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Das Ende eines Höhenfluges. [Fotos: M. Mannebach]

Geschreddert und geopfert: Arterhaltung gegen Klimarettung

Heimbach, Vlatten: Es ist Erntezeit in der Eifel, auf den Wiesen und Feldern die Mähdrescher und Heuwender und über ihnen in der Luft die Greifvögel auf der Suche nach Beute auf den Stoppelfeldern.

Faszinierend die hochsommerlichen Flugmanöver zu beobachten, wenn sich die Rotmilane – Deutschlands inoffizielle Wappenvögel – fast ohne Flügelschlag in den warmen Aufwindzonen in die Höhe schrauben. Die ideale Thermik an den ansteigenden Höhenrücken nutzen die Milane als ‚Segelflieger‘ mit ihren langen Handschwingen und ihrem leichten Körperbau mit großer Perfektion, um mühelos hunderte Meter aufzusteigen. Öfter sind mehrere Tiere, zwei Altvögel und noch gut an der Größe erkennbar, die geschlüpften Jungvögel aus diesem Jahr, zugleich in der Luft.

Windpark Vlatten mit Schlagopfer.

Die Nahrungssuche über den abgeernteten Feldern ist in diesen Tagen im Windpark Heimbach-Vlatten einem Rotmilan zum Verhängnis geworden. Reiter fanden das erschlagene Tier auf einem Stoppelfeld oberhalb von Vlatten.

Das Vlattener Hügelland und das Wollersheimer Stufenländchen sind ein Rotmilan-Hotspot in der Eifel. Im Spätsommer und Frühherbst versammeln sich mehrere Dutzend Tiere in den nahen Schlafbäumen des Vlattener Hügellandes.

Rotmilane werden häufig Schlagopfer von Windanlagen. Bedingt durch ihre Jagdtechnik, haben sie ausschließlich den Erdboden im Blick, um Mäuse oder Hamster zu erspähen. Dabei kollidieren sie mit den Flügeln der Windräder – mit tödlichem Ausgang. Immer mehr der imposanten Greifvögel fallen dem weiträumigen Windradausbau zum Opfer.

Die Naturschutzinitiative e.V. (NI) fordert mehr Schutz für Greifvögel, die durch die Energiewende immer stärker unter die Räder kommen. Die praktizierten Schutzmaßnahmen zeigen gravierende Defizite mit weitreichenden Folgen, vor allem für einheimische, bedrohte und streng geschützte Arten auf.

Dabei sollten Klima- und Naturschutz eigentlich zusammengehören“,

erklärte Roland Dilchert, Ornithologe und Fachbeirat der NI.

Eine aktuell publizierte Studie in der Fachzeitschrift „Biological Conservation“ untersuchte die Auswirkungen von Windenergieanlagen (WEA) auf Seeadler in den wichtigsten Bundesländern ihrer Verbreitung. Dabei verglichen die Autoren die Zusammenhänge zwischen Windraddichte, Habitatqualität und Populationsdichte von Seeadlern in Bezug auf tödliche Kollisionen an den Windrädern.

Grundlage hierfür waren die zwischen 2003 und 2014 tot aufgefunden Adler an Windenergieanlagen und Horsten in den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Brandenburg.

Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass man bei der Windanlagen-Planung nur dann einen effektiven Schutz für Greifvögel gewährleisten könne, wenn neben den pauschalen Abstandsregeln von 1.500 Meter beim Rotmilan und 3.000 Meter beim Seeadler zusätzlich die Kernverbreitungsräume der Greifvögel von Windparks freigehalten werden.

Nur den Abstand zwischen Horst und WEA zugrunde zu legen, sei auch deshalb nur eine Behelfslösung, weil dadurch Nichtbrüter, ohne eine Brutplatzbindung, nicht gezielt geschützt würden. Für diese Aussage gäbe es auch Belege: In Schleswig-Holstein und Brandenburg wurden mehr Kollisionsopfer mit Windanlagen festgestellt, als in Mecklenburg-Vorpommern, obwohl dort  die meisten Seeadler vorkommen. In Meck-Pomm werden aber, zusätzlich zu den Abstandskriterien, großräumig Flächen, sogenannte „Dichtezentren“, von der Windradplanung ausgenommen. Das sei daher der bessere Weg, um diese Arten zu schützen.

Vergleichbare Bedingungen liegen auch beim Rotmilan vor. Der Rotmilan ist eine geschützte Vogelart, dessen größtes Verbreitungsgebiet in Deutschland liegt. Hier leben circa 60 Prozent des weltweiten Bestandes.

