der ebenmäßigen Perfektion erinnert dieses Kinderköpfchen an Fayencen aus dem 18. Jahrhundert.

Auch ich bin fasziniert, kann den Blick kaum abwenden. Das versonnene Staunen dieses kleinen Kindes zieht all meine Aufmerksamkeit auf sich. Wer ist Francesco Notti, der diese Skulptur gefertigt hat? Ich frage mich durch und bekomme letztendlich seine Telefonnummer für ein EIFELON-Interview.

Francesco Notti, der seit seinem dritten Lebensjahr hier in der Region lebt, erzählt voller Begeisterung. Bei dieser Arbeit habe er an seine dreieinhalbjährige Tochter Valentina gedacht und innerhalb von fünf, sechs Stunden seine Gefühle aus dem großen Batzen Ton herausgearbeitet. „Das ist kein Ebenbild“, meint der 44-Jährige. „Das sind meine Emotionen.“

Inspiriert von dem französischen Bildhauer Auguste Rodin habe er angefangen zu modellieren. Seinen ersten, ausdrucksstarken Kopf habe er dem Kölner Prälaten Sauerborn geschenkt, meint der Süditaliener. „Der steht nun in seinem Büro“, erwähnt er nicht ohne Stolz. „Altmeisterliche Techniken liegen mir mehr als die Moderne“, umschreibt Notti, der lange Jahre in der Gastronomie arbeitete und nun in einer Fabrik den Lebensunterhalt verdient, seine eigene Kreativität. „Arbeit ist Mittel zum Zweck“, sagt er beherzt, denn die nächsten Kunstkurse sind schon geplant. Bei dem Heimbacher Workshop von Monika Otto habe er einfach versucht, in der Masse Ton den Ausdruck zu finden. Es ist ihm gelungen.

Die kostenlose Ausstellung ist bis zum 9. Dezember montags bis freitags jeweils von 10.00 bis 16.00 Uhr geöffnet. An den Wochenenden können Einheimische, Wanderer und Touristen sich von 14.00 bis 17.00 Uhr die gelungenen Exponate anschauen.
9.11.2018KulturHeimbach0 Kommentare bwp

Bisher 0 Kommentare
Kommentar schreiben

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Beitrag. Schreiben Sie den Ersten.

Einen neuen Kommentar schreiben

Um einen neuen Komentar zu schreiben, melden Sie sich bitte mit ihrem Benutzernamen und Passwort an. Wenn Sie noch keinen EIFELON-Account haben, können Sie sich kostenlos und unverbindlich registrieren.


  1. *Ihre eMail-Adresse wird nicht veröffentlicht
  2. Ein Passwort wird Ihnen an Ihre eMail-Adresse zugeschickt, Sie können es anschließend in Ihrem Benutzerberich leicht ändern.
  3. Den Button zur Registrierung finden Sie unter unserern folgenden Richtlinien:
Die Richtlinien für die Nutzung der EIFELON Diskussionsplattform
Die Benutzer bestätigen/akzeptieren mit ihrer Anmeldung unsere Richtlinien. Falls es im Nachhinein noch Änderungen an den Richtlinien gibt, werden die User beim nächsten Einloggen aufgefordert, die Richtlinien erneut zu bestätigen: Wir bieten Ihnen hier eine Plattform für sachliche und konstruktive Diskussionen. Um dies zu gewährleisten, behält sich die Redaktion vor, Kommentare nicht zu veröffentlichen, die einer sachlichen Diskussion nicht förderlich sind. Wir bitten Sie daher, durch die Einhaltung unserer Richtlinien zu einem freundlichen Gesprächsklima beizutragen.
1. Gegenseitiger Respekt
Bitte behandeln sie andere Nutzer so, wie Sie selbst behandelt werden möchten. Zeigen Sie Toleranz gegenüber anderen Meinungen und verzichten Sie auf persönliche Angriffe und Provokationen.
Selbstverständlich werden Kommentare, die ehrverletzend, beleidigend, rassistisch, pornografisch oder auf andere Weise strafbar sind, nicht freigeschaltet.
2. Wortwahl und Formulierung
Sachliche Argumentation ist die Basis für eine konstruktive Diskussionskultur. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihren Kommentar vor dem Abschicken zu überprüfen. Habe ich den richtigen Ton getroffen? Könnten meine Formulierungen Missverständnisse hervorrufen?
3. Benutzernamen
Diese genannten Richtlinien gelten auch für die Verwendung von Benutzernamen.
4. Quellenangaben und Verlinkungen
Wenn Sie Zitate verwenden, verweisen Sie bitte auf die Quelle und erläutern Sie deren Bezug zum Thema.
5. Zeichenbegrenzung
Die Länge eines Kommentars ist auf 1000 Zeichen zu begrenzen, um eine Moderation in einem adäquaten Zeitrahmen zu gewährleisten. Mehrteilige Beiträge können daher leider nicht berücksichtigt werden.
Bitte sehen Sie davon ab, denselben oder einen sehr ähnlichen Kommentar mehrmals abzuschicken.
6. Werbung
Die Nutzung der Kommentarfunktion zu kommerziellen Zwecken ist nicht erlaubt. Inhalte gewerblichen oder werbenden Charakters werden nicht freigeschaltet. Gleiches gilt für politische Aufrufe aller Art.
7. Sonstige Hinweise
Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung eines Kommentars. Beiträge, die sich als falsch oder unwahr herausstellen, können auch im Nachhinein noch gelöscht werden. Sollten Sie auf Beiträge stoßen, die gegen die Richtlinien verstoßen, machen Sie die Moderation bitte darauf aufmerksam. Schicken Sie einfach den Link des betreffenden Kommentars mit einer kurzen Erläuterung an redaktion@eifelon.de. Bei wiederholten oder besonders schweren Verstößen gegen diese Richtlinien behalten wir uns einen Ausschluss einzelner User vor.


zurück zur Startseite