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Die betroffenen Bürger bedankten sich für die Entscheidung des Heimbacher Stadtrats. [Foto: cpm]

Repowering in Vlatten: Etappensieg für die Bürgerinitiativen

Heimbach: Außer den drei Gegenstimmen der Grünen hat sich der Heimbacher Stadtrat aus Vertretern der CDU, SPD, UWV und FDP gegen das Repowering in Vlatten entschieden. In seiner Sitzung am vergangenen Donnerstag folgte er der Empfehlung des Stadtentwicklungsausschusses (EIFELON berichtete) und versagte den Plänen das Einvernehmen. Die Wind Repowering GmbH & Co. KG aus Erkelenz hatte beim Kreis Düren einen Genehmigungsantrag gestellt, fünf Windenergieanalagen in Heimbach-Vlatten zu errichten. Im nächsten Schritt wird der Kreis Düren als übergeordnete Behörde selbst prüfen, ob er sich dem Votum aus Heimbach anschließt. Ob es damit noch zu dem Erörterungstermin am 24. Juli in Vlatten kommt, ist abzuwarten.

Die Stadtvertretung begründet ihr Ablehnen mit verschiedenen Punkten und hat dabei auch Stellungnahmen von Bürgern, Initiativen und Verbänden berücksichtigt: Das Vorhaben widerspricht dem Flächennutzungsplan, da die Höhenbegrenzung nicht eingehalten wird. Die geplanten Anlagen widersprechen dem Denkmalschutz, dem Schutz des Landschaftsbildes und dem Erholungswert der Landschaft. Das Lärmschutzgutachten ist in Teilen widersprüchlich, da sich die prognostizierten Lärmimmissionen nur an den theoretischen Herstellerangaben orientieren und nicht an gemessenen Ergebnissen. Die Schattenwurfprognose ist zweifelhaft. Der Artenschutz wurde nicht entsprechend den gesetzlichen Vorgaben berücksichtigt. Aufgrund der nicht eingehaltenen Minimalabstände der Windräder untereinander ist nicht sichergestellt, dass die geplanten Anlagen standsicher errichtet werden können. Der Antragssteller hat nicht nachgewiesen, dass er das beantragte Vorhaben ausreichend erschließen kann.

Das von der Wind Repowering GmbH & Co KG aus Erkelenz angestrebte Repowering, bei dem der Projektierer acht, seit 2002 installierte, bis zu 130 Meter hohe Windräder abreißen und gegen fünf neue 200-Meter-Anlagen mit dreimal so hoher Leistung austauschen möchte, würde neben den Vlattenern auch die Menschen in Hergarten (Heimbach), Berg (Mechernich), Bürvenich und Eppenich (Zülpich) und Wollersheim (Nideggen) betreffen: Die Windräder wären mit ihren 200 Metern um fast 50 Meter höher als der Kölner Dom, würden voraussichtlich mehr lärmen als die alten und durch die 149 Meter langen Rotoren einen längeren Schattenwurf haben. Damit und auch in anderen Punkten wird gegen das Verschlechterungsverbot beim geplanten Repowering verstoßen.

„Wir sind erleichtert und froh, dass der Stadtrat so deutlich gegen das Repowering gestimmt hat. In seiner Ablehnung waren viele unterschiedliche Aspekte enthalten“, sagt Dorothea Wirtz von der Bürgerinitiative Berg über den Etappensieg. Die Berger hoben den Punkt hervor, dass die neuen großen Windräder zu nahe zueinander geplant seien. Das führe zu einer unüberwindlichen Mauer aus Luftturbulenzen für Vögel und Fledermäuse, für sie ist dann ein Durchfliegen der Konzentrationszone lebensgefährlich. Nur die Landwirte würden sich zwangsläufig dann noch auf der Fläche aufhalten. Auch fürchten sie Verunreinigung von Boden und Grundwasser, es sind fast drei Tonnen an Ölen und teilweise toxischem Kühlmittel pro Windrad in den Gondeln enthalten. Bereits 2013 war auf dem Gelände eines der 1,5 MW Windräder abgeknickt. Die zuständige Behörde kenne inzwischen den Grund, wolle ihn aber nicht nennen, sagt Wirtz. Naturfreund Hubert Breuer aus Glehn berichtet, er habe 14 Milane in 2018 gezählt. Der Naturschutzbund Deutschland e.V. hatte bemängelt, dass die vorgelegten Gutachten zur Artenschutzprüfung I und II nicht entsprechend des wissenschaftlichen und rechtlichen Standes erarbeitet wurden. „Der vorliegende Antrag der Wind Repowering GmbH & Co. KG aus Erkelenz ist unvollständig und fehlerhaft. Die Behörden sollten sich überlegen, ob sie überhaupt mit so einem Betreiber weiter arbeiten möchten“, sagt Wirtz.

Erleichtert sind auch die Vlattener nach der Abstimmung. „Dass die Grünen dagegen gestimmt haben, verstehen wir nicht“, sagt Hubert Hoffsimmer aus Vlatten. Bei den Europawahlen in zwei Wochen wisse er jedenfalls, wem er seine Stimme nicht geben werde. So hohe Windräder schreckten Touristen und Investoren ab. Er verweist auf neu gebaute Ferienwohnungen in Vlatten. Der Eigentümer befürchte nun, dass er falsch investiert habe und die Wohnungen nicht vermietet bekomme, denn wer macht schon Urlaub neben 200 Meter hohen Windrädern? Andere erzählen, dass bereits Grundstücksinteressenten des Vlattener Neubaugebietes abgesprungen seien. Das Neubaugebiet hatten Bürgermeister Peter Cremer und Landrat Wolfgang Spelthahn kürzlich eingeweiht und dabei nicht erwähnt, dass direkt nebenan möglicherweise Riesenwindräder aufgestellt werden. Hoffsimmer macht auch auf das Haus Lebenshilfe in Bürvenich aufmerksam, in dem Menschen mit Behinderung leben und das unmittelbar von Schattenwurf und noch mehr Lärm erfasst würde. „Die Menschen dort fragt keiner. Sie erreicht schon jetzt der Lärm der kleinen Windräder. Sie können ihre Lebenssituation nicht mehr verändern“, betont Hoffsimmer.

Allen Bürgern ist klar, dass mit der Entscheidung des Heimbacher Stadtrates erst ein Etappensieg gewonnen ist. Bereits letzten Sonntag hat die Bürgerinitiative Berg Menschen geholfen, ihre Einwände zu formulieren. Die Bürgerinitiative Vlatten läuft Sturm bietet diesen Sonntag, 19. Mai, von 10.00 bis 13.30 Uhr einen Beratungstermin in der früheren „Gaststätte Mac“ in der Weberstraße 29 an. Rechtsanwalt Justus Peters und Dr. Harro Höger werden interessierten Bürgern Fragen beantworten und sie bei der Formulierung ihrer Einwände unterstützen. Die Einwände der Bürger müssen bis zum 15. Juni 2019 bei Landrat Wolfgang Spelthahn eingegangen sein.

Letzte Meldung: Die 18-seitige Beurteilung des Repoweringvorhabens Vlatten durch das Landesbüro der Naturschutzverbände NRW liegt jetzt der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Düren vor. EIFELON zitiert den letzten Satz der Ausführungen: „Auch weitere windenergiesensible Arten unter den Greifvögeln, Feldvögeln, Eulen und Fledermäusen werden durch die Anlagen gefährdet oder vergrämt, daher lehnen wir die vorliegende Planung ab.“

17.5.2019PolitikHeimbach0 Kommentare js

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