"Viele kleine Dinge wurden durch die richtige Art von Werbung groß gemacht."

Mark Twain
EIFELON weiterempfehlen

Wir informieren die Eifel

unabhängig. überparteilich. unbezahlbar.

neue Kommentare
0
Der ehemalige Rotmilan-Horst im Plangebiet Dahlem IV. [Foto: privat]

Trauriges Nachspiel zu Dahlem IV

Kreise, Kreis Euskirchen: Wie erst jetzt bekannt wurde, ist ein geschützter Rotmilan-Horst in einer Einzel-Fäll-Maßnahme im Umfeld des geplanten Windparks Dahlem IV – noch während der Prozess gegen das umstrittene Windparkprojekt lief – der Säge zum Opfer gefallen.

Der Horst lag in einem mehrwipfeligen Nadelbaum am nördlichen Rand einer Nadelwaldparzelle circa 120 Meter westlich der Gebietserweiterung des FFH-Gebietes „Manscheider Bachtal und Paulushof“ und etwa 450 Meter nördlich von den geplanten Windenergieanlagen Dahlem IV entfernt. Die Standort-Koordinaten des Baumes waren dem örtlichen Naturschutz bekannt.

Der Rotmilan-Horst wurde im Frühjahr 2017 von Mitgliedern der NaturschutzInitiative (NI) und des NABU-Euskirchen gefunden, nachdem sie die Brutaktivitäten eines Rotmilanpaares über dem Waldstück beobachten konnten. Nachdem der Horst seitens des NABU NRW, im Juni 2017 dem Verwaltungsgericht Aachen gemeldet wurde, bestätigten sowohl der Kreis Euskirchen als auch die Windpark Dahlem GmbH die Existenz des Rotmilanhorstes. Der Gutachter des Anlagenbetreibers hat den Horst daraufhin vor Ort besichtigt und als Rotmilanhorst bestätigt.

Durch die erfolgte Fällung in der Zeit zwischen dem 20. August und dem 3. September 2018 wurde der Brutplatz eines Rotmilanpaares zerstört.

Rotmilan-Horste genießen nach dem „Leitfaden Artenschutz für den Bau von Windenergieanlagen NRW“ einen zweijährigen Bestandschutz.Auch dann, wenn der Horst nach der letzten Bebrütung im Folgejahr nicht besetzt wurde. Die Zerstörung eines Rotmilan-Horstes ist somit eine Straftat nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG).

Die Kreisverwaltung Euskirchen gab während der Gerichtsverhandlung gegen Dahlem IV, am 19. September, auf Nachfrage des Richters bekannt, dass eine Strafanzeige veranlasst worden sei. Ob die Fällung des Horstbaumes unter Vorsatz vorgenommen wurde, muss jetzt im Rahmen der Anzeige geklärt werden. Bemerkenswert sei hierbei die Tatsache, dass der Horst vollständig aus der Baummulde herausgenommen und beseitigt worden sei, was nicht dafür spräche, dass der Baum mit dem Rotmilan-Horst „aus Versehen“ gefällt worden war, betonen die Naturschützer vor Ort.

„Es vergeht kaum eine Woche, in der wir nicht Hinweise auf Horststörungen, Vergrämungen, Horstzerstörungen oder Fällung von Horstbäumen erhalten. Dies ist kein Zufall, sondern erfolgt nach unseren Erkenntnissen mit System und bundesweit“, erklärte NI-Landesvorsitzender Harry Neumann.

Mittlerweile wurde der Genehmigungsbescheid zum Bau der fünf geplanten Windindustrieanlagen im Kammerwald (Dahlem IV) vom Verwaltungsgericht Aachen im Hauptsacheverfahren für rechtswidrig erklärt. EIFELON berichtete.

Kritik kommt auch von den Mitgliedern der Naturschutzorganisationen vor Ort: Es sei unbegreiflich, wieso ein gerichtsbekannter und von Gutachtern bestätigter, geschützter Rotmilan-Horstbaum gefällt werden konnte, ohne dass die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises Euskirchen dazu eingeschritten sei. Der fragliche Horst ist seit langem bekannt und an die, mit der Windanlagen Genehmigung befasste Behörden in Euskirchen gemeldet worden.

Wieso hat diese Information die UNB – im gleichen Kreishaus – nicht erreicht?

Damit stellt sich für die Bürger vor Ort die Frage, wozu Informationen zu bedrohten Vogelarten noch an die Behörden weitergeben werden sollen, wenn dies keinen Schutz für die gefährdete Art bedeutet?

