"Viele kleine Dinge wurden durch die richtige Art von Werbung groß gemacht."

Mark Twain
EIFELON weiterempfehlen

Wir informieren die Eifel

unabhängig. überparteilich. unbezahlbar.

neue Kommentare
0
Kloster Mariawald verträumt im Schnee. [Foto: pg]

Kloster Mariawald: Seit Anfang des Jahres sind Führungen durch den ehemaligen Klausurbereich der Mönche möglich

Heimbach, Mariawald: Das Gebäude atmet Stille. Selbstversunken ruht das Gemäuer im stetig fallenden Schnee. Die Zeit scheint stehengeblieben zu sein. Wie in einem Historien-Film, bei dem jemand mal kurz auf „Pause“ gedrückt hat. Das Standbild verharrt einen Moment regungslos. Zeit, sich intensiv hineinzuversetzen, jedes kleinste Detail betrachten zu können. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft.

Auf dem verschneiten Weg vom Parkplatz zur Kloster-Pforte fällt auf: Der Pfad zur Kirche ist – selbst bei diesem widrigen Wetter – bereits von vielen Füßen Schritt für Schritt gebahnt worden.

Nach einem feierlichen Gottesdienst am 15. September verließen die letzen Mönche ihr Mariawalder Refugium. Die Zeit steht seitdem still. Der Kalender im Besucherraum zeigt noch den 19. Juli 2018 an. Im Kreuzgang steht in einer Fensternische die handschriftliche Mitteilung, dass Pater Pius am 23. Mai um 15.00 Uhr verstorben ist. Einige Schritte weiter erinnert ein hölzerner Karren daran, dass die Trappistenmönche ohne Sarg beerdigt wurden. Das sei ein Extra-Privileg, das mit dem Land Nordrhein-Westfalen vereinbart wurde. In ihrem weißen Chormantel – “die Farbe Mariens“ erklärt Wolfgang Nowak, Geschäftsführer der weltlichen Belange, – lagen die Verstorbenen drei Tage aufgebahrt und wurden dann auf einem Totenbrett der Erde überantwortet. Bruder Jordan war es damals, der diesen Holzkarren fertigte…

Es berührt zutiefst, dass 30 Tage lang bei allen Mahlzeiten weiterhin für die verstorbenen Mitbrüder der Tisch gedeckt wurde: Ein Brettchen, Blechteller, Besteck und eine Tasse.
Merkwürdigerweise mit zwei Henkeln. Wie eine „Wippe-Dippe-Tasse“ bei kleinen Kindern. Es gibt eine liebevolle Erklärung: „Wir sind alle Kinder Gottes“ soll diese Symbolik verdeutlichen.

In der ehemaligen Klosterküche finden sich die gleichen Trinkgefäße. Manche angeschlagen, teils nur noch mit einem Henkel. Hier drin wurde das Besteck gesammelt. Der große Herd, auf dem die Mönche einst ihre karge, fleischlose Kost kochten. Unwillkürlich fühle ich mich in ein Grimm’sches Märchen versetzt: „Dornröschen“… Alles an seinem Platz, alles flüstert Geschichte und wartet erstarrt darauf, wachgeküsst zu werden.

Es ist kühl. Ich staune über die stille Kargkeit und gleichzeitige Opulenz. Weiß getünchte Altarnischen in der Krypta. Jede mit dem Namen eines Heiligen versehen. Im Beichtstuhl hängt noch eine Stola – so wie der letzte Pater ihn verlassen hat. Glänzende Altarleuchter im Refektorium… altes Leinen… kunstvoll geschneiderte Messgewänder…

Mit Herz und Seele lässt Nowak die Kloster-Historie Revue passieren. Öffnet Türen, gibt ortskundig Blicke frei. Es sind diese kleinen Episoden, die Geschichte nachvollziehbar machen.

Fasziniert tauche ich ein in diese verschwiegene Welt. Die ausgewogene Architektur des ehemaligen Klausurbereichs macht stumm vor Staunen. Filigrane Gewölbedecken – Stein für Stein im 15. Jahrhundert mit dem Zeichen des jeweiligen Steinmetzes signiert… wundervolle Mosaikböden – manche Keramikquadrate rissig und abgetreten, trotzdem voller Farbenfreude. Und dann der kurze Blick ins „Paradies“. So nannten die Mönche den vom Kreuzgang umringten Innenhof des Klosters. Nur eine Tür führte früher hinein zum Brunnen des Atriums, auf den nun lautlos der Schnee rieselt.


„Schweigen fällt oft schwer“, weiß Wolfgang Nowak aus zahlreichen Führungen. So wie bei einer Jugendgruppe, die er ermunterte, nur eine einzige Minute lang nicht zu reden. Rückbesinnung, stille Einkehr.

Wie Phönix aus der Asche, hat sich dieser spirituelle Ort immer wieder „selbst“ erfunden… gefunden… Nach Vertreibungen, Plünderungen oder Bombardement.

„Wir sind einer der größten Arbeitgeber und Steuerzahler in Heimbach“, betont Wolfgang Nowak, der für die florierenden weltlichen Geschicke des Klosters verantwortlich zeichnet. „In den letzten Jahren konnten wir stets Erträge erwirtschaften.“ Doch die weitere Zukunft des Klosters stehe noch in den Sternen. Klar sei jedoch, dass Kloster Mariawald weiterhin ein spiritueller Ort bleiben solle.

