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Zahlen bitte. Eine faktenbasierte Analyse der Energiewende

Eifel: Jahrelang habe ich mich mit einem guten Freund und EIFELON-Autor über die Energiewende gestritten. Wieso kann er nicht verstehen, dass es langfristig kontraproduktiv ist, „versteinertes Sonnenlicht“ zu verbrennen? Das wir was tun müssen?
Sein ewiges „Das bringt nichts, das kann so nicht funktionieren“ oder auch „Durch die Energiewende wird kein CO2 eingespart“ ging mir irgendwann so sehr auf die Nerven, dass ich mir die Zahlen besorgt habe. Ich rechne das alles nach und widerlege ihn dann mit Fakten – so mein Anspruch.
Was soll ich sagen? Ich hasse es, wenn er Recht hat…

Der folgende Text ist das Ergebnis meiner Analyse:


Um weitere vier bis fünf Prozent sollen die Strompreise dieses Jahr steigen, so melden es verschiedene Medien unter Berufung auf Versorger und Vergleichsportale. Schon heute ist der Endkundenstrompreis in Deutschland der höchste in ganz Europa. Energiearmut wird zunehmend zum Problem.

Dass Strom in Deutschland so teuer ist, liegt auch an der Energiewende bzw. der EEG-Subvention, die diese finanziert. Die EEG-Subvention ist für immerhin 23% des Strompreises verantwortlich und steigt konstant an. Durch die EEG-Subvention ergab sich 2016 eine bundesweite Gesamtbelastung von 27,471 Mrd. Euro (Prognose 2018: 32,022 Mrd. €) – oder rund 335€ pro Bürger im Jahr 2016. Zum Vergleich: Der deutsche Bundeshaushalt soll 2019 bei 356 Mrd. € liegen.

Aber: Um den Klimawandel zu verhindern, müssen wir nunmal tief in die Tasche greifen und Opfer bringen, immerhin sparen wir dadurch gewaltige Mengen CO2 ein. Oder?

Wenn man die Zahlen von 2000 bis 2016 genau betrachtet, fällt auf, dass es keine Korrelation zwischen Windradausbau und CO2-Einsparung gibt. In diesem Zeitraum steigt die Anzahl der Windräder um 306%, der Strompreis verdoppelt sich bzw. steigt um 109%, die CO2-Emissionen fluktuieren weitestgehend auf konstantem Level und fallen (über den Gesamtzeitraum) um 6,5%. Im Jahr 2013 bspw. lagen die Emissionen über dem Niveau von 2000 – und das trotz massivstem Ausbau der Windenergie.
Außerdem muss man beachten, dass auch die parallel stattfindende Modernisierung bzw. die Effizienssteigerung des kalorischen Kraftwerk-Parks zur Reduktion der Emissionen in der Stromproduktion beigetragen hat.

Überspitzt könnte man also sagen: Die ab 2007 einsetzende Finanzkrise – und der damit einhergehende (temporäre) Rückgang der Industrieproduktion – hat wesentlich mehr zur Reduktion der CO2-Emission beigetragen, als die Energiewende.

Die Zahlen sind eindeutig: Aber wie kann das sein?

Befürworter der Windkraft werden argumentieren, dass die klassische Energieindustrie durch massiven Lobbyismus verhindert, dass Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, weil sie damit viel Geld verdienen. Und das ist sicher richtig: Natürlich verdient die klassische Energieindustrie viel Geld, natürlich gibt es Lobbyismus der kalorischen Industrie. Genauso wie auch die Windradindustrie viel Geld verdient und durch Lobbyismus ihre Interessen durchzusetzen versucht.

Der Grund aber, wieso Kohlekraftwerke aktuell nicht abgeschaltet werden KÖNNEN, wieso die auf Windrädern basierende Energiewende – im wahrsten Sinne des Wortes – eine Luftnummer ist, ist keine herbeilobbyierte, politische Entscheidung, sondern eine physikalische Notwendigkeit:

Die Dunkelflaute

Unter Dunkelflaute versteht man ein Wetterphänomen, bei dem es – besonders im Winter – windstill ist und Hochnebel herrscht. Dieses mehrere Tage andauernde Wetterphänomen ist nicht örtlich – auf einzelne Regionen – begrenzt, es kann europaweit auftreten. Das bedeutet: Kommt es zu einer Dunkelflaute, stehen deutschland- bzw. europaweit die Windräder still und auch die Solaranlagen liefern fast keinen Strom mehr (siehe hier oder hier). Woher kommt also in einer Dunkelflaute der Strom?

