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"Keine Windriesen" fordern eintreffende Demonstranten. [Fotos: js]

Ausschuss spricht sich gegen Repowering in Vlatten aus

Heimbach: „Wir müssen eine Grenze ziehen. Anfangs wollten wir den Ökostrom. Im Nachhinein wurde uns aber bewusst, was wir gemacht haben“, sagt Cornelia Kowalla-Vito aus Vlatten. Sie ist eine von zirka 130 unmittelbar betroffenen Demonstranten. Kein Politiker, kein Investor und auch niemand, der fernab vom eigenen schönen Zuhause für abstrakte Ziele demonstriert. Es sind Menschen, die konkret mit dem Resultat aus den Entscheidungen von Politik und Wirtschaft leben müssen: mit dem Windrad als Nachbarn. Und so demonstrieren die Vlattener, Berger und Bürvenicher, unterstützt von Hasenfeldern mit Plakaten und Trillerpfeifen und machen damit auf ihre Belange vor dem Heimbacher Rathaus am Seerandweg aufmerksam.

Konkret geht es um das Repowering, das die Wind Repowering GmbH & Co KG aus Erkelenz im Vlattener Windpark anstrebt. Sie möchte die acht, seit 2002 installierten, bis zu 130 Meter hohen Windräder abreißen und gegen fünf neue 200-Meter-Anlagen mit dreimal so hoher Leistung austauschen. Diese geplanten Anlagen sind mit ihren 200 Metern um fast 50 Meter höher als der Kölner Dom, werden voraussichtlich mehr lärmen als die alten und durch die 149 Meter langen Rotoren einen längeren Schattenwurf haben. Neben den Vlattenern wären davon die Menschen in Hergarten (Heimbach), Berg (Mechernich), Bürvenich und Eppenich (Zülpich) betroffen.

Bisher hätten sich die Vlattener Bürger nie beschwert, schildert Kowalla-Vito gegenüber EIFELON. Als die Windräder aufkamen, dachten sie, die Windkraft sei etwas Gutes, eine neue Idee der Energiegewinnung, weg von Atom- und Kohlestrom. Über Risiken und Nebenwirkungen der Windräder seien sie nicht aufgeklärt worden. Vielleicht habe man die anfangs auch noch nicht gekannt. Sie, die Bürger, hätten die Technik aber auch nicht hinterfragt. „Die Zeiten ändern sich. Wir erleben die Probleme, etwa den Geräuschpegel, und haben Angst, dass sie noch schlimmer werden. Wir können nicht eine Gesundheitsgefährdung abstellen und eine neue produzieren“, sagt Kowalla-Vito.

Jörg Puppe solidarisiert sich mit einer eigenen Bürgerinitiative.

Bereits der hörbare Lärm durch die kleinen Windräder stört einige Bürger nachts beim Schlaf. Andere wandern tagsüber nicht mehr ihre früher gewohnte Strecke, weil sie an den lärmenden Windrädern vorbeigehen müssten. Jörg Puppe von der Bürgerinitiative Hasenfeld sorgt sich über die noch unzureichend erforschten Auswirkungen des Infraschalls durch Windräder auf Mensch und Tier und erinnert an tote Vögel und Fledermäuse als Windradopfer. Für ihn haben Windräder weder direkt im Wald, noch in der Nähe zum Nationalpark – wie in Vlatten – etwas zu suchen. Die geplanten Windradriesen seien außerdem schlecht für den Tourismus, weil sie das Landschaftsbild zerstörten, sagt Puppe.