Wir fordern Sie (die UNB im Kreis EU, die Red.) auf, unmittelbar klarzustellen, wie Sie die Lebensräume von Großvogelarten wie Rotmilan und Schwarzstorch in Zukunft betrachten und schützen werden, […] Oder wie werden Sie zukünftig zu verhindern wissen, dass Horstbäume gefällt werden, die zudem Bestandteil eines laufenden Genehmigungsverfahrens sind?

Schreiben die Mitglieder von NI und NABU an die zuständige Euskirchner Kreisverwaltung. In ihrer Presseaussendung fordert die NI die konsequente Ermittlungen und Bestrafung der Täter.

5.10.2018NaturKreise, Kreis Euskirchen0 Kommentare cpm

Bisher 0 Kommentare
Kommentar schreiben

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Beitrag. Schreiben Sie den Ersten.

Einen neuen Kommentar schreiben

Um einen neuen Komentar zu schreiben, melden Sie sich bitte mit ihrem Benutzernamen und Passwort an. Wenn Sie noch keinen EIFELON-Account haben, können Sie sich kostenlos und unverbindlich registrieren.


  1. *Ihre eMail-Adresse wird nicht veröffentlicht
  2. Ein Passwort wird Ihnen an Ihre eMail-Adresse zugeschickt, Sie können es anschließend in Ihrem Benutzerberich leicht ändern.
  3. Den Button zur Registrierung finden Sie unter unserern folgenden Richtlinien:
Die Richtlinien für die Nutzung der EIFELON Diskussionsplattform
Die Benutzer bestätigen/akzeptieren mit ihrer Anmeldung unsere Richtlinien. Falls es im Nachhinein noch Änderungen an den Richtlinien gibt, werden die User beim nächsten Einloggen aufgefordert, die Richtlinien erneut zu bestätigen: Wir bieten Ihnen hier eine Plattform für sachliche und konstruktive Diskussionen. Um dies zu gewährleisten, behält sich die Redaktion vor, Kommentare nicht zu veröffentlichen, die einer sachlichen Diskussion nicht förderlich sind. Wir bitten Sie daher, durch die Einhaltung unserer Richtlinien zu einem freundlichen Gesprächsklima beizutragen.
1. Gegenseitiger Respekt
Bitte behandeln sie andere Nutzer so, wie Sie selbst behandelt werden möchten. Zeigen Sie Toleranz gegenüber anderen Meinungen und verzichten Sie auf persönliche Angriffe und Provokationen.
Selbstverständlich werden Kommentare, die ehrverletzend, beleidigend, rassistisch, pornografisch oder auf andere Weise strafbar sind, nicht freigeschaltet.
2. Wortwahl und Formulierung
Sachliche Argumentation ist die Basis für eine konstruktive Diskussionskultur. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihren Kommentar vor dem Abschicken zu überprüfen. Habe ich den richtigen Ton getroffen? Könnten meine Formulierungen Missverständnisse hervorrufen?
3. Benutzernamen
Diese genannten Richtlinien gelten auch für die Verwendung von Benutzernamen.
4. Quellenangaben und Verlinkungen
Wenn Sie Zitate verwenden, verweisen Sie bitte auf die Quelle und erläutern Sie deren Bezug zum Thema.
5. Zeichenbegrenzung
Die Länge eines Kommentars ist auf 1000 Zeichen zu begrenzen, um eine Moderation in einem adäquaten Zeitrahmen zu gewährleisten. Mehrteilige Beiträge können daher leider nicht berücksichtigt werden.
Bitte sehen Sie davon ab, denselben oder einen sehr ähnlichen Kommentar mehrmals abzuschicken.
6. Werbung
Die Nutzung der Kommentarfunktion zu kommerziellen Zwecken ist nicht erlaubt. Inhalte gewerblichen oder werbenden Charakters werden nicht freigeschaltet. Gleiches gilt für politische Aufrufe aller Art.
7. Sonstige Hinweise
Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung eines Kommentars. Beiträge, die sich als falsch oder unwahr herausstellen, können auch im Nachhinein noch gelöscht werden. Sollten Sie auf Beiträge stoßen, die gegen die Richtlinien verstoßen, machen Sie die Moderation bitte darauf aufmerksam. Schicken Sie einfach den Link des betreffenden Kommentars mit einer kurzen Erläuterung an redaktion@eifelon.de. Bei wiederholten oder besonders schweren Verstößen gegen diese Richtlinien behalten wir uns einen Ausschluss einzelner User vor.


zurück zur Startseite