Beispiel einer Dunkelflaute [Grafik: Screenshot von agora-energiewende.de]


„Speicher! Wir brauchen Speicher!“, werden jetzt die Befürworter des Windradausbaus argumentieren. „Dann funktioniert die Energiewende. Endlich.“

Machen wir also ein Rechenbeispiel: Deutschland hat im Jahr 2017 600,2 Terrawattstunden Strom verbraucht. Daraus ergibt sich also ein täglicher Verbrauch von 1,644 Terrawattstunden im Jahresmittel.
(Natürlich ist der Stromverbrauch im Winter höher als im Sommer, belassen wir es für dieses einfache Rechenbeispiel aber bei den Durchschnittswerten.)

Wenn wir nun eine Dunkelflaute von nur fünf Tagen zugrunde legen, brauchen wir also eine Speicherkapazität von 8,221 Terrawattstunden, um den wetterbedingten Ausfall der Erneuerbaren zu kompensieren – um zu verhindern, dass in Deutschland die Lichter ausgehen.

Das ehemals am Rursee geplanten Pumpspeicherwerk sollte bei Baukosten von 1.2 Mrd.€ im Volllastbetrieb 640 Megawatt (= 0.64GW) über einen Zeitraum von sechs Stunden liefern. Das bedeutet: Um 8.221 Gigawattstunden Strom speichern zu können, bräuchten wir 2.141 Pumpspeicherwerke, wie das einst am Rursee geplante! (8.221 / (0,64*6) = 2.141).
Ganz abgesehen davon, dass wir in Deutschland nicht einmal ansatzweise die geographischen Vorraussetzungen für deren Bau hätten, würden sich die Baukosten dieser Anlagen auf 2,569 Billionen (Zweitausendfünfhundertneunundsechzig Milliarden!!!) Euro belaufen. (Zum Vergleich: Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag im Jahr 2017 bei 3,277 Billionen.)

Und diese unvorstellbare Summe für nur fünf Tage Versorgungssicherheit?!? Ausgeschlossen!

Natürlich gibt es auch Lithium-Batterien oder die Idee, Windstrom als Wasserstoff- oder Methangas (Windgas bzw. Power2Gas) im Erdgasnetz zu speichern, aber auch diese Technologien sind von den Kostenfaktoren bzw. den Effizienzgraden leider nicht gangbar. Ganz abgesehen davon, dass keiner dieser Ansätze im großtechnischen Maßstab zur Verfügung steht.
Diese Technologien sind als Insellösungen bzw. Off-The-Grid-Ansätze sicher spannend, die großflächige Versorgungssicherheit einer Industrienation wie Deutschland können sie nicht gewährleisten.

Auch das Stromnetz selbst kann nicht als Speicher funktionieren, selbst wenn ausgewiesene „Energieexperten“ das postulieren. Es ist physikalisch schlicht nicht möglich. Eine Wasserleitung und eine Stromleitung folgen nunmal unterschiedlichen physikalischen Gesetzmäßigkeiten.

Geradezu naiv mutet auch der Vorschlag an, in Zukunft die Akkumulatoren von Elektroautos als Speicherkapazität für schlechte Tage zu verwenden. Bei Windstille dann in Zukunft also entweder Kaffee-Kochen oder zur Arbeit fahren? Und was ist dann mit der verarbeitenden Industrie?

Zusammenfassend kann man sagen: Wir haben keine gangbaren Speichertechnologien und auch kein Konzept, wie diese erreicht werden könnten, ergo können wir unsere Stromproduktion nicht auf 100% erneuerbare Energien umstellen.

Ohne Speicher keine Energiewende, und Speicher sind nicht machbar.

Wir brauchen also immer genügend kalorische Kraftwerksleistung in der Reserve, um den Gesamtbedarf decken zu können, wenn mal kein Wind weht und keine Sonne scheint. Haben wir das nicht, müssen wir großflächige und längerfristige Stromausfälle in Kauf nehmen.

Das aber ist keine Alternative, wenn wir den sozialen Frieden und die wirtschaftliche Prosperität in unserem Land schätzen. Die Zivilisationsdecke (besonders in den großen Städten) ist leider sehr dünn und die funktionierende Stromversorgung ist hier ein stabilisierender Faktor.

Wir bauen gerade mit der Windenergie eine komplette, parallele Stromerzeugungsinfrastruktur auf, ohne auf absehbare Zeit die klassische, kalorische Infrastruktur abschalten zu können. Und ja, die Windräder bilden eine Infrastruktur, die wunderbar funktioniert – sofern der Wind konstant weht. Oder aber auch gar nicht, wenn es die oben geschilderte Dunkelflaute gibt.