Brigitte Dresow aus Bürvenich fürchtet neben dem zunehmendem Lärm der 200-Meter-Anlagen, dass die Bewohner der Bürvenicher Lebenshilfe durch die Wohnlage vom Schattenwurf der längeren Rotoren in ihrer Wohnqualität betroffen sein werden. Sie hatte mit ihrem Mann Rolf am Bürgerdialog (https://eifelon.de/region/sind-vlattener-und-berger-buerger-versuchskaninchen-der-windradbetreiber.html) teilgenommen, zu dem Heimbachs Bürgermeister Peter Cremer eingeladen hatte. Die dortige Erklärung von Vertretern der Wind Repowering GmbH & Co KG, die Anlagen würden nach 30 Minuten Schattenwurf auf denselben Wohnbereich abgestellt, war für sie unschlüssig. Die betroffenen Wohnhäuser liegen in verschiedenen Himmelsrichtungen um die Windräder. Diese müssten mehrmals am Tag abgestellt werden und wären dann nach Meinung des Ehepaars nicht mehr rentabel. Die Aussage des Bürgermeisters, kämen die neuen Windräder nicht, müsse die Grundsteuer angehoben werden, wertete das Ehepaar als Einschüchterungsversuch. Unverständlich ist für sie auch, dass die Lärmmessung auf technischen Vorgaben aus dem Jahr 1998 basiert, mit Referenzwerten von nur 30 Meter hohen Windrädern.

Andere Vlattener Bürger hinterfragten den grünen Gedanken, wenn Anlagen nach 20 Jahren wieder abgebaut würden. Wirtschaftlich seien die Anlagen nicht. Für die Betreiber lohnten sich die Windräder nur durch die EEG-Umlage, die der Stromkunde zusätzlich zum Strompreis bezahle. Das Konzept der Energiewende sei falsch aufgezäumt. Zuerst hätte die Regierung für Energiespeicher, dann für Transportwege und letztlich für die Anlagen sorgen müssen. Jetzt kommt es immer wieder vor, dass Deutschland Strom, den der Kunde zuvor über die EEG-Umlage mit subventioniert hat, ans Ausland verkaufen muss, damit unser Stromnetz wegen Überlastung nicht zusammenbricht. Allein am Osterwochenende mussten mehr als fünf Millionen Euro bezahlt werden, damit die europäischen Nachbarn den unverkäuflichen Wind-Strom abnahmen. Das wird weiter zunehmen, da die Regierung den Windradausbau ohne Speicher weiter vorantreibt.

Die Demonstranten hoffen, dass sich die Politiker für ihre Belange entscheiden.

Mit diesen Beweggründen nahmen die Demonstranten am öffentlichen Teil des Stadtentwicklungsausschusses teil. Bürgermeister Peter Cremer erläuterte, es ginge in der Sitzung nicht um die Energiewende und den Klimaschutz, sondern rein um den Antrag der Firma Wind Repowering GmbH & Co KG aus Erkelenz und die Belange, die die Stadt Heimbach dabei zu vertreten habe: Der Stadtrat muss Stellung zum Repoweringantrag beziehen, das Einvernehmen zum Genehmigungsantrag erteilen oder versagen. Unter anderem dürften dem Bauvorhaben keine öffentlichen Belange entgegenstehen etwa Emissions-, Schall- oder Landschafts- und Denkmalschutz.

Jochen Weiler von der CDU monierte die kurze Frist, in der sich die Ratsmitglieder mit dem Thema auseinandersetzen konnten. Weder Antragsteller noch Bürgermeister hatten den Rat in der Sitzung vom 28. März informiert, dass der Stadt Heimbach der Genehmigungsantrag vorlag. Im späteren Tagesordnungspunkt drei musste sich Bürgermeister Peter Cremer der Frage der CDU-Fraktion stellen, ob er bereits während besagter Sitzung von dem Antrag wusste und ob er den Rat bewusst nicht oder fehlinformiert hatte. Ja, er habe von dem Antrag gewusst und dass der Rat in Kürze darüber entscheiden müsse. Er habe aber auf der Sitzung schlichtweg vergessen, die Räte darüber zu informieren. „Fehler passieren. Das Versäumnis ist passiert. Wir müssen das Beste daraus machen“, sagte Bürgermeister Peter Cremer.

