"Viele kleine Dinge wurden durch die richtige Art von Werbung groß gemacht."

Mark Twain
EIFELON weiterempfehlen

Wir informieren die Eifel

unabhängig. überparteilich. unbezahlbar.

neue Kommentare
0
Dieses 42 Zentimeter lange (Jagd-)Messer wurde im Hambacher Forst entdeckt. [Foto: Jürgen Vogel]

Jahrestagung „Archäologie im Rheinland“: Spektakuläre Ausgrabungen, Forschungen und Funde 2018

Umland, Bonn: Rund 450 Fachleute trafen sich im Bonner LandesMuseum zum 15. archäologischen Jahresrückblick. Bei weit über 500 Grabungsmaßnahmen konnte 2018 eine Fülle von verborgenen Relikten der Vergangenheit entdeckt und erforscht werden. Archäologen und Paläontologen präsentierten dem Fachpublikum in zahlreichen Vorträgen ihre neuesten Forschungsergebnisse. „2018 war ein Rekordjahr an Funden“, sind sich die Fachleute einig. Eine Vielzahl von herausragenden Funden des vergangenen Jahres ist nun auch für interessierte Museumsbesucher in einer Sonderausstellung zu sehen. Die kostbaren Relikte aus der Vergangenheit füllen acht große Glasvitrinen und werden auf vier weiteren Sockeln unter einer Glashaube präsentiert.

Schon mehrfach schien das bislang größte früheisenzeitliche Gräberfeld des Rheinlands im Indener Tagebau sein Ende erreicht zu haben, doch immer weiter kommen Bestattungen zutage: 900 Gräber bislang, darunter rund 140 Kreisgräben und Langhügel einstiger Hügelgräber. Der zeitliche Rahmen reicht mit einem neu entdeckten, noch bronzezeitlichen Grab vom 12. bis zum 5. Jahrhundert v. Chr. Unter den herausragenden Urnenbestattungen mit wertvollen Schmuckbeigaben enthielten zwei Gräber sogar eine identische Schmuckkombination aus bronzenem Hals- und Armring sowie einer Glasperle.

Silberne Fibeln aus einem Zülpicher Brandgrab. [Foto: Jürgen Vogel]

Sensationell waren Grabfunde, die in Zülpich zutagekamen. Neben einem Sarkophag mit der Bestattung einer jungen Frau mit kostbaren, sehr persönlichen Besitztümern (EIFELON berichtete) fanden sich zwei reich ausgestattete Brandgräber (busta) des 2. Jahrhunderts. Einige der Beigaben hatte man auf dem Scheiterhaufen mit verbrannt, doch die erhaltenen Reste belegen verzierte Möbel, Glasgefäße für Parfum und Duftöle, Speisereste, u. a. von Fisch und Schwein, und in einem der beiden Gräber zwei Münzen. Die unverbrannten Geschirrsätze aus Keramikgefäßen stammen möglicherweise vom Leichenschmaus am Grab.
In separaten Beigabennischen standen Gefäße, darunter kostbare aus Glas: Flaschen, Teller, Becher und Schalen. Eines der beiden Gräber enthielt zudem ein Öllämpchen, ein Döschen (Pyxis) aus Bein, einen Bernsteinring mit einer figürlichen Verzierung in Form eines ruhenden Fuchses sowie zwei silberne, sogenannte einfache gallische Fibeln. Letztere sind vielleicht Erbstücke, da sie deutlich älter sind als das übrige Inventar.