Die Energiewende produziert am Markt vorbei.

Schauen wir uns nun noch Stromverbrauch, Stromproduktion und den Export an: Von 2000 bis 2016 stieg der Stromverbrauch in Deutschland um 2,7%, die Stromproduktion im gleichen Zeitraum aber um 12,5%!
Wir steigern also die Produktion viel stärker als den Bedarf, produzieren so am Markt bzw. am Bedarf vorbei. Die Stromproduktion durch Windräder stieg in diesem Zeitraum um 745%!

Betrachten wir also noch den Stromaustauschsaldo bzw. einfacher formuliert das Verhältnis von Import bzw. Export von Strom aus Deutschland: Dieser explodiert von einem Export von 1,3 TWh im Jahr 2001 auf einen Export von 53,7 TWh im Jahr 2016. Eine gewaltige Steigerung um 4.130%! Zum Vergleich: Festland-Windräder produzierten im Jahr 2016 67,6 TWh Strom.

Spannend auch: Vom Jahr 1990 bis 2000 (vor dem Beginn des massiven Windradausbaus in Deutschland) fluktuierte der Stromaustauschsaldo um Null. Mal gab es einen geringen Export, mal einen geringen Import. Der Markt war weitestgehend ausgeglichen.

Deutschland produziert teuren Windradstrom für den Export! Unsere Gesellschaft subventioniert also mit rund 30 Mrd. € pro Jahr die Produktion von Windstrom, der dann ins Ausland exportiert wird. Und das bei zum Teil negativen Preisen – wir bezahlen dafür, dass uns der zuviel produzierte Strom abgenommen wird.

Wir sparen kein CO2 ein, wir produzieren planwirtschaftlich am deutschen Markt vorbei, verteuern den Strom immer weiter und können doch nicht komplett auf die Erneuerbaren umstellen. Wieso also wird der konzeptlose Windrad-Ausbau dann weiter forciert?

Ein gutes Geschäft – für einige Wenige.

Ganz einfach: Er ist lukrativ. Sehr lukrativ. In einem Markt, in dem sich allein die Subventionen auf rund 30 Mrd. € pro Jahr belaufen, verdienen einige Menschen sehr, sehr viel Geld: Produktionsfirmen, Projektierer, Gutachter, Betreiber und auch die Grundstücksbesitzer, die aktuell an windreichen Standorten mit bis zu 100.000€ jährlicher Pacht pro Windrad (!!!) rechnen können, reiben sich die Hände.

Rechtfertigen die guten Geschäfte Weniger massive Nachteile für Viele? Sollen Hausbesitzer starke Wertminderungen ihrer Immobilien in Kauf nehmen, damit Grundstückseigner gewaltige Pachteinnahmen generieren? Ist es sozial gerecht, dass Windradproduzenten Dividenden ausschütten, die mit Energiearmut erkauft sind? Rechtfertigt ein „grünes“ Gewissen gesundheitliche Beeinträchtigungen der Anwohner? Sollen wir ländliche, naturnahe Regionen zerstören, dass in den Städte ein „Öko“-Lifestyle gelebt werden kann? Ist es zielführend, wenn wir Mitwelt und Landschaft – die wir zu retten vorgeben – durch die Umsetzung einer fixen Idee noch weiter zerstören?

Reinhold Messner wird mit den Worten zitiert:

Alternative Energien sind sinnlos, wenn sie genau das zerstören, was man durch sie schützen will: die Natur.

Ja, natürlich: Auch eine Energieversorgung, die auf dem Verbrennen von „versteinertem Sonnenlicht“ basiert ist auf Dauer nicht zukunftsweisend. Wir haben aktuell aber noch keine Alternative, wenn wir nicht in vorindustrielle Zustände zurück wollen. Die windradbasierte Energiewende funktioniert nicht! Leider.
Das gewaltige wirtschaftliche Potential, das wir durch die Nutzung fossiler Energieträger haben, sollten wir nutzen, um echte Alternativen, um eine zukunftsweisende Energiewende zu realisieren, die diesen Namen auch verdient.

Ein letzter Vergleich: Die EEG-Subventionen fördert eine antike Technologie mit rund 30 Milliarden Euro pro Jahr. Wendelstein 7-X, die fortgeschrittenste Experimentieranlage zur Erforschung der Kernfusionstechnik in Greifswald, hat ein Budget von 1,06 Milliarden Euro – über 18 Jahre… [evv]

18.4.2019WirtschaftEifel0 Kommentare Gast Autor

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