Matthias Dürbaum von der SPD betonte, dass man die anliegenden Bürger nicht als Gegner der Energiewende sehen dürfe, da sie bereits seit 20 Jahren mit den Windenergieanlagen lebten. Ihre Einwände beruhten auf den Erfahrungen, die sie im Laufe dieser Zeit mit den Windrädern gesammelt haben.

Letztendlich sprach sich der Ausschuss in seiner Empfehlung für die Ratsversammlung am 16. Mai für eine Ablehnung des Genehmigungsverfahrens aus. Die Verwaltung soll beauftragt werden, für die Einvernehmens-Versagung eine sachliche Begründung auszuarbeiten. Der Beschluss wurde mit den Stimmen von CDU, SPD, UWV und FDP (zwei Gegenstimmen, GRÜNE) und unter großem Applaus der Demonstranten gefasst.

„Wir sind freudig überrascht, dass sich die Politiker so klar für die Menschen und gegen die Geschäftemacher ausgesprochen haben“, sagte Dorothea Wirtz von der Bürgerinitiative Berg nach der Sitzung. Sie setzt auf die Standfestigkeit der Heimbacher Politiker, wenn der Rat in seiner Sitzung am 16. Mai über den vom Ausschuss verfassten Beschluss abstimmt.

10.5.2019PolitikHeimbach4 Kommentare js

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  • Es ist absolut super, das der Stadtentwicklungsausschuss-außer die Grünen-dem Stadtrat empfohlen hat bei der Abstimmung nächste Woche dem Genehmigungsverfahren für das Repowering das Einvernehmen zu versagen. Da zeigt sich, das es sich doch lohnt, sich als Bürger zusammen zu tun wenn man mit der Politik der Volksvertreter nicht einverstanden ist. Man braucht sich nicht wundern wenn aus Politikverdrossenheit Parteien gewählt werden, die eigentlich kaum einer will.Was den Bürgermeister betrifft-ich saß noch im Saal wie noch einpaar (leider) wenige-als er sich zu den Fragen der CDU aüßern sollte, finde ich seine Antwort, sehr gelinde gesagt, eine absolute Frechheit. Was wäre denn, wenn dann nach der Abstimmung die Post mit der Einvernehmensverweigerung plötzlich auch „vergessen“ wird fristgerecht beim Kreis einzureichen? Das kann ja mal passieren……..

  • Ein ganz schlechter Stil ist es, dem Bürger Grundsteuererhöhungen anzudrohen wenn er dem Repowering von WEA´s nicht zustimmt!
    Ein noch schlechterer Stil ist es, den Rat nicht über ein anstehendes Baugenehmigungsverfahren zu unterrichten! (HIV = hann ich verjesse)

  • Heinz am 11.5.19 um 11:41 (#308)

    Erstmal: Großartig, dass der Ausschuss richtig entschieden hat! Dankeschön den Vertretern im Rat! Glückwunsch an die BIs und die direkt betroffenen Bürger!

    Ein paar Gedanken noch zum Verhalten des hochgeschätzten Bürgermeisters:

    – Erst „vergisst“ der Herr Bürgermeister also den Rat zu informieren, dass überhaupt Rewpowered werden soll.

    – Dann „vergisst“ der Mensch die Öffentlichkeit zu informieren während er grinsend das Neubaugebiet eröffnet.

    – Und zur Krönung „vergisst“ er ein wichtiges Schreiben des NABU weiterzuleiten?

    Da zeichnet sich doch ein Muster ab…

    Der Mann „verdient“ mehr als 7.300€ pro Monat! Da kann man doch erwarten, dass er sich eine To-Do-Liste macht um nichts zu „vergessen“! Dass er Rat und Öffentlichkeit rechtzeitig informiert!

    In meiner Firma würde eine „Führungskraft“, die so viele wichtige Sachen vergisst, gegangen. Und zwar Fristlos!

    [Gekürzt. Bitte bleiben Sie auch bei emotionalen Themen sachlich und verzichten Sie auf Spekulationen. Vielen Dank. Die Redaktion]

    Das darf doch alles nicht wahr sein!

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