Bergkristall-Cabochon aus dem Hochmittelalter, 950–1250 n. Chr. [Foto: Jürgen Vogel]

Dass bereits vor 2.000 Jahren Bergbau in der rheinischen Region eine große Rolle spielte, belegt ein sensationeller Fund in Königswinter-Rennerscheid. Durch Sturmschäden mit folgenden Ausgrabungen kam es zu neuen Entdeckungen im dortigen Montanrevier. In der Region wurde intensiv nach Silber, Blei- und Zinkerzen, aber auch Gangquarz, also Bergkristall, gegraben. Neufunde wie ein 45 Kilo schwerer, fladenförmiger Bleibarren bezeugen einen Abbau bereits im 1. Jahrhundert v. Chr. und auch in der Zeit um Christi Geburt ist intensiver Bergbau nachgewiesen.
Aus der mittelalterlichen Abbauphase stellt ein so genannter „Cabochon“, ein oval geschliffener Bergkristall, einen besonderen Fund dar. Um 1800 nahm man nach einer längeren Unterbrechung den Abbau für etwa 70 Jahre wieder auf, bis das Bergbaugebiet endgültig aufgegeben wurde.

Fundort Jülich: Nachgeprägte silberne Münzen. [Foto:  Jürgen Vogel]

Gleich zwei Münzschätze entdeckten lizensierte Sondengänger und meldeten sie gesetzesgemäß dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland: Der Hort aus Jülich besteht aus 507 Silbermünzen des späten 3. Jahrhunderts, die wahrscheinlich illegal hergestellt wurden. Der bei Feldarbeiten zerpflügte Münzhort aus Mönchengladbach-Rheindahlen umfasst nach weiteren Untersuchungen durch das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege mittlerweile mehr als 1.300 kleine Kupfermünzen aus dem 4. und beginnenden 5. Jahrhunderts. Dieser Münzschatz entsprach damals jedoch nur einem Landarbeiterlohn von mehreren Tagen. Zudem gelang es dort, einen Pfostenbau und mehrere Gruben freizulegen, dabei fand sich auch eine Merkurstatuette.
Warum die jeweiligen Besitzer ihr Geld versteckten, kann nur gemutmaßt werden. Naheliegend ist ein Zusammenhang mit unruhigen Zeiten – bergen konnten sie es nicht mehr.

Römische Bronzekanne. [Foto: Jürgen Vogel]

Dramatische Ereignisse fanden wohl auch im römischen Gutshof, der „villa rustica“ von Kerpen-Manheim im Hambacher Tagebau-Revier statt. Dort entdeckten Archäologen in einem Brunnen neben Bauschutt und Keramik etwas Unerwartetes: Eine Bronzekanne des gehobenen Tafelgeschirrs, aber auch die Skelettreste eines jungen Mannes. Trotz seines Alters von erst 21 bis 25 Jahren wies er starke Abnutzungsspuren an einem Lendenwirbel und am Ellbogengelenk auf, die eine starke körperliche Belastung anzeigen. Zudem litt er an einer chronischen Nasen- und Stirnhöhlenentzündung. Ob er gewaltsam zu Tode kam, ließ sich am erhaltenen Skelettmaterial leider nicht mehr feststellen.

Aufgrund der Datierung der Brunnenfunde ist ein Zusammenhang mit der Krise des Römischen Reiches in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts wahrscheinlich – einer Phase mit inneren Revolten und äußerer Bedrohung durch einfallende Germanen.

Ungewöhnlich sind ebenfalls ein hochmittelalterliches Schwert und ein frühneuzeitliches Messer von zwei Fundorten aus dem Hambacher Forst. Die beiden Waffen fernab von Siedlungsstellen sind vermutlich im Zusammenhang mit der Jagd zu sehen, einem wichtigen Aspekt der Waldnutzung durch den Adel. Dieser Zeitvertreib war ein bis in die frühe Neuzeit verbrieftes Privileg dieses Standes. Unter welchen Umständen diese wertvollen Blankwaffen verloren gingen, ist unklar. Denkbar sind schwere Jagdunfälle.

Präsentation der Funde

Im Anschluss an das zweitägige Archäologen-Treffen sind die herausragenden Fundstücke des Jahres 2018 noch bis zum 18. März im Bonner LandesMuseum, Colmantstr. 14-16, 53115 Bonn, zu sehen.
Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag und Sonntag 11.00 – 18.00 Uhr, Samstag 13.00 – 18.00 Uhr. Weiberfastnacht, den 28. Februar, bleibt das LandesMuseum geschlossen.