Kloster Mariawald. Ein Ort der krassen Gegensätze. Zu Napoleons Zeiten diente die Klosterkirche als Pferdestall. „Zur Blütezeit, vor dem Ersten Weltkrieg, lebten und arbeiteten hier 120 Mönche“, erzählt Nowak. Im Zweiten Weltkrieg war das Kloster Kinderheim, dann Lazarett. Nach dem Krieg wurden von den zurückgekehrten Mönchen auf den Kermeter-Weiden Pferde gezüchtet. Eins dieser grazilen Springpferde schaffte es sogar bis zur Olympiade. Heute grasen im Sommer zwei Kaltblüter vor der charakteristischen Klostermauer – ein beliebtes Fotomotiv für jeden Heimbach-Touristen.

Am Ende seiner Führung sagt Nowak aus vollem Herzen:

Die wirtschaftlichen Betriebe funktionieren und die spirituelle Struktur ist da, dass man weitermachen kann. Die Geschichte von Mariawald geht weiter.“

Ein Zeichen für die andauernde Anziehungskraft des jahrhundertealten Klosters im Kermeter ist die ökumenische „Sternwallfahrt“, die am 15. Juni erstmals nach Mariawald führt.

Führungen durch das 1486 gegründete Kloster Mariawald finden jeweils sonntags um 14.00 Uhr statt. Die Teilnehmerzahl pro Führung ist auf 20 Personen beschränkt. Teilnehmerkarten sind im Klosterladen für 5,00 Euro erhältlich. Zusätzlich können für Gruppen nach Absprache auch Sonderführungen vereinbart werden. Für detaillierte Informationen steht Wolfgang Nowak unter der Telefonnummer 02446 – 950612 zur Verfügung. Der Klosterladen und der Gastronomiebetrieb von Mariawald sind ganzjährig geöffnet.
8.2.2019LebenHeimbach, Mariawald0 Kommentare bwp

Bisher 0 Kommentare
Kommentar schreiben

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Beitrag. Schreiben Sie den Ersten.

Einen neuen Kommentar schreiben

Um einen neuen Komentar zu schreiben, melden Sie sich bitte mit ihrem Benutzernamen und Passwort an. Wenn Sie noch keinen EIFELON-Account haben, können Sie sich kostenlos und unverbindlich registrieren.


  1. *Ihre eMail-Adresse wird nicht veröffentlicht
  2. Ein Passwort wird Ihnen an Ihre eMail-Adresse zugeschickt, Sie können es anschließend in Ihrem Benutzerberich leicht ändern.
  3. Den Button zur Registrierung finden Sie unter unserern folgenden Richtlinien:
Die Richtlinien für die Nutzung der EIFELON Diskussionsplattform
Die Benutzer bestätigen/akzeptieren mit ihrer Anmeldung unsere Richtlinien. Falls es im Nachhinein noch Änderungen an den Richtlinien gibt, werden die User beim nächsten Einloggen aufgefordert, die Richtlinien erneut zu bestätigen: Wir bieten Ihnen hier eine Plattform für sachliche und konstruktive Diskussionen. Um dies zu gewährleisten, behält sich die Redaktion vor, Kommentare nicht zu veröffentlichen, die einer sachlichen Diskussion nicht förderlich sind. Wir bitten Sie daher, durch die Einhaltung unserer Richtlinien zu einem freundlichen Gesprächsklima beizutragen.
1. Gegenseitiger Respekt
Bitte behandeln sie andere Nutzer so, wie Sie selbst behandelt werden möchten. Zeigen Sie Toleranz gegenüber anderen Meinungen und verzichten Sie auf persönliche Angriffe und Provokationen.
Selbstverständlich werden Kommentare, die ehrverletzend, beleidigend, rassistisch, pornografisch oder auf andere Weise strafbar sind, nicht freigeschaltet.
2. Wortwahl und Formulierung
Sachliche Argumentation ist die Basis für eine konstruktive Diskussionskultur. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihren Kommentar vor dem Abschicken zu überprüfen. Habe ich den richtigen Ton getroffen? Könnten meine Formulierungen Missverständnisse hervorrufen?
3. Benutzernamen
Diese genannten Richtlinien gelten auch für die Verwendung von Benutzernamen.
4. Quellenangaben und Verlinkungen
Wenn Sie Zitate verwenden, verweisen Sie bitte auf die Quelle und erläutern Sie deren Bezug zum Thema.
5. Zeichenbegrenzung
Die Länge eines Kommentars ist auf 1000 Zeichen zu begrenzen, um eine Moderation in einem adäquaten Zeitrahmen zu gewährleisten. Mehrteilige Beiträge können daher leider nicht berücksichtigt werden.
Bitte sehen Sie davon ab, denselben oder einen sehr ähnlichen Kommentar mehrmals abzuschicken.
6. Werbung
Die Nutzung der Kommentarfunktion zu kommerziellen Zwecken ist nicht erlaubt. Inhalte gewerblichen oder werbenden Charakters werden nicht freigeschaltet. Gleiches gilt für politische Aufrufe aller Art.
7. Sonstige Hinweise
Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung eines Kommentars. Beiträge, die sich als falsch oder unwahr herausstellen, können auch im Nachhinein noch gelöscht werden. Sollten Sie auf Beiträge stoßen, die gegen die Richtlinien verstoßen, machen Sie die Moderation bitte darauf aufmerksam. Schicken Sie einfach den Link des betreffenden Kommentars mit einer kurzen Erläuterung an redaktion@eifelon.de. Bei wiederholten oder besonders schweren Verstößen gegen diese Richtlinien behalten wir uns einen Ausschluss einzelner User vor.


zurück zur Startseite