Der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) und die Universität Göttingen werteten bis 2015 annähernd 30.000 beringte Rotmilane und 1.500 Tot-Wiederfunde aus. Die im „Journal of Ornithology“ veröffentlichte Analyse belegt eine starke Abnahme von erstjährigen Vögeln. Mehr als 40 Prozent von den siebziger Jahren bis heute.

Die Überlebenswahrscheinlichkeit von Altvögeln sank danach von 1974 bis 2014 in einem beständigen Negativtrend von 0,26 Prozent pro Jahr.

Wenn wir den Natur- und Artenschutz wirklich ernst nehmen, brauchen wir einen sofortigen Ausbaustopp für die Errichtung von Windindustrieanlagen. Der kürzlich vorgestellte UN-Weltbiodiversitätsbericht zum dramatischen Rückgang der Arten hat auf erschreckende Art und Weise deutlich gemacht, dass wir den Schutz der Arten und der Biologischen Vielfalt viel stärker in den Vordergrund stellen müssen. Klimaschutz ohne Natur- und Artenschutz macht keinen Sinn“, so Roland Dilchert

Klimaschutz ist nur ein Teil eines umfassenden Schutzes von Biossphäre und Atmosphäre. Naturschutz, Schutz der Biodiversität, Landschaftsschutz und Klimaschutz müssen jedoch immer zusammengedacht werden. Weitere entscheidende Faktoren für das weltweite Artensterben und für die Klimaveränderung wie die Zerstörung von Lebensräumen, die fortschreitende Versiegelung, die industrielle Landwirtschaft, der Pestizideinsatz, die Rodung von Wäldern, die illegale Jagd, die Überfischung und Verschmutzung der Meere und viele andere Faktoren dürfen nicht länger ignoriert werden. Wer die Biodiversität einseitig dem sogenannten Klimaschutz opfert, handelt verantwortungslos und zerstört unsere Lebensgrundlagen“,

erklärte Harry Neumann, Bundesvorsitzender der Naturschutzinitiative e.V. (NI).

Mehr zum Thema auf EIFELON:

https://eifelon.de/region/toter-rotmilan-gefunden-was-tun.html

26.7.2019NaturHeimbach, Vlatten4 Kommentare cpm

Bisher 4 Kommentare
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  • Ja.
    Wie so oft sehr reißerisch („geschreddert und geopfert“), sowie sehr einseitig berichtet.
    Ja, Windkraftanlagen kosten Vogelleben (wobei es auch aktuelle Studien gibt, das sie um so mehr Vogelleben retten, da sie entsprechend giftige Ausstöße aus Kohlekraftwerken, etc. verhindern)
    Aber wo bleiben die Vergleichszahlen, wie viele Vögel statistisch Windkraftanlagen zum Opfer fallen?
    Dieses sind denn tatsächlich weniger als 0,1%.
    Der wahre „Killler“ (wenn ich mal das reißerische Vokabular aufnehmen darf), sind primär domestiziert Katzen, gefolgt von Kollisionen mit Gebäuden (Verglasung), Fahrzeugen, etc.
    (siehe auch: https://www.statista.com/chart/15195/wind-turbines-are-not-killing-fields-for-birds/)
    Wie wäre es denn in Solidarisierung mit den Vögeln der Erlass eines Gesetzes, das im Umkreis von 5 KM von den oben erwähnten bekannten „Kernverbreitungsgebieten“ ein Haltungsverbot von Hauskatzen regelt?
    Desweiteren die Verwendung von Fensterglas oder Fahrzeugen schneller als 25 km/h?

    • Na klar doch, gemäß einer anderen Studie, dessen Link mir leider entfallen ist, ist bislang noch kein einziger Piepmatz geschweige denn ein Rotmilan auf dem Mond durch eine WEA zu Schaden gekommen.

  • Wenn Ihnen die Terminologie (reißerisch) nicht passt, dann verwenden Sie auch nicht Vergleiche, die hier nicht ziehen. Solange die „Windkraftfreunde“ wie Sie, von „giftigen Ausstößen aus Kohlekraftwerken“ sprechen, sollten Sie sich nicht über eine Terminologie
    wie „geschreddert und geopfert“ beschweren. Solange Sie immer noch behaupten, das konventionelle Kraftwerke durch Windkraftanlagen zu ersetzen sind, sind Ihre Auslassungen nichts als ideologisch verbrämter Unsinn.

  • Kollateralschaden würde der radikale Umweltfanatiker dazu sagen. Kommt in jeden kleinen Scharmützel der Menscheit immer vor.
    Bestimmt gibt es irgendeine Statistik, vielleicht sogar von der Bertelsmannstiftung, die uns sagt das Vogelsterben durch WiRä gut für das Wachstum und den Weltfrieden ist.
    Der brasilianische Präsident Bolsorano hat uns eine Umweltpsychose diagnostiziert…..vielleicht hat er recht.

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