7.2.2019KulturUmland, Bonn0 Kommentare bwp

Bisher 0 Kommentare
Kommentar schreiben

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Beitrag. Schreiben Sie den Ersten.

Einen neuen Kommentar schreiben

Um einen neuen Komentar zu schreiben, melden Sie sich bitte mit ihrem Benutzernamen und Passwort an. Wenn Sie noch keinen EIFELON-Account haben, können Sie sich kostenlos und unverbindlich registrieren.


  1. *Ihre eMail-Adresse wird nicht veröffentlicht
  2. Ein Passwort wird Ihnen an Ihre eMail-Adresse zugeschickt, Sie können es anschließend in Ihrem Benutzerberich leicht ändern.
  3. Den Button zur Registrierung finden Sie unter unserern folgenden Richtlinien:
Die Richtlinien für die Nutzung der EIFELON Diskussionsplattform
Die Benutzer bestätigen/akzeptieren mit ihrer Anmeldung unsere Richtlinien. Falls es im Nachhinein noch Änderungen an den Richtlinien gibt, werden die User beim nächsten Einloggen aufgefordert, die Richtlinien erneut zu bestätigen: Wir bieten Ihnen hier eine Plattform für sachliche und konstruktive Diskussionen. Um dies zu gewährleisten, behält sich die Redaktion vor, Kommentare nicht zu veröffentlichen, die einer sachlichen Diskussion nicht förderlich sind. Wir bitten Sie daher, durch die Einhaltung unserer Richtlinien zu einem freundlichen Gesprächsklima beizutragen.
1. Gegenseitiger Respekt
Bitte behandeln sie andere Nutzer so, wie Sie selbst behandelt werden möchten. Zeigen Sie Toleranz gegenüber anderen Meinungen und verzichten Sie auf persönliche Angriffe und Provokationen.
Selbstverständlich werden Kommentare, die ehrverletzend, beleidigend, rassistisch, pornografisch oder auf andere Weise strafbar sind, nicht freigeschaltet.
2. Wortwahl und Formulierung
Sachliche Argumentation ist die Basis für eine konstruktive Diskussionskultur. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihren Kommentar vor dem Abschicken zu überprüfen. Habe ich den richtigen Ton getroffen? Könnten meine Formulierungen Missverständnisse hervorrufen?
3. Benutzernamen
Diese genannten Richtlinien gelten auch für die Verwendung von Benutzernamen.
4. Quellenangaben und Verlinkungen
Wenn Sie Zitate verwenden, verweisen Sie bitte auf die Quelle und erläutern Sie deren Bezug zum Thema.
5. Zeichenbegrenzung
Die Länge eines Kommentars ist auf 1000 Zeichen zu begrenzen, um eine Moderation in einem adäquaten Zeitrahmen zu gewährleisten. Mehrteilige Beiträge können daher leider nicht berücksichtigt werden.
Bitte sehen Sie davon ab, denselben oder einen sehr ähnlichen Kommentar mehrmals abzuschicken.
6. Werbung
Die Nutzung der Kommentarfunktion zu kommerziellen Zwecken ist nicht erlaubt. Inhalte gewerblichen oder werbenden Charakters werden nicht freigeschaltet. Gleiches gilt für politische Aufrufe aller Art.
7. Sonstige Hinweise
Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung eines Kommentars. Beiträge, die sich als falsch oder unwahr herausstellen, können auch im Nachhinein noch gelöscht werden. Sollten Sie auf Beiträge stoßen, die gegen die Richtlinien verstoßen, machen Sie die Moderation bitte darauf aufmerksam. Schicken Sie einfach den Link des betreffenden Kommentars mit einer kurzen Erläuterung an redaktion@eifelon.de. Bei wiederholten oder besonders schweren Verstößen gegen diese Richtlinien behalten wir uns einen Ausschluss einzelner User vor.


zurück zur Startseite